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Leverkusen
Das Bauhaus als Theater erleben

Leverkusen. Auf und um eine überdimensionierte Werkbank spielte sich alles ab. So jedenfalls mag man sich die Aufbruchstimmung in der Kunstklasse von Oskar Schlemmer im Bauhaus Weimar 1923 vorstellen. Dass der Kunststil nicht nur Architektur und Möbeldesign beeinflusste, sondern wegen des interdisziplinären Ansatzes als außerordentlich in die Geschichte einging - davon erzählt die derzeitige Erholungshaus-Ausstellung von Bayer Kultur, in der auch Kostümnachbauten von Schlemmers Triadischem Ballett zu sehen sind. Das kommt am 11. Dezember auf die Erholungshaus-Bühne. Von Monika Klein

Theater, speziell Figurentheater, war eine andere Baustelle im Schlemmer-Bauhaus. Das erlebten die Besucher eines Gastspiels vom Anhaltischen Theater Dessau im Erholungshaus-Studio. Autor und Regisseur Christian Georg Fuchs hat sich vorgestellt, wie es zuging bei dem Professor, der sich in Anlehnung an die alten Dombauhütten von seinen Schülern "Meister" nennen ließ. In Dialogen mit zwei Studenten versuchte er, die schwierige Zeit zu skizzieren, in der es an Essen und Material fehlte. Durch viele Originalzitate erfuhr man einiges über seine Denkweise. Und über die Idee eines Marionettentheaters, das damals unvollendet blieb. Immerhin waren die Figuren bereits entworfen und realisiert, doch das Projekt stockte aus unerfindlichen Gründen, bevor die Bewegungs-Schnüre aufgezogen wurden. Das sollte erst 92 Jahre später auf Initiative von Fuchs geschehen, der die Nachbauten bei einem Münchner Marionettenbauer in Auftrag gab. Der hatte, genauso wie die ausgebildeten Spieler, seine liebe Not damit, weil die extravaganten Entwürfe nicht unbedingt bewegungstauglich waren.

Uta Krieg, Helmut Parthier und Tobias Weißhaupt überlisteten die Technik und führten das Stück aus 1001 Nacht auf, was damals in der Bauphase steckenblieb: Die Abenteuer des kleinen Buckligen.

Dabei vermittelten sie das, was die Ära Bauhaus ausmachte: ein ungeheurer Spieltrieb, der sich sämtlicher Bereiche der Kunst bedient, um ein Gesamtkunstwerk zu schaffen. Diese Erstaufführung ist eine wunderschöne, anrührende, teils witzige, poetische Vorstellung, in der auch noch Baukasten-Haus-Modelle von Gropius zum Einsatz kamen.

Quelle: RP
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