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Leverkusen
Cap-Anamur-Vorstand über Hilfseinsätze in Kriegsgebieten

Leverkusen. Als Boris Dieckow im russischen Grosny von Banditen verfolgt wird, glaubt er, es ist für ihn vorbei. "In solchen Momenten merkt man mal, dass nicht nur in Filmen ziemlich viel danebengeschossen wird", berichtet er. Grosny ist die Hauptstadt der Bürgerkriegsregion Tschetschenien, in der Rebellen seit Jahren für mehr Autonomie kämpfen. Dieckow ist von der Hilfsorganisation "Cap Anamur" (deren Gründer Rupert Neudeck gestern verstarb) dort und versucht gerade, ein Kinderkrankenhaus zu bauen. Dass er dabei nicht wie einige andere ausländische Hilfskräfte erschossen wird, liegt an Said. Der ist Dieckows Fahrer und schafft es irgendwie, die beiden Männer aus der brenzligen Lage herauszurutschen. "Deswegen heißt mein Sohn heute mit zweitem Vornamen Said", merkt Dieckow an. Von Jim Decker

Es sind Geschichten wie diese, die das Vorstandsmitglied von Cap Anamur am Montagabend im Stadioneck beinahe beiläufig erzählt. Der Krankenpfleger, der seit einiger Zeit in einer Psychiatrie arbeitet, ist Bayer 04-Fan und Mitglied im Dachverband NK12, der den Vortrag im Stadioneck ermöglichte. Solche Auftritte seien extrem wichtig, betont Dieckow. Denn für Werbung gebe man bei Cap Anamur keinen Cent aus.

Kein Wunder, denn jeder Euro wird für Projekte rund um den Globus gebraucht. "Innerhalb von zwei Tagen können wir einen Flieger in ein Krisengebiet schicken", verrät er sichtlich stolz. Das liege auch daran, dass man eine extrem schlanke Verwaltung aufgebaut habe. Bei den "Deutschen Not-Ärzten" gehe alles etwas schneller und unkomplizierter als bei großen Hilfswerken wie dem Roten Kreuz oder Ärzte ohne Grenzen.

Und mäandriert Dieckow durch die verschiedenen Projekte, erzählt er davon, wie sie in Syrien als einer der Ersten vor Ort waren, als der IS zuschlug, wie die Helfer in einen Bombenhagel im Sudan gerieten und dass Naturkatastrophen vom Team sarkastisch "Wellness-Projekte" genannt würde. Es trachte einem ja schließlich niemand nach dem Leben - anders als in Tschetschenien oder dem Sudan.

Ablenkung verschaffe da der Fußball. "Wir haben vom Bayern-Fan bis hin zum Rot-Weiß Essen-Anhänger alles im Team dabei", verrät Dieckow. Und das funktioniert auch im Ausland. So habe man auf dem Dach eines Waisenhauses im Ebola-Land Sierra Leone einen Fußballplatz angelegt. "Da sind die natürlich tierisch drauf abgefahren", erzählt er.

Quelle: RP
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