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Leverkusen
Bombe in Opladen erfolgreich entschärft

Bombenfund am Bahnhof Opladen
Bombenfund am Bahnhof Opladen FOTO: Uwe Miserius
Leverkusen. An der Bahnlinie in Opladen, ein paar Hundert Meter entfernt vom Bahnhof, musste am Donnerstag ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft werden. Es gab Staus rund um die Stadt, auch der Bahnverkehr war betroffen. Um 18.54 Uhr kam die Entwarnung. Von S. Fuhrmann, S. Janssen, U. Miserius, A. Müller, U. Schütz und R. Zilles

Die Entwarnung kam um kurz vor sieben: Die amerikanische Fliegerbombe wurde erfolgreich entschärft. Die Sperrungen wurden aufgehoben, die 560 betroffenen Anwohner konnten zurück in ihre Wohnungen. Auch der Bahnverkehr lief wieder nach Plan. Der Stadtteil Leverkusen-Opladen hatte zuvor Stunden des Chaos erlebt. Es gab weiträumige Sperrungen, der Busverkehr musste aufwendig umgeleitet werden und Schüler standen in Massen auf den Straßen, weil sie ohne funktionierenden Nahverkehr schlichtweg nicht von der Stelle kamen. 

Bereits um 14.30 Uhr hatten Einsatzkräfte der Polizei und der Feuerwehr mit der Absperrung des Bahnhofs, des Busbahnhofs und der umliegenden Bereiche begonnen. 

Die Entschärfung der 5-Zentner-Bombe in Opladen

Mit dem Auto war es bis zum Abend nicht möglich, von der Autobahn aus ohne Umweg nach Bergisch Neukirchen zu fahren. Um Opladen herum staute sich der Verkehr. Der Tunnel, der unter den Bahngleisen hindurch führt, wurde gesperrt. Wer auf die andere Seite der Gleise wollte, musste die Fußgängerbrücke an der Robert-Koch-Straße nutzen. Für Gehbehinderte wurde ein Pendelbus eingerichtet, der an der Ecke Stauffenbergstraße/Rennbaumstraße hielt. Es gab lange Staus. Hier geht es zu unserem Staumelder. 

Die Wupsi musste insgesamt sechs Buslinien umleiten, betroffen waren Busse der Linien 201, 202, 203, 222, 231 und 239. Die Wupsi-Informationsstelle am Busbahnhof wurde geschlossen. Ein Hinweisschild, warum die Information geschlossen war, gab es für die Ratsuchenden nicht. Alle Informationen zu den Umleitungen erhalten Sie hier.

Bombe in Opladen: So läuft die Evakuierung FOTO: Uwe Miserius

Viele Betroffene überrascht von Evakuierung

Als eines der ersten Gebäude wurde das Hochhaus an der Ecke Lützenkirchener Straße/Werkstättenstraße geräumt. Einige Bewohner reagierten überrascht. "Ich bin etwas überrumeplt. Ich komme gerade aus der Uni und wollte eigentlich einen Mittagsschlaf machen", sagte ein junger Mann. Um 16.30 Uhr wurde der letzte Bewohner des Hochhauses, eine pflegebedürftige Dame, von einem Rettungswagen abgeholt. 

Die Karte zeigt das Evakuierungsbild. FOTO: Stadt Leverkusen

Kurz darauf war das Evakuierungsteam an der Stauffenbergstraße im Einsatz. Anwohner zeigten sich auch dort überrascht vom Eintreffen der Einsatzkräfte - etwa in der Firma "Walter Pott Fruchtimport Bananenreiferei". Die Mitarbeiter hatten nichts von dem Bombenfund mitbekommen. "Ich habe Ware im größeren Umfang im Lager, die heute Abend raus muss", sagte Geschäftsführer Jürgen Bruch. Gleichzeitig standen zwei 40-Tonner beladen mit Bananen am Bahnhof Opladen und suchten den Weg zur Firma Pott. Die Firma Pott hatte sich am frühen Abend dazu entschieden, das Gebäude nicht zu verlassen, um die Produktion nicht zu gefährden.

Wie die Stadt mitteilte, waren von der Evakuierung rund 560 Anwohner betroffen. Darunter auch eine Dame mit einem Säugling. "Für meine Tochter und mich ist das eine schwierige Situation. Hoffentlich geht es schnell", sagte sie. 

Als Anlaufpunkt für betroffene Anwohner wurde der Eingangsbereich zum Festsaal des Landrat-Lucas-Gymnasiums geöffnet. Für Verpflegung sorgte der Opladener Imbiss Wurstmaxe, der seinen Stand auf dem Marktplatz aufgebaut hatte, der ebenso geräumt wurde. Für die Anwohner war zügig alles vorbereitet - um 16.30 Uhr waren aber gerade einmal zwei Personen in der Notunterkunft. Erst nach und nach füllte sich die Unterkunft. Busse fuhren von der Stauffenbergstraße über die Pommernstraße, die Fixheiderstraße und die Kölner Straße bis zum Marktplatz, also direkt ans Landrat-Lucas-Gymnasium.

Anwohner, die vom Landrat-Lucas-Gymnasium gesehen auf der anderen Seite der Bahngleise wohnen, wurden gebeten, von der Ersatzhaltestelle Stauffenbergstraße/Ecke Lützenkirchener Straße zur Notunterkunft im Gymnasium zu fahren.

Rund um den Bahnhof warteten am frühen Nachmittag Hunderte Schüler, die normalerweise mit dem Bus nach Hause fahren würden. Wegen der Entschärfung kam es aber zu erheblichen Einschränkungen im öffentlichen Nahverkehr. Polizisten, die vor Ort waren, wussten nicht, wo sie die orientierungslosen Menschen hinschicken sollten. Eine kranke Frau, die aus dem Remigius-Krankenhaus kam, suchte hilflos nach Rat.

Bei der Bombe handelte es sich um eine amerikanische 5-Zentner-Bombe mit zwei Zündern. Der Sprengkörper mit einem Durchmesser von 32 Zentimetern wurde bei Sondierungsarbeiten im Bereich eines Grünstreifens nahe der Brücke Lützenkirchener Straße in drei Metern Tiefe gefunden. Opladen war im Zweiten Weltkrieg eines der Hauptangriffsziele der Amerikaner in Leverkusen. Bereits um 7.30 Uhr wurde zunächst ein privater Kampfmittelräumdienst alarmiert. Um 13.30 Uhr trafen die Experten vom Kampfmittelräumdienst der Bezirksregierung ein. 

Die Stadt meldete schon bevor der Evakuierungsradius feststand, dass das Remigius-Krankenhaus nicht evakuiert wird. Wie eine Sprecherin der Stadt mitteilte, würde es rund acht Stunden dauern, das Gebäude zu räumen. Patienten müssten in den umliegenden Krankenhäusern untergebracht werden. Das Remigius-Krankenhaus war dennoch für alle Eventualitäten gerüstet. Die Leitung hatte am Morgen veranlasst, dass der Frühdienst vor Ort blieb, um im Falle einer Evakuierung genügend Personal vor Ort zu haben. 

Die Deutsche Bahn wurde frühzeitig über den Fund informiert. Der Bahnverkehr auf der Strecke Leverkusen-Schlebusch, Opladen, Leichlingen stand seit 18.15 Uhr für gut 40 Minuten still. Die Schüler des Landrat-Lucas-Gymnasiums wurden von ihren Lehrern um 14 Uhr nach Hause geschickt. "Es kam eine Durchsage. Ein Lehrer hat uns dann gesagt, dass wir die Schule verlassen müssen", sagte ein Schüler. 

Sehen Sie hier die Bilder von der Bombenentschärfung.

Was bei der Entschärfung zu beachten ist, erklärt Reinhard Dohmen vom Kampfmittelräumdienst im Video. 

(sef/jasi/mis/rz/us)
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