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Leverkusen
Bullenklöster - Bewährungsstrafe für Brandstifter

Leverkusen: Bullenklöster - Bewährungsstrafe für Brandstifter
Der Brand in einem Wohnhaus an der Birkengartenstraße im Februar löste einen Großeinsatz aus. FOTO: HOFFMANN
Leverkusen. Der Brand einer Wohnung in einem der drei "Bullenklöster" im Februar beschäftigte nun das Amtsgericht. Von Dorian Audersch

Langeweile, Frust, Liebeskummer, Perspektivlosigkeit und jede Menge Alkohol - was genau davon den 33-jährigen Tschechen dazu brachte, einen Haufen Kleidungsstücke auf einer alten Couch anzuzünden, ist unklar. Vermutlich war es eine Kombination aus allem. Er selbst sagt, es sei wegen der Trennung von seiner Freundin gewesen, mit der er knapp drei Wochen zusammen war: "Es war eine Dummheit von mir, und es tut mir leid."

Gemeint ist der Brand in einem der sogenannten Bullenklöster im Februar. Die ehemaligen Wohnheime für ledige männliche Bayer-Mitarbeiter in Wiesdorf stehen seit mehr als sechs Jahren leer und sollen abgerissen werden. Vor knapp einem Jahr wurde erwogen, die neungeschossigen Wohnblöcke in Unterkünfte für Flüchtlinge umzuwandeln. Die Pläne wurden allerdings verworfen. Gründe: Die Häuser liegen innerhalb der Bann-Meile des Chemparks, wo die Seveso-II-Richtlinie der EU zur Beherrschung der Risiken bei Unfällen mit gefährlichen Stoffen gilt. Zudem ist ihre Infrastruktur nicht mehr intakt - unter anderem ironischerweise auch der Brandschutz.

Drei obdachlosen Tschechen boten die Häuser dennoch für einige Monate eine Unterkunft. Sie hausten illegal in einer Wohnung im vierten Stockwerk. Ihren Alltag beschreibt einer der drei Angeklagten, bei dem am Tag des Brandes rund 2,5 Promille Alkohol im Blut gemessen wurden, ziemlich trist: "Wir haben uns getroffen, um zu trinken." Zwei bis drei Flaschen Jägermeister seien am fraglichen Tag im Februar im Spiel gewesen. Genau wisse er das nicht mehr - weil er vorher bereits "etwa zehn Flaschen Bier" getrunken habe. Jedenfalls habe er plötzlich gehört, wie nebenan eine Scheibe geborsten sei. Da stand das Zimmer, dass einer von ihnen als Schlafstätte nutzte, bereits in Flammen. Wie genau es zu dem Feuer gekommen sei, wisse er nicht, meinte der 31-Jährige.

Anschließend seien die Männer aus dem Gebäude geflüchtet, wo sie von der Polizei aufgegriffen wurden. Das ist Zeugen aus dem benachbarten Bürogebäude zu verdanken, die den Brand bemerkten. Eine 26-Jährige Bürokauffrau beschreibt die drei Tschechen in "ausgelassener Stimmung". Sie hätten sich "abgeklatscht wie ein Fußballteam" als sie den Brand beobachteten. Eine Kollegin habe daraufhin Polizei und Feuerwehr verständigt. Weil einer der Täter gestand, das Feuer alleine gelegt zu haben und den anderen eine Beteiligung an der Brandstiftung nicht nachgewiesen werden konnte, gab es zwei Freisprüche. Der bis dahin nicht vorbestrafte Haupttäter wurde zu einer Haftstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt - ausgesetzt zur Bewährung. Der 33-Jährige muss zwei Jahre straffrei bleiben. Er plane ohnehin eine Rückkehr in sein Heimatland, gab er vor Gericht an.

Wie es mit den Wohnhäusern weitergeht: Noch bereitet Bayer den Rückbauantrag vor. Einen Zeitrahmen gebe es laut eines Unternehmenssprechers nicht. "Es sind große Gebäude mit direkter Verkehrsanbindung." Entsprechend aufwendig sei das Verfahren. "Wir wollen es so schnell wie möglich abschließen."

Quelle: RP
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