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Leverkusen
Das Schloss - eine riesige Baustelle

Leverkusen: Das Schloss - eine riesige Baustelle
Festgäste bei der Wiedereröffnung (v.l.): Der damalige Oberbürgermeister Wolfgang Obladen begrüßte die Bayer-Manager Herbert Grünewald und Hermann-Josef Strenger, rechts Stadtdirektor Hans-Georg Mierzwiak. FOTO: Schütz, Ulrich (us)
Leverkusen. Die Stadt kann sich auf einen Geburtstag vorbereiten: Vor 30 Jahren wurde das Schloss Morsbroich wiedereröffnet. Bis dahin war es ein steiniger Weg. Von Ulrich Schütz

Seit 1948 nutzt die Stadt das Schloss, das sie 1974 für drei Millionen Mark kauft. Der Stadtrat verpflichtet den Stararchitekten Prof. Oswald Mathias Ungers mit der Renovierung und Umgestaltung des Gebäudes zum Museum. Eine riesige Aufgabe, die im Oktober 1985 mit der Wiedereröffnung des grundsanierten Hauptgebäudes noch längst nicht beendet ist.

Es läuft damals ein Kampf um die Nebengebäude (Ställe und Remisen), in denen heute Restaurant, Gartensaal, Ausstellungsräume und die Museumsverwaltung untergebracht sind. "Sanierung oder Neubau", lautet die Frage. Die "Vorburg" befindet sich zu dieser Zeit laut Ungers größtenteils in einem "ruinösem baulichen Zustand", zumal an einigen Stellen das Dach undicht ist. Wer sich heute dort bewegt, sieht von dem schlimmen Zuständen nichts, außer dass es unter dem offenbar unzureichend isolierten Dach im Bereich der Restauranttoiletten schnell sehr warm wird.

Der Übergang über den Wassergraben wurde fast komplett erneuert. Kleines Foto: Zustand heute. FOTO: Ulrich Schütz

Einen bundesweiten Bekanntheitsgrad erlangt die Vorburg durch den SPD-Ortsverein Schlebusch/Alkenrath. Mitglieder stoßen bei Festvorbereitungen in den heruntergekommenen Remisen auf eine kleine Badewanne, die sie sauber schrubben und als Bierkühler nutzen. Fatal dabei: Die Badewanne ist ein Kunstwerk von Josef Beuys.

Ungers' Zustandsbeschreibung zum Hauptgebäude vor der Sanierung ist eher geeignet, das Projekt gleich zu beerdigen: nicht isolierte Grundmauern, schlechter Mauerwerkszustand im Bereich des Mittelbaus, keine oder nur unzulängliche Fundamente unter den Nebengebäuden, große Bereiche des konstruktiven Mauerbaus verrottet, Durchfeuchtung der Mauern bis in die Dachkonstruktion, Teile des Gebäudes durch Fäulnis und Schwamm zerstört - das ist die Kurzfassung der rein auf das Schloss bezogenen Schäden. Dazu sollte der Bau ja noch "museumstauglich" umgebaut werden.

Bei der Sanierung wurde der Kristall-Lüster im Spiegelsaal generalüberholt. FOTO: Schütz, Ulrich (us)

Die Sanierung des Hauptgebäudes beginnt im November 1982. Das Schlossgelände verwandelt sich in eine riesige Baustelle. Das Schloss wird an der Außenfassade geschlitzt, um Leitungen unterzubringen. Im Inneren werden eine durchgehende Zentraltreppe und ein Aufzug integriert, die Raumaufteilung überarbeitet. Besonders kompliziert: die Verstärkung der Holzbalkendecken, an denen die historischen Stuckdecken hängen. Die Balken sind an den Kopfenden "erheblich verfault". Sie werden bis zum gesunden Holz abgeschnitten, erhalten dann eine Armierung aus Glasfaserstäben und darum eine Kunststoffprothese. Nur ein Beispiel für das sehr aufwändige Sanierungsprojekt, das mit Vorburg rund 22 Millionen Mark kostet. Am 25. Oktober 1985 ist Wiedereröffnung des Hauptgebäudes, mit der Vorburg dauert es noch bis 1990.

Das Schloss Morsbroich hat eine wechselhafte Vergangenheit. Wo heute der Museumsbau steht, befand sich zuvor eine Burganlage (erste Erwähnung: 1328). Sie wird abgerissen, 1775 entsteht das Barockschloss. Kaiser Napoleon I. spielt in der Gebäudegeschichte eine Rolle. 1857 kauft Friedrich Diergardt das Schloss. 1948 wird die Stadt Leverkusen Mieterin des Gebäudes, in dem zunächst ein Alten- oder Kinderheim eingerichtet werden soll.

Die Max-Bill-Säule wurde im Oktober 1985 geliefert. Der Schweizer Künstler (r.) kontrollierte die Aktion. FOTO: Schütz, Ulrich (us)

Dank an das Stadtarchiv Leverkusen: Es stellte für den Bericht Unterlagen zusammen.

Quelle: RP
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