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Leverkusen
Bürgertalk ohne Bürger in der Rathaus-Galerie

Leverkusen: Bürgertalk ohne Bürger in der Rathaus-Galerie
Drei Stunden hielten Roswitha Arnold, Uwe Richrath, Lars Friedrich und Detlev Prößdorf beim zweiten Bürgertalk durch, zu dem der Chemark eingeladen hatte. Julitta Münch (Mitte) moderierte die Veranstaltung. FOTO: Miserius, Uwe
Leverkusen. Viele Menschen kamen zum Einkaufen am Samstag vorbei, nur ganz wenige hörten der hochkarätig besetzten Runde zu. Von Siegfried Grass

Samstagmorgen in der City: Viele Menschen waren unterwegs. Aber nur wenige hatten die Muße, den Ausführungen von kompetenten Persönlichkeiten über die Zukunft der Stadt zuzuhören.

Gleichwohl: Drei Stunden hielten Roswitha Arnold, Uwe Richrath, Lars Friedrich und Detlev Prößdorf beim zweiten Bürgertalk durch, zu dem der Chempark eingeladen hatte.

Moderatorin Julitta Münch ließ zwischendurch interessierte Bürger Fragen an das Podium stellen. Ihr Generalthema: Die Zukunft der Stadt.

Es gab kontroverse Ansichten. Oberbürgermeister Uwe Richrath (SPD) erklärte, wie er mit einem Mobilitätskonzept die Stadt in Bewegung halten will. Roswitha Arnold, die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Stadtrat, wie man ihrer Auffassung nach noch mehr Radwege bauen und mit einem besseren öffentlichen Nahverkehr die Straßen entlasten könne.

Chempark-Leiter Lars Friedrich erklärte, dass die dort ansässigen Unternehmen mit 30.000 Arbeitsplätzen Auslöser für viel Verkehr seien, aber allein durch 900 Millionen Euro an Lohnzahlungen viel Kaufkraft in die Stadt brächten.

Und Detlev Prößdorf, Pfarrer an der Wiesdorfer Christuskirche, versuchte immer wieder, auch an die Verantwortung der Industrie zu appellieren, bei allem Gewinnstreben nicht die Verantwortung für die Menschen zu verlieren.

Letztlich hörten aber nicht viele Leverkusener zu. Auf den beiden Treppen im Zentrum der Einkaufspassage rollten zwar laufend neue potenzielle Zuhörer an, aber die Allerwenigsten verharrten.

Und die vollen drei Stunden - unterbrochen von der Musik einer vierköpfigen Combo - hielt ohnehin niemand durch. Bei den Fragen durch das Publikum wurde auch schnell deutlich, dass es die bereits Informierten waren, die sich die Zeit nahmen, das ohnehin Bekannte abzufragen - zu Themen wie dem Aus- und Neubau der Autobahn A1 (inklusive der neuen Rheinbrücke) oder den Möglichkeiten, neuen und dringend benötigten Wohnraum zu schaffen.

Macht eine solche Veranstaltung zum wichtigen Thema über die Zukunft der Stadt mitten im Einkaufstrubel dann überhaupt Sinn, fragten sich einige?

Durchaus, denn vielen Bürgern wurde - wenn auch nur im Vorbeigehen - deutlich, dass Verantwortliche aus Politik und Wirtschaft sich den Fragen stellen. Die Motivation von Lars Friedrich: "Wir sind nicht nur als Chempark, sondern auch als Menschen Nachbarn. Für uns ist der Dialog mit der Nachbarschaft auf Augenhöhe sehr wichtig. Vor vier Jahren haben wir aus diesem Grund das Nachbarschaftsbüro eröffnet. Mit dem Bürgertalk gehen wir im wahrsten Sinne des Wortes noch einen Schritt weiter."

Quelle: RP
 
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