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Leverkusen
Bei den klugen Kühen auf Gut Ellscheid

Besuch auf Gut Ellscheid
Leverkusen. Die RP-Sommertour war in Haan zu Gast. Bei einer Führung durch die Ställe und über den Hof gab's viel zu entdecken. Von Alexandra Rüttgen

Jungbulle Nummer 543 ist der Publikumsliebling. Mit seiner besonders üppigen Haarpracht über der Stirn wirkt der Schwarzbunte fast schon wie ein Teddybär. Wohl jeder Gast der RP-Sommertour macht ein Foto vom friedlich kauenden Tier. Das aber hat nur eines im Sinn: fressen. Und weil der Jungbulle in Greta (7) eine fleißige Helferin gefunden hat, geht der Nachschub auch nicht aus. Geduldig schiebt das blonde Mädchen mit seinen Gummistiefeln Heu vor dem Gatter des Stalls zusammen. So kann sich Nummer 543 mit langer Zunge daran bedienen. Greta freut sich: "Der ist nicht so scheu wie die anderen." Denn der Rest der etwa 20-köpfigen Jungbullenherde äugt noch ziemlich skeptisch durch das Gatter. So viele Leute auf dem Hof?

Zur Sommertour hatte die Rheinische Post gemeinsam mit den Inhabern Gerhard und Marlene Rosendahl nach Gut Ellscheid in Haan eingeladen. Die Sommertour hat zum Ziel, die Heimat direkt vor der Haustüre zu entdecken. Gestern waren die Haaner Landwirte dran. Sie bewirtschaften den Hof schon in vierter Generation. 50 Rinder und rund 65 Hektar Land gehören dazu. Darauf werden Weizen und Gerste angebaut - Futter für die immer hungrigen Tiere.

Günter Sölter ist mit Enkelin Noa (4) gekommen. "Wir wollten mal gucken, wie so ein Gutshof funktioniert und was für Tiere hier leben", erzählt er. Greta (7) ist mit Großmutter Monika Nestler da. "Greta liebt Tiere, und wann hat man mal die Möglichkeit, Kühe aus der Nähe zu sehen?" Petra Brohsys und Markus Kronig waren einfach neugierig. Und Claudia Zetzsche, begleitet von Sohn Philipp (17), ist gespannt: "Wir haben immer schon das Hinweisschild zum Hof gesehen. Jetzt ist eine gute Gelegenheit, ihn kennenzulernen." Es dauert nicht lange, und Landwirt Rosendahl wird mit Fragen gelöchert. "Was mache ich gegen die Würmer in meinen Äpfeln?" - "Wie halten Sie es mit Pestiziden und dem anderen Zeug?" Und ganz nebenbei erfahren die Gäste von Marlene Rosendahl, die den Hofladen unterhält, dass die Apfelsorten "Santana" und "Wellant" auch für Allergiker gut geeignet sind.

Auf geht's in den Kälberstall. Sieben Tiere wurden allein vergangene Woche geboren. Da ist die mit Stroh ausgelegte Kinderstube voll. Während die Muttertiere auf der Weide einer ihrer Hauptbeschäftigungen nachgehen - fressen - ist in der Kälbchen-Kita Unfug angesagt. Lautstark wird gemuht, als die Gäste den Stall betreten. Hier sollen die Kälber zu Kräften kommen. Eines der Tiere rennt im Schweinsgalopp auf die kleine Noa zu und bremst erst kurz vor dem Gatter, das beide trennt. Angesichts von so viel Übermut versteckt sich Noa lieber hinter Opas Rücken. Nein, und auch dem Kälbchen möchte sie lieber nicht ihre Hand hinhalten. Stattdessen streckt Claudia Zetzsche die Hand aus. Sogleich nuckelt das Kalb an ihren Fingern. Claudia Zetzsche ist erstaunt: "Die Zunge ist so rau", sagt sie. Klar, das hat auch seinen Grund, erläutert Rosendahl: Rinder zupfen auf der Weide das Gras mit der Zunge ab. Und damit es dabei nicht abgleitet, ist die Zunge so rau.

Im Stall für die Milchkühe hat Gerhard Rosendahl zwei Heuballen, Schubkarren und Eimer arrangiert. "So. Ich habe mal aufgebaut, was eine Kuh an einem Tag frisst." Neun Erwachsene und zwei Kinder staunen. Denn es gehören bis zu 25 Kilo Gras, 20 Kilo Maissilage, bis zu sechs Kilo Kraftfutter, etwas Salz sowie rund 40 Liter Wasser dazu. Rinder sind wahre Gewohnheitstiere: "Der Kuh ist es am liebsten, wenn sie jeden Tag dasselbe frisst", erläutert der Landwirt. Sonst nämlich kommt ihre Verdauung durcheinander.

Beliebtes Motiv für die Handy-Fotografen in der Gruppe sind auch Rosendahls Kühe auf der Weide. Zum Wassertrinken holt er sie mittags in den Stall. "Hepp!", ruft er einmal laut - und die Tiere gehorchen ihm aufs Wort. Gemächlich marschieren sie auf den Hof.

An diesem Tag lernen die Besucher viel über den Milchviehbetrieb. Auch Nachdenkenswertes, denn die Lage der Landwirte ist angesichts schlechter Ernte und niedriger Milchpreise nicht rosig. Bei Marlene Rosendahls Broten mit Hausmacher-Blut- und Leberwurst klingt die Besichtigung aus.

Quelle: RP
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