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Leverkusen
Das Ende der Einwegbecher

Leverkusen: Das Ende der Einwegbecher
Das Ende der Einwegbecher? Immer mehr große Ketten bieten ihren Kunden an, Kaffee in selbst mitgebrachte Becher zu füllen. FOTO: dpa, kdg sab
Leverkusen. Umweltschützer wollen sie schon seit Jahren abschaffen: Einwegbecher für den Kaffee unterwegs. Nun tut sich was. Viele große Ketten erlauben Kunden, eigene Becher mitzubringen, und locken mit Preisnachlässen. Von Sebastian Fuhrmann und Susanne Genath

Die Kundin in der Kamps-Bäckerei in Opladen entschuldigt sich: "Ich hätte gerne einen Latte Macchiato zum Mitnehmen. Ich habe aber leider meinen Becher vergessen." Sie bekommt einen Becher mit dem Heißgetränk, abgedeckt durch eine weiße Kappe. "Eigentlich will ich ja den Becher-Müll im Büro vermeiden."

Ab nächster Woche wird sie für diese Haltung belohnt. Denn zum 7. November führt die Schwalmtaler Bäckereikette Kamps ein Mehrweg-System in allen 393 NRW-Filialen ein. "Es gab immer wieder Nachfragen von Kunden zu dem Thema. Wir glauben, das Thema Mehrweg könnte ein Trend sein", sagt Unternehmenssprecherin Annika Loessel. Künftig müssen Kunden, die ihren eigenen Becher mitbringen, zehn Cent weniger bezahlen. Wer keinen passenden Mehrwegbecher hat, soll ihn sich in der Bäckerei kaufen können.

Auch andere Unternehmen ziehen mit: Die SB-Bäckerei Backwerk empfiehlt ihren Franchise-Partnern, Mehrwegbecher zuzulassen. Die Kaffeeketten Tchibo und Starbucks bieten ihren Kunden ebenfalls an, Heißgetränke in mitgebrachte Tassen zu füllen. Auch McDonald's akzeptiert in seinen McCafé-Filialen ab dem 17. November Mehrwegbecher. Kunden, die Müll vermeiden wollen, zahlen dort ebenfalls zehn Cent weniger. Und ebenso das ein oder andere kleine Café - unter anderem in Opladen - plant, künftig bei den Kaffeepreisen den Einwegbecher zu berücksichtigen. Umweltfreundliche Kunden können dort mit einem Rabatt rechnen.

Jährlich entstehen durch Einwegbecher Tausende Tonnen Müll. Mit einer geschätzten Nutzungsdauer von nur 15 Minuten werden Coffee-to-go-Becher noch schneller entsorgt, als Plastiktüten, die immerhin im Schnitt 25 Minuten im Einsatz sind. Die Deutsche Umwelthilfe zitiert eine Studie, nach der Deutsche im Jahr 2014 162 Liter Kaffee pro Kopf tranken, fünf Prozent davon aus Einwegbechern. 70 Prozent aller Verbraucher griffen der Studie zufolge "häufig" zu "to go"-Bechern.

Nach Zahlen der Organisation werden allein in Deutschland 320.000 Einwegbecher in der Stunde verbraucht, hochgerechnet auf ein Jahr macht das drei Milliarden weggeworfene Becher. In Berlin sind es pro Tag 400.000. Die Becher bestehen zu einem Teil aus Papierfasern, zum anderen aus Kunststoff, sogenanntem Polyethylen, das mit Rohöl hergestellt wird. Für die Herstellung der in einem Jahr in Deutschland verbrauchten Coffee-to-go-Becher entstehen Emissionen von 83.000 Tonnen Kohlendioxid (CO2), das das Klima belastet. Und häufig werden die Becher auch so entsorgt, dass sie nicht wiederverwertet werden können. So gab in einer Studie des TNS-Instituts von 2015 ein Drittel der Nutzer an, die Becher in öffentliche Papierkörben zu werfen.

Setzt sich das Mehrwegsystem durch, schont das die Umwelt. Für Unternehmen ist das neue Angebot damit automatisch auch Imagepflege; Nachhaltigkeit liegt im Trend. Aber wie hygienisch ist es, Kaffee in die mitgebrachten Behälter der Kunden zu füllen?

"Die Voraussetzung ist, dass die Becher der Kunden sauber sind. Ob sie das sind, liegt im Ermessen des Servicepersonals", sagt Kamps-Sprecherin Loessel. McDonald's habe vor der Einführung der neuen Mitbring-Regel die Hygiene-Anforderungen bei Tests überprüft, erfolgreich, heißt es.

Quelle: RP
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