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Bergisch Neukirchen
Der gute Geist von Pattscheid

Bergisch Neukirchen: Der gute Geist von Pattscheid
56 Jahre wirkte Pfarrer Arnold Zimmermann in Pattscheid und Bergisch Neukirchen, zum Teil auch in Witzhelden. Bald soll ein neuer Gedenkstein an ihn erinnern. FOTO: Ralph Matzerath (Archiv)
Bergisch Neukirchen. Wenn Gonda Staratschek über Pfarrer Arnold Zimmermann spricht, gerät sie ins Schwärmen. "Pastor Rauschebart war ein Unikum", sagt sie. "Er war gerade heraus. Man konnte prima mit ihm arbeiten." Von Susanne Genath

Die pensionierte Lehrerin und ihren Mann Hubert verbindet zudem etwas ganz Besonderes mit dem Pattscheider Geistlichen. "Er hat uns vor über 50 Jahren getraut", berichtet die Seniorin. Daher komme sie immer noch gerne nach Leverkusen, auch wenn sie schon seit langem in Radevormwald lebe.

Arnold Zimmermann ist 1985 gestorben. Die Begeisterung für den Geistlichen ist aber in Pattscheid und Bergisch Neukirchen auch mehr als 30 Jahre nach seinem Tod ungebrochen. "Er glaubte an das Gute im Menschen und hat überall geholfen, wo Not war", erzählt Willi Baumhögger. Der 78-Jährige erinnert sich noch gut an den Pfarrer, der in aus Arloff in der Eifel geboren wurde. In den 56 Jahren seines Wirkens habe Zimmermann Generationen geprägt. "Die Kinder hatten bei ihm Religionsunterricht und wurden von ihm zur Kommunion geführt. "Die Kranken und Schwachen besuchte er, egal, ob katholisch oder evangelisch. Das waren alles seine Schäflein." Mit dem evangelischen Pfarrer Erich von Dreusche habe er sich gut verstanden.

Umso größer war der Aufschrei, als die Stadt Leverkusen das Grab von Arnold Zimmermann auf dem Friedhof in Bergisch Neukirchen Ende März sang- und klanglos abräumen und den Grabstein sofort schreddern ließ. Die Stadt hatte erklärt, die Familienangehörigen per Aushang vorher informiert zu haben. "Das war nicht der Fall", sagt Josef Zimmermann (79), ein Neffe des Pastors. "Ich habe das Grab gepflegt. Da gab es keinen Aushang. Auch andere Besucher der Grabstätte haben mir versichert, keine Hinweise gesehen zu haben."

Sein Vater habe einst den Grabstein anfertigen lassen, auf dem eine Schafsherde mit dem guten Hirten abgebildet war sowie ein kurzer Text zu dem Geistlichen. "Mein Onkel war der einzige Erwachsene, der bei den Kindergräbern beigesetzt wurde. Das hatte er sich so gewünscht." Rund 5000 Menschen seien zur Beerdigung für Josef Zimmermann keine Überraschung. "Mein Onkel war ein besonderer Mensch", sagt er. "Er hatte für jeden ein offenes Ohr und ein gutes Wort, auch nachts um 3 Uhr. Deshalb hat sich sein Handeln und sein Wirken in der Bevölkerung so eingeprägt."

Dabei hatte der Geistliche 1929 bei seinem Antritt als Jungpriester in Pattscheid keinen leichten Stand. "Bergisch Neukirchen war überwiegend evangelisch. Es gab nur wenige Katholiken. Er hat es aber geschafft, dass er von beiden gleichermaßen anerkannt wurde." Drei Kirchen wurden in der Amtszeit des Pfarrers gebaut: St. Heinrich in Witzhelden, Heilige Drei Könige und St. Engelbert. "Deshalb heiße ich mit zweitem Vornamen auch Engelbert", berichtet Josef Zimmermann. Und Willi Baumhögger erinnert sich: "Der Pfarrer, der in den 50er-Jahren immer mit einem Motorrad samt Beiwagen unterwegs war, hat selbst in Cordhose beim Ausschachten geholfen."

Den Rauschebart trug der Pfarrer übrigens nicht ohne Grund. "Mein Onkel hatte eine Hautflechte, die beim Rasieren immer schlimmer wurde", berichtet Josef Zimmermann. "Deshalb hatte er sich noch als Student bei einer Pilgerfahrt nach Rom die Erlaubnis geholt, einen Vollbart tragen zu dürfen." Dies sei eigentlich nur Mönchen vorbehalten gewesen.

In Kürze soll ein neuer Gedenkstein für Arnold Zimmermann am Eingang des Friedhofs in Bergisch Neukirchen stehen, kündigt Stadtdechant Heinz-Peter Teller an. Der Steinmetz sei schon beauftragt.

Quelle: RP
 
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