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Ulrich Wissing
"Demo zur A1-Brücke war erst der Anfang"

Ulrich Wissing: "Demo zur A1-Brücke war erst der Anfang"
Ulrich Wissing FOTO: Ralph Matzerath
Leverkusen. Wohl selten wurde so viel über Fans und den Fußball diskutiert wie momentan. Wir sprachen mit Ulrich Wissing, Mitglied des Kurvenrates bei Bayer 04, über Ultras, Pyrotechnik, Sicherheit, Kommerzialisierung und die Fanszene der Werkself.

Vergangene Saison gab es Kommunikationsprobleme zwischen Teilen der Fanszene und dem Verein. Jetzt wähnt sich Bayer 04 "auf einem guten Weg". Teilen Sie die Einschätzung?

Wissing Es hat sich eine Menge getan und wir sind tatsächlich auf einem guten Weg, der wahrscheinlich nie zu Ende sein wird. Denn einzelne Reibungspunkte wird es immer geben. Wichtig ist vor allem, dass wir miteinander reden. Das ist einer der Gründe, weshalb ich den Kurvenrat für so wichtig halte. Mit einem Kurvenrat wäre die Situation vergangene Saison wohl nicht so eskaliert.

Wie wirkt sich die neue Harmonie auf die Stimmung im Stadion aus?

Wissing Schon vergangene Saison vor dem Derby gegen Köln mit dem Begrüßungsspalier zwischen dem Stadioneck und BayArena ließ sich spüren, was möglich ist, wenn wir alle an einem Strang ziehen. Das setzt sich diese Saison auch im Stadion fort - und das hat nicht nur damit zu tun, dass es sportlich jetzt etwas besser läuft als damals..

Immer wieder wird über Sicherheit bei Fußballspielen diskutiert. Es entsteht beinahe der Eindruck, als müssten sich Stadionbesucher regelrecht fürchten.

Wissing Das ist aus meiner Sicht wirklich Unsinn. Unter dem Strich ist es verglichen mit meiner Anfangszeit vor über 20 Jahren sogar sicherer geworden, ins Stadion zu gehen. Aber ab und zu passiert natürlich auch mal etwas. Und wir leben in einer Zeit, in der schlechte Nachrichten sich besonders schnell verbreiten. Es braucht sich aber niemand fürchten oder aus Angst um die Sicherheit Frau und Kinder zu Hause lassen.

Wie stehen Sie zur umstrittenen Pyrotechnik?

Wissing Leuchtspur oder Böller gehen aus meiner Sicht überhaupt nicht. Aber Bilder aus Griechenland oder Argentinien mit Lichtermeeren aus bengalischen Fackeln beeindrucken mich optisch schon, in Deutschland gibt es natürlich eine klare Gesetzeslage. Wer sich nicht an das Verbot hält, der darf sich auch über die Konsequenzen nicht beschweren. Das heißt aber nicht, dass alles so bleiben muss, wie es ist. Ich wünsche mir schon, dass Politik und Verband die erhofften Signale senden und gemeinsam mit den Fans Ideen entwickeln, wie bengalische Fackeln in geschützten Bereichen klar geregelt abgebrannnt werden können.

In der öffentlichen Wahrnehmung sind Ultras oft als Problemfans verschrien. Trügt dieser Eindruck?

Wissing Diese Vorurteile gibt es. Das haben wir kürzlich erst bei der Demo gegen die Öffnung der Giftmülldeponie wieder erlebt. Ich glaube, Ultras sind mit ihrer Hingabe für den Verein und ihrer Art, Fußball zu leben, manchem vielleicht etwas suspekt. Vielleicht sind sie auch etwas raubeiniger als andere Fans. Aber Angst vor Ultras? Die ist nicht nötig. Hier in Leverkusen sind die Ultras mit ihrem Einsatz und Engagement nicht wegzudenken und ein fester Bestandteil unserer kleinen, aber sehr engagierten Fanszene..

Apropos Engagement: Nach dem erfolgreichen Kampf für den Erhalt des Bayer-Kreuzes mischt sich die Fanszene nun bei den Plänen rund um die marode Leverkusener Autobahn-Brücke ein. Wie ist es dazu gekommen?

Wissing Wir wollen nichts anderes als die bestehende Initiative. Aber wir haben eine ganz andere Reichweite - ganz einfach, weil wir Fußball-Fans sind. Wenn wir so dazu beitragen können, dass noch einmal Bewegung in diese extrem wichtige Sache kommt und die drohende Öffnung der Giftmülldeponie vielleicht doch noch verhindert werden kann, ist das doch toll. Zuletzt hat uns als Vorstand des Fandachverbands Nordkurve 12 der Oberbürgermeister Uwe Richrath zu einem Termin eingeladen, zu dem er auch Straßen.NRW eingeladen hat. So konnten wir dort noch einmal unsere Meinung platzieren. Die Demo war nach dem enttäuschenden Urteil des Verwaltungsgerichts ein wichtiges Zeichen, aber erst der Anfang. Weitere Aktionen werden ziemlich sicher folgen.

Zur Demonstration haben auch die Ultras Leverkusen eingeladen.

Wissing Ganz genau. Sie haben bei der Organisation sogar eine Hauptrolle gespielt. Und wo ich vorher besorgte Anrufe erhielt, ob das denn bei all den Fans überhaupt sicher wäre, die eigenen Kinder mitzubringen, gab es nachher ganz viele tolle Reaktionen. Alle waren begeistert und bei 5.000 Demo-Teilnehmern ist es trotz der Fußballfans selbstverständlich nicht zu Zwischenfällen gekommen.

TOBIAS KRELL FÜHRTE DAS GESPRÄCH

Quelle: RP
 
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