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Nach Großbrand im Chempark Leverkusen
Entwarnung für Bevölkerung - Schulen und Kitas können öffnen

Entwarnung nach Brand in Leverkusener Chempark
Leverkusen. Am Samstagabend brach in einem Lagergebäude für Chemikalien im Chempark Leverkusen ein Feuer aus. Bis in die frühen Morgenstunden waren rund 175 Feuerwehrleute im Einsatz. Anwohner mussten Fenster und Türen geschlossen halten. Es gab Rußpartikelregen, aber keine Verletzten. Von Ulrich Schütz und Ludmilla Hauser

Nach dem nächtlichen Feuer traten die Verantwortlichen von Chempark, Feuerwehren und Stadt gestern einigermaßen erleichtert vor die Presse: Der Großbrand forderte keine Verletzten. Schäden für den Rhein seien nicht zu befürchten, sagte Chempark-Leiter Ernst Grigat.

  • Der Brandort Im Abfüllbetrieb von Momentive Performance Materials (interne Gebäude-Bezeichnung: T 43) kam es Samstag gegen 20.30 Uhr zu einem Feuer, das sich in dem sechsstöckigen Bau schnell im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss ausbreitete. In der Regel arbeiten dort drei bis sechs Mitarbeiter (in Wiesdorf arbeiten insgesamt 700 Momentive-Leute). Die Beschäftigten eines benachbarten Phosgen-Betriebes brachten sich während der Löscharbeiten in einem speziell geschützten Raum in Sicherheit und steuerten von dort ihren Betrieb weiter. Der Brandort liegt in der Nähe des Rheins.
  • Die Gefahrenlage Für die Bevölkerung hat nach Aussage der Feuerwehrchefs von Köln (Johannes Feyrer) und Leverkusen (Hermann Greven) keine Gefahr bestanden. Das Auslösen der Katastrophen-Handy-App "Nina" und der Sirenen rings um den Chempark sei vorsorglich geschehen. In Köln liefen die Warnungen der Bevölkerung etwa eine halbe Stunde früher an als in Leverkusen. Der Grund laut Feuerwehr: Der Wind trieb die Rauchwolken von Wiesdorf über den Rhein nach Köln. Für die Leverkusener habe keine Gefahr bestanden, wiederholte Feuerwehrchef Hermann Greven. Oberbürgermeister Uwe Richrath bedankte sich bei allen Beteiligten gestern für die gute Krisenbewältigung.
  • Die Ursache Zur Brandursache schwiegen sich Momentive-Geschäftsführer Matthias Steiner und Chempark-Leiter Grigat aus. Die Ursachenforschung laufe. Auch die Prüfung, ob etwa die Rußpartikel gefährlich seien, laufe. Gleichzeitig besprachen die Momentive-Spitzen unter anderem mit den Kollegen an Momentive-Standorten in den USA, wie die Belieferung der Kunden weiterlaufen kann.
  • Die Maßnahmen Noch in der Nacht zu Sonntag rückten acht Messwagenteams aus, um vor allem in den Kölner Stadtteilen Merkenich, Rheinkassel, Langel bis Worringen und in Leverkusen von Wiesdorf über Bürrig, Rheindorf bis Hitdorf Proben zu ziehen. Dabei wurden auch Spielplätze überprüft. Grigat ging davon aus, dass überall heute der normale Schul- und Kindergartenbetrieb laufen könne. Vorsichtshalber wurden auch Rußpartikel auf Schadstoffe untersucht. Wer noch etwas Verdächtiges findet, soll sich an den Chempark wenden. In der Luft wurde nach Angaben der Feuerwehren nichts Bedenkliches gefunden. Gestern am späten Nachmittag hieß es vom Chempark: "Entwarnung für die Nachbarn: Durch den Brand bei Momentive bestehen keine Auswirkungen auf die Bevölkerung."
  • Das Problem Löschwasser Für Löschwasser verfügt der Chempark über vier Tanks mit einer Kapazität von rund 20.000 Kubikmetern Flüssigkeit. Am Ende des siebenstündigen Löscheinsatzes waren die Tanks voll, "eine geringe Menge Löschwasser (ca. ein Prozent der Gesamtmenge) floss deshalb über die Kaimauer in den Rhein", sagte der Chempark-Leiter. Nach Analysen von Currenta verdünnte sich das Löschwasser so stark mit dem Rhein, dass Grigat eine Vergiftung des Flusses ausschloss. Trotzdem wurden die Wasserwerke in Richtung Niederlande vorsichtshalber über den "Rheinalarm" informiert. Zeitweise wurde der Rhein für die Schifffahrt gesperrt. Gegen 3.30 Uhr wurde "Feuer aus" gemeldet. Glutnester bekämpfte die Feuerwehr auch gestern noch. Die Polizei war bis gestern Mittag noch nicht am Brandort, "es gab noch keine Freigabe", sagte ein Polizeisprecher. Allerdings habe die Behörde gestern Vormittag vom Polizeihubschrauber aus Luftaufnahmen vom Brandort gemacht.
  • Die Einsatzkräfte Im Werk waren bis zu 175 Feuerwehrleute im Einsatz. In Leverkusen wurden fast alle Feuerwehrleute zum Dienst beordert. Die Chempark-Feuerwehr löste für ihre Leute Gesamtalarm aus: "Alle 80 Werkfeuerwehrleute waren vor Ort", sagte Chempark-Feuerwehrleiter Stephan Hummel. Aus Dormagen wurde der Turbo-Löscher nach Wiesdorf geholt. Mit dem von Flugzeugturbinen angetriebenen Spezialgerät lässt sich schnell ein dichter Wassernebel erzeugen, "der für uns bei diesem Löscheinsatz sehr wichtig war", sagte Hummel. Schwere Einsatzfahrzeuge und Rettungswagen dürfen übrigens immer über die Leverkusener Rheinbrücke fahren. Zur Unterstützung wurden von der Velberter Feuerwehr 1300 Sandsäcke geordert. Die Kollegen hatten die Kapazität, die Säcke zu füllen. Die Feuerwehren Düsseldorf, Duisburg und Krefeld lieferten Spezialpumpen. Auch Feuerwehrkräfte (teils mit Messwagen) aus dem Rheinisch-Bergischen Kreis waren im Einsatz. Dazu Helfer von DRK und Malteser Hilfsdienst.
  • Die Hotline Der Chempark hat in der Nacht zu gestern eine Telefonhotline für Bürger eingerichtet. Nutzer beklagten kurz darauf teils die Überlastung der Nummer. Diese bleibt laut Chempark vorerst geschaltet und ist unter 0214 3099333 zu erreichen.
Rauch über Chemiepark Leverkusen FOTO: Uwe Miserius
Quelle: RP
 
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