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Leverkusen
Bundesweiter "Girls und Boys Day": 150 Schüler erkunden die Berufswelt

Leverkusen. Gute Umgangsformen sind in einem Altenheim das A und O. "Man muss erst höflich fragen, ob ein Bewohner etwas trinken möchte", sagt Claas Esser. "Und wenn er nicht antwortet, fragt man noch mal höflich nach." Diese Servierregel hat der 15-jährige Käthe-Kollwitz-Schüler gestern beim "Boys' Day" im Haus Upladin gelernt und reicht vorsichtig Bewohnerin Eva Koch eine Tasse Kaffee. Der junge Leverkusener hat sich freiwillig für das Tagespraktikum gemeldet. Grundsätzlich kann er bereits gut mit älteren Menschen umgehen. "Ich habe zwei Omas, zwei Opas und eine Uroma", sagt der 15-jährige Käthe-Kollwitz-Schüler. "Ich bin gerne mit ihnen zusammen." Von Susanne Genath und Gabi Knops-Feiler

Beim bundesweiten "Girls' und Boys' Day" sollen Jungen für typische Frauenberufe und Mädchen für typische Männerberufe begeistert werden. Das Leverkusener Frauenbüro koordinierte gestern rund 150 Praktikumsplätze für Verwaltung und Industrie. Die Lise-Meitner-Schülerin Lea Johannes (17) hatte sich für das Baudezernat entschieden. Sie begleitete Dezernentin Andrea Deppe am Vormittag zur Ringstraße. Bürger hatten sich beschwert, Bäume würden zu weit in den Verkehrsbereich ragen. Deppe veranlasste, dass fünf Bäume geschnitten werden und ein weiterer Baum gesichert wird. Für den Nachmittag stand Stadtplanung auf dem Programm. Nach dem Abitur plant Lea eigentlich ein naturwissenschaftliches Studium. Weil ihr der Schnuppertag aber gut gefallen hat und sie schon als Kind Architektur spannend fand, ist es für sie vorstellbar, ihre Pläne zu ändern.

"Als ich vor rund 25 Jahren begonnen habe, hatte ich es noch nicht so leicht", erzählt Deppe. "Für mich gab es anfangs weder einen Praktikumsplatz noch eine Toilette." Obwohl sie die erste und bislang einzige Dezernentin ist, sei Leverkusen vergleichsweise gut aufgestellt, was Frauen in leitenden Positionen betreffe, erklärt Sabine Rusch-Witthohn, Frauenbeauftragte und Leiterin des Frauenbüros. Viele Fachbereiche würden seit Jahren von Frauen geleitet. Dennoch sei der "Girls' Day" "auf jeden Fall notwendig", weil junge Frauen immer noch Berufe wählten, die traditionellen Rollenbildern und nicht immer ihren Fähigkeiten entsprächen.

Claas Esser würde gerne Förster werden. "Ich könnte mir als Alternative aber auch die Arbeit mit alten Menschen vorstellen", sagt er am Ende des "Boys' Days".

Quelle: RP
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