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Leverkusen
Der Mann für gewisse Stunden ist jetzt Rentner

Leverkusen: Der Mann für gewisse Stunden ist jetzt Rentner
Joachim Pawellek im Kreise seiner (dienstlichen) Lieben: Der 63-Jährige hat gestern einen kleinen Ausstand aus dem Berufsleben gefeiert. FOTO: Uwe Miserius
Leverkusen. Joachim Pawellek, der Regiemeister Winterdienst der TBL, hat gestern seinen Abschied gefeiert. Von Ludmilla Hauser

Wie es sich anfühlt im Ruhestand, das hat Joachim Pawellek jetzt schon 17 Tage lang getestet - seit 1. Juni ist er in diesem. "Und da kann ich total versehen, wenn es immer heißt, Rentner haben keine Zeit", sagt der Regiemeister Winterdienst a. D. der Technischen Betriebe Leverkusen, der gestern einen kleinen Ausstand aus dem Berufsleben gab. Nach 38 Jahren bei der Stadt beziehungsweise den TBL. "Meine Frau ist noch berufstätig. Ich stehe mit ihr um 6 Uhr auf, und dann bin ich den ganzen Tag beschäftigt. Als Neurentner meint man, man müsste 24 Stunden am Tag etwas machen." 24 Stunden ist ein gutes Stichwort. Denn gerade in den Wintermonaten hat der 63-Jährige beruflich quasi rund um die Uhr ein Auge auf die Wettersituation gehabt, auf die Eis- und Schnee-Lage in der Stadt, hat die TBL-Mitarbeiter, rausgeschickt wo nötig, um die Straßen von zu viel Winter zu befreien. Joachim Pawellek war der Mann für gewisse Stunden.

"Na klar haben einen im Dienst auch viele Dinge geärgert, aber ich kann auch ganz bewusst sagen, dass die Stadt ein zuverlässiger Arbeitgeber ist, dass ein Geben und Nehmen herrscht. Wir mussten uns um unsere Stellen keine Sorgen machen. Ich kann im Grunde gar nichts Nachteiliges sagen", fasst der Leverkusener zusammen, der jahrelang bei der Stadt stellvertretender Personalratsvorsitzender, seit 2007 bei den TBL Personalratsvorsitzender war.

Jetzt sitzt Joachim Pawellek immer noch vor - seinem Tennisverein, dem TuS Rheindorf. Mitunter könnte er von dieser Aufgabe ein wenig abgelenkt werden. "Ich habe einen dreijährigen Enkel", deutet der Opa ebenso kurz wie stolz an. Und das Pawelleksche Fahrrad kommt jetzt ebenfalls zur Ausfahrt. "Seit ich im Ruhestand bin, bin ich mit einem Freund schon mehr als 500 Kilometer geradelt", gesteht der 63-Jährige. Langsam dämmert dem Zuhörer, was der Mann am Anfang des Gesprächs gemeint hat, als er formulierte: "Rentner haben keine Zeit."

Und doch, so ganz kann das nun auch wieder nicht stimmen. Denn der Leverkusener hat noch so viel Zeit, dass er am Straßenrand anhält, wenn er einen offenstehenden städtischen Papierkorb sieht. "Dann klappe ich den Deckel runter, und meine Frau sagt zu mir: Du bist doch gar nicht mehr im Dienst." Nachsatz: "Ich glaube, es braucht noch etwas, bis ich das wirklich begriffen habe."

Vielleicht kommt dieser Moment im Winter. Dann könnte sich Pawellek nochmal gemütlich im Bett rumdrehen, wenn draußen die TBLer Schnee schieben. Will er aber nicht. Denn: "Ich werde dann zu Hörer greifen und die ehemaligen Kollegen als Bürger anpflaumen, warum sie da und dort nicht ordentlich geräumt haben", droht Neuruheständler Pawelelk schelmisch.

Quelle: RP
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