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Leverkusen/Rhein-Kreis Neuss
Brandanschlag auf Mehrfamilienhaus

Brandanschlag auf Mehrfamilienhaus
Leverkusen/Rhein-Kreis Neuss. Auf ein Mehrfamilienhaus an der Carl-Leverkus-Straße in Leverkusen ist in der Nacht zu Montag ein Brandanschlag verübt worden. Unbekannte Täter warfen gegen 0.30 Uhr mehrere Brandsätze in eine Erdgeschosswohnung des Hauses, das von Familien einer ethnischen Minderheit, vermutlich Sinti und Roma, bewohnt wird. Niemand wurde verletzt. Laut Zeugenaussagen waren unter den Tätern zwei glatzköpfige Männer. Die Polizei geht insgesamt von zwei bis vier Tätern aus. Von Ludmilla Hauser, Peter Böttner und Urs Lamm

Ein Sprecher der Kölner Polizei bestätigte am Montagvormittag, dass sowohl nach einem blauen VW Golf mit Neusser Kennzeichen als auch nach einem Transporter mit Frankfurter Kennzeichen gefahndet wird. Zeugen hatten Montagnacht die beiden Autos beobachtet. Aus dem blauen Golf sollen zwei glatzköpfige Männer mit dunkler Kleidung ausgestiegen sein und Molotowcocktails in das Haus geworfen haben.

Nach dem Anschlag flüchteten die Täter vom Tatort. Die Polizei löste eine Ringfahndung nach den Brandstiftern aus. Die Wohnung stand in Vollbrand, Flammen schlugen aus den Fenstern. Erst um 2.05 Uhr war der Brand vollständig gelöscht. Außerdem brannte ein rotes Auto, das vor dem Haus stand, ebenfalls aus.Wieviele Täter an dem Anschlag beteiligt waren, ist noch unklar. Die Aussagen der Zeugen schwanken zwischen zwei und vier Tätern.

Dramatische Szenen

Ein Zeuge berichtet, dass er in der Nacht durch einen lauten Knall geweckt wurde. Kurz danach hörte er Hilfeschreie. Sofort sei er ans Fenster gesprungen und habe Menschen auf die Straße rennen sehen - und eine große Stichflamme, die sich schnell zu einem großen Feuer entwicktelte. "Das war die Hölle", sagte eine Anwohnerin."

Alle Bewohner der Erdgeschosswohnung konnten sich rechtzeitig vor den Flammen retten. Wie die Feuerwehr berichtete, sorgte die stadtbekannte Großfamilie, zu der die Opfer des Brandes gehören, für die nächtliche Unterkunft ihrer Familienmitglieder.

Wie viele Personen von dem Brand betroffen waren, konnte die Polizei am Montag nicht sagen. Es wohnen fünf Familien in dem Haus. Nach Feuerwehrangaben sind offiziel 19 Personen in dem viergeschossigen Gebäude gemeldet. Die Polizei bildete in der Nacht eine Mordkommission. Insgesamt ermitteln 21 Polizisten. "Wir ermitteln in alle Richtungen. Also auch, ob die Tat von Rechtsextremen verübt wurde", sagte ein Polizeisprecher am Montagvormittag am Tatort. 

Oberbürgermeister bestürzt

Oberbürgermeister Reinhard Buchhorn sagte am Vormittag: Falls sich der Verdacht eines Brandanschlags bestätigen sollte, "ist das eine fürchterliche Verirrung einer Gruppe oder eines einzelnen Menschen, die zu verurteilen ist. Sowas wollen wir in Leverkusen nicht erleben." Schon gar nicht, wenn so viele Familien und Kinder betroffen seien. "Meine Anteilnahme haben die Menschen", betonte Buchhorn. Man müsse froh sein, dass niemand verletzt worden sei.

Zentralrat fordert Aufklärung

Der Zentralrat deutscher Sinti und Roma reagierte entsetzt auf den Anschlag. "Die Taten müssen umfassend aufgeklärt und Täter sowie eventuelle Hintermänner schnellstens gefunden werden", erklärte der Zentralratsvorsitzender Romani Rose am Montag in Heidelberg.

Er erinnerte daran, dass es in der Vergangenheit immer wieder Gewaltandrohungen aus der rechtsextremistischen Szene gegen Sinti und Roma gegeben habe. Insbesondere sei die Neonazi-Hetze im Internet gezielt gegen Sinti und Roma ebenso wie gegen Juden in der letzten Zeit angewachsen.

Es sei wichtig, dass sich die politisch Verantwortlichen und Behörden schützend vor die bedrohten Roma-Familien stellen und jeder Bedrohung mit Gewalt und rechtstaatswidrigem Vorgehen mit aller Entschiedenheit entgegentreten, sagte Rose weiter.

 

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