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Leverkusen
Der Herr der Saiten glänzt im Erholungshaus

Leverkusen. Harfinist Xavier de Maistre beweist, dass sein Instrument mehr kann als Hintergrundbegleitung. Von Monika Klein

Wenn Musik das Geräusch eines leise plätschernden Baches imitiert, dann scheint die Harfe dafür geradezu ideal. Die zart klingenden Saiten wecken im Kopf Bilder von einem kleinen Rinnsaal an der Quelle, von Klippen und Strudeln und einem Anschwellen der Wassermassen, die in einem beachtlichen Fortissimo-Strom dahinfließen. Bedrich Smetana hat "Die Moldau" wie den ganzen Zyklus "Mein Vaterland" als sinfonische Dichtung für ein Orchester geschrieben, das sich dynamisch gewaltig steigern kann. Aber die Bearbeitung für Harfe, die Besucher des Kammerkonzertrings von Bayer Kultur im Erholungshaus erlebten, war mindestens so reizvoll wie die bekannte Fassung.

Der französische Harfenist Xavier de Maistre überzeugte sie an einem Abend davon, dass dieses Instrument mindestens so viele Seiten wie Saiten hat. Zwar hatte er sich in diesem Programm spezialisiert auf die "slawische Seele". Aber die Auswahl war so getroffen, dass die unterschiedlichen Facetten und klanglichen Möglichkeiten des Instruments zur Sprache kamen. Als Percussions-Instrument bediente er die Harfe beim "Orientalischen Tanz" von Chatschaturjan, einem folkloristisch inspirierten Kinderstück, das hier mit geklopften Rhythmen verbunden wurde. Die gesanglichen Qualitäten kamen bei Glinkas "Nocturne Es-Dur" zum Tragen, das de Maistre als weiches Abendlied klingen ließ. Wie tirilierende Vögelchen kann es klingen, wenn er sich auf das obere Dreieck mit den hoch klingenden Saiten beschränkt wie bei der Bearbeitung von Liszts Klavierstück "Le Rossignol". Zart und fragil war der Klang bei der Arabesque Nr. 1 E-Dur von Debussy, große dynamische Entwicklungen gab es im "Impromptu" Des-Dur von Fauré, einem der wenigen echten Originalkompositionen für Harfe. Orchestrale Fülle schließlich, die vergessen ließ, dass auf der Bühne nur ein einziges Instrument tätig ist, bei dem Arrangement aus Themen aus Tschaikowskys Oper "Eugen Onegin".

Aber es war nicht nur die Vielfalt, die das Publikum so begeisterte, dass es am Ende lange stehend applaudierte. Es war vor allem die Einheit von technischer Präzision, Stilsicherheit, musikalischem Gespür und Freude an der Musik.

All das verbindet sich in der Person Xavier de Maistre, der vor Beginn seiner Solokarriere bei den Wiener Philharmonikern unter Vertrag war. Seine Absicht, die Möglichkeiten seines Instruments bekannter zu machen, ist in Leverkusen einmal mehr aufgegangen.

Quelle: RP
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