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Leverkusen
Das Muschelquartier ist geräumt

Leverkusen: Das Muschelquartier ist geräumt
Etwa tausend Muscheln schlummerten gestern Morgen noch im Uferschlamm des Stauteiches Jüchbach. Innerhalb eines Tages wurden die Weichtiere vorerst umgesiedelt. Im Frühjahr geht's zurück in das umgestaltete heimische Gewässer. FOTO: Miserius
Leverkusen. Der Stauteich am Jüchbach wird erneuert. Vor den Arbeiten mussten aber erst einmal die Teich-Bewohner umziehen. Von Julia Zuew

Es riecht modrig, die Luft ist kühl. Schlamm spritzt hoch, als Siegfried Darschnik in Anglerstiefeln und -Overall durch das Teichufer watet. "Das Schwierigste ist, die Muscheln im Schlamm zu finden", sagt der Diplombiologe. Er wirkt bei der Umgestaltung des Stauteiches Jüchbach mit.

Muscheln müssen aus dem Teich umziehen

Wie viele von den Schalenweichtieren die Männer an diesem Tag aus dem Schlick des Stauteiches Jüchbach holen werden, kann Darschnik nicht sagen. "Das ist schwer abzuschätzen. Es werden mehrere hundert, wahrscheinlich an die tausend sein."

Der Stauteich Jüchbach ist Mitte der 1950er Jahre entstanden. Bisamratten - ursprünglich aus Nordamerika stammende Nagetiere - siedelten sich am Teich an. Sie gruben Löcher in den Boden, unter anderem auch, um an die nahrhaften Teichmuscheln zu gelangen. "Dann spülte das Wasser die Löcher aus", erzählt Darschnik. "Schließlich war auf dem Weg, der über den Damm führt, ein großes Loch entstanden." Die Stadt unternahm mehrere Versuche, die Stelle abzudichten und zu verstärken. "Aber gegen das Wasser kommt man nicht an - es findet immer seinen Weg", sagt der Biologe. Das Wasser sei zuletzt nicht mehr über das dafür vorhergesehene Mönchsbauwerk abgeflossen, sondern durch das ausgespülte Loch, berichtet er.

Mit ihrem Fuß vergräbt sich die Muschel im Schlamm - oder bewegt sich langsam fort. FOTO: Uwe Miserius

Der marode Damm wird nun saniert. Der Jüchbach soll laut Plan im Teich münden und nach Abschluss der Arbeiten komplett offen liegen. Auch ein Weg für Fußgänger soll wieder entstehen. In den Jüchbach sollen Trittsteine gelegt werden. "Mit einem Kinderwagen wird man da beispielsweise nicht durchfahren können", sagt der Biologe. "Aber Fußgänger werden dort spazieren können, und auch Fahrradfahrer werden ihr Rad drüberschieben können, dafür wird der Weg breit genug sein."

Die Arbeiten am Gewässer begannen gestern mit dem Ablassen des Wassers und dem Absammeln der im Teich lebenden Tiere: Neben Fischen gehört dazu die große Population der unter Naturschutz stehenden Teichmuscheln. Sie werden für die Zeit des Umbaus in den Ophovener Weiher umgesetzt. Durch zunehmende Verschmutzung der Gewässer sind alle Süßwassermuscheln mittlerweile bedroht, daher werden alle Bestände geschützt - auch in dem Stauteich. Da sich die Tiere von Partikeln und Algen im wässrigen Bodensatz ernähren und diesen filtern, nehmen sie auch viele Schadstoffe auf.

Während das Wasser aus dem Teich in ein benachbartes Gewässer abfließt, wird immer mehr vom Grund sichtbar. "Die Tiere sind aber gewöhnlich nur in der Uferregion, weil dort die Sauerstoffversorgung besser ist", sagt Darschnik. Er spült den Schlamm von den etwa handtellergroßen Muscheln, die er mit den Händen aus dem Boden geholt hat.

"Die Tiere können bis zu 17 Jahre alt werden", erzählt Darschnik. Das Alter verraten die Jahresringe auf der rauen Oberfläche der Schalen. "Im Winter wachsen die Muscheln weniger, da sind die Abstände kleiner. Im Sommer sind die Ringe größer."Die meisten Tiere im Teich haben bereits eine beachtliche Größe erreicht - ein Zeichen dafür, dass sie schon einige Jahre auf dem Buckel haben. "Umso wichtiger ist es, die Muscheln umzusetzen. Sie sind erst nach vier bis fünf Jahren geschlechtsreif", sagt Klaus Engelberg, ebenfalls Diplombiologe und Mitwirkender beim Projekt. Die Tiere im Teich seien etwa zehn Jahre alt oder älter.

Doch nicht nur Muscheln fühlen sich in dem kleinen Gewässer im Jüchbachtal wohl. Auch viele Frösche und Kröten sollen hier laichen, berichten die Biologen. "Aus diesem Grund soll schon im kommenden Frühjahr wieder Wasser rein", sagt Engelberg. Der Teich soll auch wieder tief genug werden, um frostfrei zu bleiben.

Quelle: RP
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