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Leverkusen
Das Ende der Eiszeit: Heimo Förster gibt auf

Leverkusen. Der Veranstalter nennt höhere Miete für "Leverkusen on Ice" als Grund. Die Eisbahn-Firma sagt: Der Preis ist vertragsbedingt jedes Jahr gleich. Von Gabi Knops-Feiler und Ludmilla Hauser

Neun Jahre wurde die Schusterinsel alljährlich zur Weihnachtszeit zum Pilgerort für Schlittschuhläufer und Eisstockfans. Ein zehntes Eisvergnügen wird es nicht geben. Gestern gab Veranstalter Heimo Förster das offizielle Ende für "Leverkusen on Ice" bekannt.

Der 51-jährige Leverkusener, der auch das Restaurant in Schloss Morsbroich betreibt, begründete die Entscheidung mit explodierenden Kosten. Vor zwei Jahren habe die Miete bei 65 Euro je Quadratmeter gelegen. Im Vorjahr musste er bereits 95 Euro zahlen. In diesem Jahr habe die Firma 112 Euro verlangt. Nach Försters Angaben sei dies mit "natürlicher Steigerung" gerechtfertigt worden. Förster: "Als die Zahlen vorgestern auf dem Tisch lagen, bin ich zu dem Entschluss gekommen: Ich kann das nicht mehr."

Insgesamt 80.000 Euro Mehrkosten für acht Wochen könne er nicht an Kunden weitergeben, niemand sei bereit, fünf Euro für 0,3 Liter Bier zu zahlen. Noch vor vier Wochen, als die Rheinische Post bereits andeutete, dass die Probleme nicht nur technischer Natur seien, sei bei ihm der Wunsch über eine Fortsetzung des Events "noch viel größer als die Realität" gewesen. Bis zuletzt habe er Gespräche über Lösungen geführt, die er durch eine pessimistische Einstellung keinesfalls gefährden wollte. "Es war vielleicht eine Falschaussage, aber zu diesem Zeitpunkt war mir der letzte Strohhalm wichtig", entschuldigte sich Förster. "Ich habe die letzten Wochen gekämpft und mich wirklich schwer getan." Auch weil ihm das Festival "super viel Spaß gemacht" habe und er das finanzielle Risiko im Vorjahr "gerne" eingegangen sei.

Inzwischen nehme es Formen an, die betriebswirtschaftlich nicht realistisch seien. Er bedauere diese für Leverkusen so wichtige und letztlich negative Entscheidung. "Aber so sehr es alle wollen, kann ich das Risiko alleine nicht mehr tragen, ohne damit den Betrieb im Schlossrestaurant zu gefährden." Gästen, die Bahnen gebucht hätten, würden die Kosten erstattet. Firmen, die ihre Weihnachtsfeiern auf der Eisbahn ausrichten wollten, würde er das Schlossrestaurant als Alternative zum Sonderpreis anbieten. "Vielleicht können wir dann sogar draußen grillen?", sagte Förster.

Beendet ist das Kapitel "Events" für den Gastronomen damit nicht. Er werde beim nächsten Mal zwar nicht mehr derart euphorisch vorgehen. Aber die bisherige Eishütte als Eventlocation auf einem geeigneten Gelände könne er sich sehr gut vorstellen. Förster: "So etwas fehlt uns in Leverkusen."

Während Förster Zukunftspläne schmiedet, beschäftigt sich die Firma Interevent aus Dorsten, die die Eisbahn an ihn vermietet, mit der Gegenwart. Aktuell mit Försters Aussage zur Kostenexplosion: "Herr Heimo Förster hat mit uns einen 3-Jahresvertrag (2015 - 2017) über die Aufstellung einer mobilen Eisbahn unterzeichnet. Der Preis ist aufgrund der längeren Laufzeit des Vertrages jedes Jahr gleich", sagte Geschäftsführer Thomas Hein. "Es stimmt nicht, wenn er behauptet, dass wir für das ,Zur-Verfügung-Stellen' der Eisbahn den Preis kurzfristig erhöht haben." Förster habe schon mit Schreiben vom 17. März dieses Jahres die Auftragsbestätigung für das zweite Eislaufjahr (2016) mit identischem Preis des Vorjahres vorliegen gehabt. Diese habe er nicht unterzeichnet und stattdessen eine kleinere Eisbahn mit Sondermaßen errichten wollen, sagte Hein weiter. "Eine Kalkulation nach seinen Vorgaben für eine kleinere Fläche hätte den alten Preis unterschritten. Die Kalkulation und der Auftrag lagen ihm mit Schreiben vom 21. Juni 2016 vor. Alle Schreiben sind ihm zeitnah zugegangen. Geantwortet hat er bis heute nicht."

Werner Nolden, der das Eisfestival initiierte, will übrigens nicht wieder übernehmen: "Es war ein wunderbares Hobby, aber nun habe ich andere Prioritäten gesetzt."

Quelle: RP
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