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Blitzmarathon 2016 in NRW
"Haltet euch ans Tempo, die paar Minuten sind es nicht wert"

Blitzmarathon 2016 Leverkusen: Opfer sprechen über Unfallfolgen
Tobias Feld verunglückte mit dem Motorrad. Bis heute belasten ihn gesundheitliche Schäden. FOTO: Uwe Miserius
Leverkusen. Unfallopfer stehen im Mittelpunkt des 9. Blitzmarathons. Wir erzählen die Geschichte von einem Leverkusener, der vor zwei Jahren schwer verunglückte. Der Polizist, der damals als erster am Unfallort war, sagt: "Obwohl ich Profi bin, wühlen mich schwere Unfälle emotional auf."   Von Sebastian Fuhrmann

Tobias Feld war im Januar vor zwei Jahren erst 17 und wollte "unbedingt noch zum Sport", wie er heute sagt. Weil die Strecke für einen Fußmarsch zu weit war, traf er eine Entscheidung, die er heute bereut. Er schnappte sich ein Motorrad aus der Garage und düste mit einem Beifahrer los – viel zu schnell. Auf der Hitdorfer Straße überholte er einen Wagen und rauschte mit mehr als 70 Sachen in ein Auto. Tempo 30 ist auf der Strecke erlaubt. Feld wurde bei dem Zusammenstoß schwer verletzt. 

Brüche am ganzen Körper

Sein Handgelenk brach. Es musste mit einer Metallplatte und sieben Schrauben fixiert werden. Auch vier Finger, eine Rippe und eine Kniescheibe wurden gebrochen. Zentimeterlange Narben erinnern ihn heute täglich an den Zusammenstoß. Bei Belastung schmerzt das Knie. Wenn der inzwischen 19-Jährige sagt, dass er "einen guten Schutzengel hatte", will er damit sagen, dass er bei dem Unfall hätte sein Leben verlieren können. Jens Vogt von der Leverkusener Polizei war als einer der ersten vor Ort. Wie er die Situation erlebte, erzählt er im Video. 

Fragen und Antworten zum Blitzmarathon 2016

Am Donnerstag kehrten der Polizeibeamte Vogt und Tobias Feld an den Ort des Unfalls zurück. Der Köln-Leverkusener Polizeipräsident Jürgen Mathies eröffnete an der Unfallstelle den 9. Blitzmarathon, bei dem die Opfer im Mittelpunkt stehen. Das inoffizielle Motto der Aktion: "Schicksale statt Zahlen".

Mehr als 500 Menschen starben 2015 im Straßenverkehr

Allein in NRW sind im vergangenen Jahr 524 Menschen im Straßenverkehr ums Leben gekommen. "Das ist eine so riesige Zahl, da gilt es, etwas zu tun", sagte Mathies. Besonderes Augenmerk liege neben denen, die aus Unachtsamkeit zu schnell sind, auf der Raserszene. "Die Geschehnisse im Zusammenhang mit Rasern machen deutlich, wie schnell Unbeteiligte durch zu schnelles Fahren geschädigt werden können", erklärte der Polizeipräsident.

In Leverkusen sind 164 Polizisten an 33 Messstellen bis in die Abendstunden im Einsatz. In Hitdorf gingen der Polizei bereits am frühen Morgen einige Autofahrer ins Netz, obwohl die Beamten mitten auf der Straße standen und sich keine Mühe gaben, sich zu verstecken.

Tobias Feld, der dort vor zwei Jahren verunglückte, appellierte an die Fahrer: "Haltet euch an die Geschwindigkeit, die paar Minuten, die ihr spart, sind es nicht wert." Es sind nicht nur die seelischen und psychischen Narben, die die Opfer belasten. "Ich schätze, der Unfall hat mich insgesamt 11.000 Euro gekostet", sagt der 19-Jährige.

Hier geht es zur Zwischenbilanz der Polizei Köln/Leverkusen.

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