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Neue A1-Brücke
Bürger fürchten Risiken von Deponie-Öffnung

Das ist die A1-Brücke bei Leverkusen
Das ist die A1-Brücke bei Leverkusen FOTO: US
Leverkusen. Damit die neue A1-Brücke gebauet werden kann, muss die Deponie an der Dhünnaue aufgebohrt werden. Ein feuchter Sprühnebel soll garantieren, dass sich keine chemischen Abfälle verflüchtigen. Der Landesbetrieb Straßen-NRW hält das für zumutbar. Politik und Bürger sehen das anders.  Von Peter Clement

Noch waren es "nur" Präsentationsfolien und Ankündigungen, mit denen die Experten der Planungsbehörde Straßen.NRW am Dienstagabend im "Ausschuss für Stadtentwicklung, Bauen und Planen" die Öffnung der Altlast-Deponie Dhünnaue vorempfanden.

Doch die Schilderung lieferte - je nach politischer Gemütslage - einen spannenden bis beklemmenden Vorgeschmack darauf, was den Anwohnern bei der Umsetzung des A1-Brückenbaus alles blühen wird.

FOTO: straßen.nrw

Auch Projektleiter Thomas Raithel war anwesend. Er und seine Kollegen schilderten zunächst noch einmal, um was für eine Deponie es geht. Bei der Dhünnaue handelt es sich um eine alte Kippstelle der Bayer AG und der Stadt Leverkusen mit vielfältigen Ablagerungen - von Bauschutt über Klärschlamm bis hin zu Produktionsabfällen aus der chemischen Industrie. Laut Straßen.NRW muss zum Teil in der belasteten Fläche gebohrt werden, denn dort werden die neuen Bauwerke des Autobahnkreuzes Leverkusen-West gegründet.

Man habe im Vorfeld Sicherungskonzepte für die Dhünnaue erarbeitet, hieß es. Aus gutem Grund:

- Deponat Insgesamt fallen rund 88.000 Kubikmeter Deponat aus den Altablagerungen an, die besonders entsorgt werden müssen.

- Arbeitsstraßen Zu diesem Zweck werden asphaltierte Arbeitsstraßen angelegt, die täglich nass gereinigt werden.

- Waschanlagen Für die Baufahrzeuge sind eigene Waschanlagen mit täglicher Nutzung vorgesehen.

- Leichtbauhallen Da keinerlei Gase aus der abgedichteten Deponie entweichen dürfen, ist vorgesehen, Großzelte oder gar Leichtbauhallen mit separaten Entlüftungssystemen über den jeweiligen Bohrstellen zu installieren.

- Sprühnebel Ein feuchter Sprühnebel soll garantieren, dass sich keine chemischen Abfälle verflüchtigen. Er darf allerdings auch nicht so feucht sein, dass Stoffe plötzlich zu fließen anfangen.

- Geruchsgutachter So genannte "Geruchsgutachter" sollen frühzeitig Alarm schlagen und so helfen, zu verhindern, dass die Nachbarschaft Gerüche wahrnimmt - gleichgültig, wie harmlos sie auch sein mögen.

- Witterungsverhältnisse Sie sind ständig im Auge zu behalten, denn bei bestimmten Wetterlagen darf überhaupt nicht an der Deponie gearbeitet werden.

Insgesamt kamen die Straßen.NRW-Experten zu dem Schluss, das Ganze sei beherrschbar und stelle keine noch nie dagewesene Herausforderung dar.

Das sahen Teile der anwesenden Politiker und Bürger grundlegend anders. Und einige von ihnen schürten Ängste: So vermutete Erhard Schoofs (Bürgerliste) auf der Deponie "Stoffe zur Herstellung von Giftgas im Ersten Weltkrieg". Und Bürgerinitiativen-Vertreter Horst Müller warnte gar: "Kommt es zu einer Explosion, überlebt in einem Umkreis von 500 Metern niemand."

Quelle: RP
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