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Leverkusen
Brandhaus Kölner Straße: Mieterinnen leiden stark

Leverkusen: Brandhaus Kölner Straße: Mieterinnen leiden stark
Zwei Frauen, die in der vierten Etage des Brandhauses Kölner Straße 97/99 gewohnt haben, entkamen nur knapp dem Tod. Ein Gutachter berichtete ihnen später, dass durch die brennende Kunststofffassade Gifte entstanden seien, die Senfgas ähneln. FOTO: Miserius (Archiv)
Leverkusen. Die Folgen durch das tragische Feuer an der Kölner Straße 97/99 halten an: Zwei Mieterinnen entkamen in der Brandnacht nur knapp dem Tod. Jetzt sprachen die Frauen mit unserer Redaktion über das Unglück. Von Ulrich Schütz

Die Wohnung der beiden Frauen (Mutter und Tochter) lag im vierten Stock des Brandhauses Kölner Straße 99 (neben der ehemaligen Shell-Tankstelle). "Wir schliefen. Dann gab es eine Explosion. Ich bin aus dem Bett gefallen", berichtet die Tochter, die unsere Redaktion mit ihrer Mutter besuchte, um erstmals der Presse über ihre Erlebnisse zu berichten, denn dieser Teil der tragischen Unglücksnacht war bislang kaum bekannt.

Bei ihren Schilderungen schießen beiden immer wieder die Tränen in die Augen. Die Erinnerungen an die Feuernacht haben sie nicht verarbeitet. Der Schock hält an. "Wir sind in die Küche gelaufen, sahen Rauch vor dem Fenster", erzählt die Mutter. Danach ging es ins Wohnzimmer, das zur Kölner Straße hin lag. "Wir sahen die Flammen. Ich dachte nur: Hoffentlich explodieren die Gasflaschen in dem Brautmodegeschäft nicht", berichtet die Mutter. Die Frauen wussten, dass der Geschäftsbetreiber seine Brautmodenräume über transportable Gasheizungen wärmte.

Beide zogen etwas an, liefen in den Flur, die Treppe runter und stoppten im dritten Stock. Sie klopften bei der Nachbarin. Aber sie war nicht da. Ab der dritten Etage war das Treppenhaus verqualmt. "Wir mussten uns an der Wand entlangtasten. Meine Tochter zog sich einen Schal vor den Mund, ich hatte nichts dabei. Die rauchige Luft zu atmen, das war schrecklich. Ich habe noch versucht, die Luft anzuhalten, es ging natürlich nicht", sagt die Mutter. Gefühlte quälende zehn Minuten dauerte die Flucht durch den dichten Qualm.

Die beiden Frauen schafften es noch vor dem Eintreffen der ersten Feuerwehrzüge ins Freie. Sie kamen an dem ehemaligen Grundstück der Shell-Tankstelle raus und konnten nicht weiter: Der Bauzaun versperrte den Weg. "Ein Passant hat den Zaun dann niedergerissen." Sanitäter versorgten sie im Rettungswagen mit Sauerstoff, brachten sie ins Remigius-Krankenhaus.

Die Mutter konnte am nächsten Tag wieder raus, die Tochter musste einen Tag länger bleiben. Die zweite Tochter hatte inzwischen für beide eine Kleidergrundausstattung gekauft: "Wir hatten ja nur die Sachen, die wir auf dem Körper trugen." Inzwischen hat die Versicherung die Sachschäden bezahlt, der Schock allerdings hält an. Die Mutter vermeidet es noch bis heute, an dem Brandhaus vorbeizugehen.

Was beide Frauen verwundert: "Wir sind von der Polizei nie als Zeugen vernommen worden." Hinweise auf einen möglichen Brandstifter haben sie aber nicht, sagen sie. Die Polizei hat das Verfahren Anfang des Jahres eingestellt.

Quelle: RP
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