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Leverkusen
Damit Lebensträume nicht zerplatzen

Leverkusen: Damit Lebensträume nicht zerplatzen
Der Anteil von jungen Verkehrsteilnehmern, die schwere Unfälle verursachen, ist überproportional hoch. Die Polizei will auch mit schockierenden und emotionalen Veranstaltungen zum Nachdenken anregen. Bei diesem Unfall am Schloss Morsbroich, von jungen Rasern verursacht, wurde ein junger Radfahrer angefahren und schwer verletzt. FOTO: US
Leverkusen. Die Polizei Köln berichtet in weiterführenden Schulen über Verkehrsunfälle. In besonders eindringlicher Weise. "Crash Kurs NRW - Realität erfahren. Echt hart" lautet das Thema. Die Vorführungen sind so hart, dass oft Tränen fließen. Von Siegfried Grass

Der Knaller kam ganz zum Schluss: Ein großer Luftballon, an dem viele Zettel klebten, platzte. Wie Konfetti rieselten die Blätter, auf denen die Jugendlichen ihre Lebensträume zu Papier gebracht hatten, auf den Boden. Spätestens da wurde jedem der jungen Menschen klar, wie schnell das Leben eine Wende - eine dramatische Wende - nehmen kann. Wie schnell Träume zerplatzen. Diese Vorführung ist Teil einer gut vorbereiteten Aktion der Polizei, mit der sie seit 2010 eindringlich die Mädchen und Jungen ermahnen will, sich verantwortungsvoll im Verkehr zu verhalten. Die Initiative "Crash Kurs NRW - Realität erfahren. Echt hart" richtet sich an Jungen und Mädchen der 10./11. Klassen.

Damit will die Polizei mit emotionalen Bildern und erschreckenden Geschichten nicht schockieren, sondern nachdenklich machen. Was bereits in fast allen in Frage kommenden Leverkusener Schulen gezeigt wurde, sahen sich nun auch einige Polizeibeamte und Interessierte an, allen voran der neue Kölner Polizeipräsident Jürgen Mathies: "Ich kann mich noch an den ersten tödlichen Verkehrsunfall erinnern, den ich als Streifenpolizist aufnehmen musste." Zu Tode kam ein 16-jähriger Mopedfahrer.

Die Idee für den "Crashkurs" wurde in England geboren und erfolgreich durchgeführt. Sie ist inzwischen eine Initiative in Nordrhein-Westfalen. In Köln wurden die ersten Erfahrungen mit wissenschaftlicher Begleitung der Universität Köln gesammelt und das Konzept entwickelt. Wie viele Unfälle mit dem Aufzeigen von Gefahren im Straßenverkehr vermieden werden, lässt sich nicht eruieren. Auch Bilder von schrecklichen Verkehrsunfällen dürften die Jugendlichen schon zur Genüge im Fernsehen gesehen haben. Aber die authentischen und eindringlichen Schilderungen von Menschen, die all das Entsetzliche persönlich erlebt haben, machen die Jugendlichen nachdenklich.

Wenn Streifenpolizisten schildern, was sie an Unfallorten gesehen haben, Rettungssanitäter, Notärzte, Feuerwehrleute, Eltern und Verkehrsunfallopfer selbst erzählen, was sie durchmachen mussten. Wenn der Notfallseelsorger den Angehörigen die Nachricht vom Tod eines Kindes übermittelt - das macht wirklich betroffen.

Besonders eindringlich sind die Schilderungen von Hinterbliebenen. Eine Mutter zeigte ein Bild ihrer Tochter aus dem Jahr 2003 - ein freundliches und fröhliches Mädchen. Dann schilderte sie den schrecklichen Unfall und die Wochen des Bangens, als ihre Tochter 15 Operationen am Gehirn erleiden musste. Immer wieder die Frage: Wird sie das alles überleben? "Und so sieht sie heute aus", bat die Mutter ihre Tochter dann nach vorne. Vor dem Publikum steht eine 27-jährige behinderte Frau, die Schwierigkeiten hat, sich zu artikulieren und über kein Kurzzeitgedächtnis mehr verfügt. Selbst den "Profis" im Raum verschlägt es die Sprache. Wie emotional muss das erst bei den jungen Menschen wirken! Da kommt es auch vor, dass Schüler ihre Tränen nicht unterdrücken können. Das ist beabsichtigt. Bei den Veranstaltungen in Schulen, die mit den Lehrern vor- und nachbereitet werden, stehen die Emotionen im Vordergrund.

Dabei passieren die meisten Verkehrsunfälle, weil die Fahrer die einfachsten Regeln missachten: Sie fahren zu schnell, unter Alkohol- oder Drogeneinfluss, lassen sich von ihrem Handy ablenken, sind nicht angeschnallt. Den Schülern soll vor Augen geführt werden, dass sie Verantwortung tragen, wenn sie sich im Straßenverkehr bewegen. Dies gilt nicht nur für den Fahrer, sondern auch für diejenigen, die sich zu ihm ins Auto setzen.

In Nordrhein-Westfalen ereignen sich pro Jahr 550.000 Verkehrsunfälle. Über 600 Menschen werden dabei pro Jahr getötet. Der Anteil von jugendlichen Verkehrsteilnehmern bei den Verursachern von schweren Unfällen ist überproportional hoch. Crash Kurs NRW macht den jungen Leuten nachdrücklich klar, dass innerhalb weniger Sekunden alle Lebensträume - wie ein Luftballon - zerplatzen können.

Quelle: RP
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