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Leverkusen
Brand 2015: Ein Feuerwehrmann ist noch krank

Brand 2015: Ein Feuerwehrmann ist noch krank
Leverkusen. Das Haus Kölner Straße 99 ist an den Bauverein verkauft. Die Ermittlungen zum Brand vor eineinhalb Jahren sind von der Staatsanwaltschaft in diesem Jahr eingestellt worden. Die Narben des Einsatzes für die Feuerwehrleute aber bleiben. Von Ludmilla Hauser

Das war der härteste Einsatz in seiner bisher 25-jährigen Dienstzeit bei der Berufsfeuerwehr Leverkusen, sagt Jörg Gansäuer. Es geht um die Nacht auf den 5. Januar 2015. An der Kölner Straße in Opladen steht in Haus Nr. 99 unweit der Einmündung Karlstraße das Brautmodengeschäft im Erdgeschoss in Flammen. Es heißt, im Gebäude hielten sich noch Personen auf. Etliche der Feuerwehrleute verschaffen sich über den Hintereingang Zutritt zu dem verwinkelten Gebäude. Dass sich in dem Haus zu dem Zeitpunkt doch niemand mehr aufhält, ahnen die Retter da noch nicht. Sie werden von einer "Rauchdurchzündung" überrascht. So genannte "pyrogene, also brennbare Gase haben sich thermoplastisch aufgeheizt. Wie das passiert ist, wissen wir bis heute nicht", berichtet der Feuerwehrmann und "übersetzt" aus der Fachsprache: "Es gab in dem Hausflur eine extreme Temperaturerhöhung, eine extreme Hitze." Die Schutzkleidung der Wehrleute halte für eine Minute rund 800 Grad aus - "im Haus an der Kölner Straße waren die Temperaturen wesentlich höher als das, denn die Anzüge der Kollegen haben ihnen nicht standgehalten".

Neun Feuerwehrkräfte werden verletzt, erleiden Verbrennungen an Händen und Beinen. Drei Kollegen trifft es besonders schwer. Am schwersten einen Berufsfeuerwehrmann, dessen Rücken von heftigen Verbrennungen in Mitleidenschaft gezogen wird. Gansäuer spricht für den Mann von einer lebensbedrohlichen Situation. Er wird in einer Duisburger Spezialklinik für Schwerbrandverletzte behandelt. Später heißt es von den polizeilichen Ermittlungen: Die Fachleute, die das Haus untersuchten, hätten Brandbeschleuniger in dem Gebäude entdeckt. Das deute auf Brandstiftung hin.

Gefahr durch Stichflamme: Gerade als zwei Feuerwehrleute das Rollgitter aufbrechen wollten, schossen die Flammen nach draußen. FOTO: Miserius (Archiv)

Eineinhalb Jahre später: Der Fall Brandhaus Kölner Straße ist bei den Behörden längst zu den Akten gelegt. Gestern bestätigt Ulrich Bremer von der Staatsanwaltschaft Köln auf Nachrage unserer Zeitung: "Das Ermittlungsverfahren ist im Februar dieses Jahres mangels hinreichendem Tatverdacht eingestellt worden."

Das Brandhaus Kölner Straße wird demnächst Geschichte sein - der Gemeinnützige Bauverein hat das Haus erworben, den Abriss beantragt, rechnet damit, im Juli noch mit der Demontage des Gebäudes beginnen zu können. Auf dem Areal und den benachbarten Grundstücken sollen neue Wohn- und Geschäftshäuser entstehen (wir berichteten). Dann wird nichts mehr auf die verheerenden Ereignisse aus der Januarnacht 2015 hindeuten.

Die Brandstelle Kölner Straße am Morgen nach der tragischen Nacht. FOTO: Schütz Ulrich

Für die Feuerwehrleute aber wird der Einsatz als "heftig" in Erinnerung bleiben. "Das Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr und ein Berufsfeuerwehrmann, die beide zu den drei Schwerverletzten gehört haben, sind wieder im Dienst", berichtet der Abteilungsleiter Gefahrenabwehr. Der Berufsfeuerwehrmann, den die Hitze am schwersten erwischt hat, "ist noch nicht wieder im Dienst", ergänzt er. "Das lässt die Schwere seiner Verletzungen noch nicht zu." Wann der Mann seinen Dienst aufnehmen können wird - "ist noch nicht absehbar." Gansäuers Nachsatz stimmt nachdenklich: "Der Feuerwehrberuf ist ein gefahrengeneigter Beruf. Die Gefahr kann man nicht ausschließen. Auch wenn wir unsere Leute bestens ausbilden."

Quelle: RP
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