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Leverkusen/Hilden
Der Leverkusener Wald hat genug zu trinken

Leverkusen/Hilden. Experten erstellen derzeit den Waldschadensbericht 2015. Den Bäumen in Leverkusen und Leichlingen geht es vergleichsweise gut. Von Patrick Scherer und Alexandra Rüttgen

Während einige Förster in der Region über die Sommertrockenheit jammern, bleibt Karl Zimmermann völlig entspannt. Der Förster im Revier Leverkusen und Leichlingen sagt: "Meinem Wald ist es noch nicht zu trocken. Es wäre übertrieben, da eine Wasserknappheit hineinzuinterpretieren." In Hilden berichtet der Stadtförster, dass aufgrund von "Trockenstress" sichtbare Schäden entstanden seien. Blätter würden welken und schließlich abfallen. Einzig bei den Birken sieht Zimmermann in Leverkusen etwas Probleme. "Besonders trocken ist es bei den Birken, wo das Wasser ohnehin knapp ist. Und an den Stellen, an denen der Boden zu großen Teilen aus Sand besteht. Die Birken sind bei Wassermangel sehr anfällig", sagt der Förster, stellt dabei aber klipp und klar fest: "Für mich ist es ein Standardjahr. Wir hatten ja immer wieder zwischendurch Regen. Die Trockenphasen, die es gab, kann unser Wald schon ab."

Experten erstellen noch bis Ende August für das Land NRW den Waldschadensbericht für das laufende Jahr. Zur Datenerhebung wird der Wald landesweit in ein Raster von vier mal vier Kilometern aufgeteilt. Jeweils in den Schnittpunkten stehen die zu prüfenden Bäume. Zwischen Mitte Juli und Ende August wird jeder dieser etwa 10 000 Bäume aufgesucht, vermessen und begutachtet. Daraus ergibt sich ein Bild über den Gesundheitszustand der vier wichtigsten Hauptbaumarten in NRW: Buche, Eiche, Fichte und Kiefer. Kombiniert mit den Jahresauswertungen der Wetterdaten werden dann mögliche Gründe für zu beobachtende Entwicklungen abgeleitet sowie Maßnahmen entwickelt.

Aus Sicht von Lutz Falkenried, Leiter der NRW-Waldzustandserhebung vom auch für Leverkusen zuständigen Landesbetrieb "Wald und Holz NRW", leidet der Wald aber generell besonders unter den Folgen des Klimawandels. "Tendenziell nimmt die Niederschlagssumme in den Sommermonaten ab", berichtet er - die Sommer werden also immer trockener. Zugleich werden die Abstände zwischen den Mastjahren, in denen die Bäume ihre Früchte wie zum Beispiel Eicheln oder Bucheckern gleich in Massen produzieren, immer kürzer. Auch das laugt die Bäume aus. Zudem setzen Fraßinsekten und Pilze den geschädigten Bäumen immer mehr zu. "Das setzt unseren Wald unter starken Stress", erläutert Fachmann Falkenried.

Um das Waldnaturerbe zu bewahren, arbeiten die Forstleute daher daran, den Wald zu einem klimaplastischen Ökosystem umzubauen, das den Folgen des Klimawandels widerstehen kann.

Auch Dennis Anders zieht aus den Waldschadensberichten Konsequenzen. "Der Bericht ist Grundlage für eine bestimmte Pflanzenauswahl", erläutert er. So brauche die Fichte zum Beispiel "große Niederschlagsmengen und hat Schwierigkeiten mit langen Trockenphasen." Große Monokulturen an Fichten, wie sie noch Jahrzehnte zuvor angelegt wurden, werde es daher und aus ökologischen Gründen "nicht mehr geben", betont Anders.

Beim Thema Fichten kann dann auch Zimmermann etwas Leid klagen: "Bei den Fichten ist es so, dass es bei Trockenheit zu Borkenkäferbefall kommt. Im Frühjahr hatten wir auch viele Läuse an den Fichten, so dass die alten Nadeln abgefallen sind. Nun haben die Fichten nur die neuen Nadeln aus dem Frühjahr. Das sieht ein bisschen traurig aus, da es nur ein Drittel der üblichen Nadelmasse ist", sagt der Leverkusener Förster.

Quelle: RP
 
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