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Leverkusen
Deftige Kritik an Bundesarbeitsministerin

Leverkusen. Der Chef der Unternehmerschaft Rhein-Wupper nennt Gesetzentwurf zur Leiharbeit "unsinnig". Von Ludmilla Hauser

Das Jahr 2015 - es war für die Wirtschaft nicht schlecht. "Der Konjunkturmotor ist auch 2015 nicht ins Stocken geraten. Die meisten Mitgliedsunternehmen sind zum Jahresende gut aufgestellt, sie verzeichneten in 2015 eine konstant hohe Auslastung und auch zum Jahresende sind die Auftragsbücher trotz Abschwächung im Dezember noch gut gefüllt", fasst Andreas Tressin, Geschäftsführer der Unternehmerschaft Rhein-Wupper, für die rund 200 Mitgliedsfirmen zusammen.

Aber: Der momentane Erfolg der Wirtschaft sei eben nicht nur Ausdruck "allein volkswirtschaftlicher Stärke", sondern auch Sonderfaktoren zu verdanken wie niedriger Ölpreis, niedrige Zinsen und günstiger Wechselkurs. Da hätte manches Mitgliedunternehmen ein glückliches Händchen beim Kauf von Rohstoffen und Energie gehabt. "So relativieren sich viele der sich derzeit abzeichnenden positiven Jahresabschlüsse. Manchmal darf man sich nicht die Frage stellen, wie das Ergebnis ausgefallen wäre, wenn diese Sonderfaktoren nicht gewesen wären", merkt Tressin bei seiner Rückschau kritisch an.

Bei seinem Ausblick auf 2016 ist er "verhalten optimistisch". Der Welthandel wachse nur schwach, viele Schwellenländer suchten nach einem neuen wirtschaftspolitischen Kurs, und die ökonomischen Folgen der Flüchtlingszuwanderung seien derzeit überhaupt nicht abzuschätzen. "Vor diesem unsicheren Hintergrund haben die vom Institut der deutschen Wirtschaft befragten Unternehmen ihre Erwartungen auch zurückgeschraubt. Die aktuelle IW-Konjunkturprognose verheißt nur ein moderates Wachstum von 1,5 Prozent."

Die Firmen steckten ohnehin in einer schwierigen Situation. Denn: "Unsere Unternehmen zahlen Weltklasselöhne, wobei sich der Anstieg der Entgelte seit der Finanzkrise noch einmal beschleunigt hat" - von 2008 bis 2015 je Stunde um fast 17 Prozent. "Darüber hinaus tragen die Unternehmen die höchsten Sozialabgaben, müssen die kürzesten Arbeitszeiten verkraften und werden mit den höchsten Umweltstandards und dadurch entstehenden Kosten belastet", moniert Tressin. Firmen verlören auch dadurch immer mehr an Wettbewerbsfähigkeit.

Er fordert einen Paradigmenwechsel: "Die Politik muss sich unternehmerisch Verhalten und alles tun, damit die Stabilität der Wirtschaft gewahrt bleibt." Stichwort Leiharbeit und Werkverträge: "Was sich aktuell die Ministerialbeamten von Frau Nahles hier haben einfallen lassen, ist ein kompletter Angriff auf unsere heute arbeitsteilige Wirtschaft. Der aktuelle Gesetzesentwurf ist ein Bremsklotz gegen die Vernetzung und Arbeitsteilung der Industrie 4.0: praxisfremd, hoch bürokratisch, in der Sache unsinnig und so überhaupt nicht durchführbar."

Auch die Gewerkschaften müssten auf dem Teppich bleiben. "Lohnsteigerungen wie in den vergangenen Jahren nehmen den Unternehmen die Luft zum Atmen", mahnt Tressin.

Quelle: RP
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