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Leverkusen
"Beswingter" Jahreswechsel mit Ugarte

Leverkusen: "Beswingter" Jahreswechsel mit Ugarte
Enrique Ugarte dirigierte den Jazzteil des Silvesterkonzertes in einem weißen Dinner-Jacket. FOTO: Uwe Miserius
Leverkusen. Enrique Ugarte brachte als Dirigent, Moderator und Akkordeonsolist mit dem Bayer-Sinfonieorchester Jazz, Swing und vor allem auch südamerikanische Melodik auf die Bühne und in die Hörerschaft. Es war ein besonderer Jahreswechsel. Von Monika Klein

Jahreswechsel werden von jeher traditionell mit Wiener Walzer und Polka oder einem Ausflug in die Operetten- und Opernwelt begangen. Auch bei den Bayer-Philharmoniker ging es bislang entsprechend zu. Dieses Jahr aber klang es ganz anders beim Silvesterkonzert im Programm von KulturStadtLev im vollen Forum-Saal und bei der Wiederholung als Neujahrskonzert im Erholungshaus von Bayer Kultur. Statt nach Wien oder Italien, blickte Leverkusens Sinfonieorchester auf den amerikanischen Kontinent und entwickelte dabei satten Bigband-Sound.

Swing und Jazz waren Trumpf bei "La Fiesta", einem Festival von Rhythmik und samtweich gleitenden Streicher-Harmonien, bei denen das Stillsitzen eindeutig schwerer fiel, als sonst. Spätestens beim zweiten Stück "A String of Perls" von Glenn Miller war beim Publikum die Tanzlust geweckt. Und der Mann auf dem Podium nutzte seine Bewegungsfreiheit, um sich wenigstens auf der Stelle zu wiegen und mitzuwippen. Da stand dieses Mal nicht Bayer-Dirigent Bernhard Steiner, der - wie schon vor zwei Jahren - auf Konzertreise war. Die Leitung hatte er für dieses Doppelprojekt an Enrique Ugarte abgegeben. Dies war die perfekte Personalentscheidung für diese Fiesta, zumal die Bayer-Philharmoniker bereits beste Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit diesem Gastdirigenten gesammelt hatten.

Wie Ugarte das Orchester umgeformt hat, das ließ bereits sein Dresscode erahnen. Kam er doch nicht im klassischen Frack, wie die Herren in der großen Orchester-Besetzung, sondern im weißen Dinner-Jacket. Das war die passende Kleidung für den Auftakt mit einem der bekanntesten Jazzstandards der Vorkriegszeit, Cole Porters "Night an Day". Und damit vermittelte das Orchester unmittelbar Broadway-Feeling mit Zutaten wie weichgespülte Streicherpassagen, dazu präzise Synkopen. Es gab rhythmische Akzente, so prickelnd wie die Perlen, die aus den projizierten XL Champagner-Gläsern zu beiden Seiten der Bühne aufstiegen.

Das Programm war vor allem ein Fest der Bläser, die viele Gelegenheiten hatten, ganz unterschiedliche Klangnuancen einzubringen. Nach zwei Stücken zog Ugarte die weiße Jacke aus und wechselte mit der Kleidung auch die Rolle vom Dirigenten zum Solisten. Jetzt werde er selber arbeiten und nicht nur arbeiten lassen, meinte er schmunzelnd und moderierte weiter das Programm, das nun von den USA nach Südamerika wechselte. Genauer gesagt nach Argentinien, denn Kompositionen von Astor Piazzolla sind quasi Pflicht, wenn man einen Akkordeonisten im Haus hat, der schon auf den Bühnen von Europas größten Konzertsälen spielte. "Libertango" oder "Oblivion" sind legendäre Titel des Tango-Königs, die Virtuosität mit Emotionalität vereinen. Ugarte verzauberte auch das Leverkusener Publikum, ebenso wie die Jazz-Sängerin Brenda Boykin, die den Abend mit ihrem Auftritt bereicherte. Dies gelang ihr mit ausdrucksvoll vorgetragenen Songs von George Gershwin, die Ugarte für diese Besetzung als Medley arrangiert hat. Von ihm stammten im übrigen sämtliche Transkriptionen und Orchestrierungen für diesen "beswingten" Jahreswechsel.

Quelle: RP
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