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Leverkusen
Der Mensch braucht die Küche zum Reden

Leverkusen. Bei den Opladener Gesprächen las Autor Peter Wagner aus "Wofür es gut ist". Von Monika Klein

Welcher junge Mensch kommt schon auf die Idee, Lehren aus dem bisher Erlebten zu ziehen, wenn doch das Leben zum großen Teil noch vor ihm liegt? Zeit für Resümees ist im Alter. Das hat Peter Wagner noch lange nicht erreicht, trotzdem fragte er sich, was Menschen aus ihrem Leben lernen (können). Der Autor und Journalist, der für die Süddeutsche Zeitung arbeitet, führte rund 100 Interviews und wählte daraus 50 persönliche Lebensgeschichten aus für sein Buch "Wofür es gut ist", das im DTV-Verlag erschien. In der ökumenischen Veranstaltungsreihe "Opladener Gespräche" las er daraus einige Kapitel vor, erklärte seine Motivation, wie er beim Schreiben vorgegangen ist und gelangte zu der Erkenntnis, dass es auch einen "seelsorgerlichen" Aspekt gab, weil sich viele Gesprächspartner öffneten.

In der späten Lebensphase schaut man oft so gnädig auf sein Leben", hat er festgestellt und deswegen Wert darauf gelegt, Personen aller Altersklassen anzusprechen. Stadt- und Landmenschen, einfachen und gebildeten Leute stellte er dieselben Fragen: Was haben Sie erlebt? Was haben Sie dabei gelernt? Und: Was davon können Sie weitergeben? Frage drei war die Schwierigste, stellte sich heraus.

Eine Frau kann über den Tod des 17-jährigen Sohnes sprechen und den Verlust so verarbeiten. Ein anderer stürzt sich nach einem Schicksalsschlag in die Arbeit, die Dritte zieht die Reißleine im aussichtslosen Beziehungsdrama. Ein Herzpatient erlebt mit einem Spenderorgan die intensivste Zeit seines Lebens und wünscht seinen Kindern, dass sie mit weniger auskommen, denn "die Jagd nach mehr macht das Leben nicht besser".

Wagner sprach mit einer fränkischen Dorf- und Familienhelferin, die für einige Wochen auf Höfen einspringt, wenn Bauer oder Bäuerin krank sind. Sie trug nicht nur die eigene Lebensgeschichte bei, sondern auch die Schicksale jener Menschen, denen sie immer in einer Ausnahmesituation hilft. Und dann war da noch ein ehrenamtlicher Bürgermeister, von dem der Autor gelesen hatte, dass er sich eine Kapelle bauen will. Am Ende des Buches zog Peter Wagner eine Art Resümee. Er sortierte alle Beiträge und erhielt dabei vier Stapel. Daraus leitete er ab, was Menschen am meisten brauchen: eine Küche zum Reden, eine Werkstatt zum Machen, einen Balkon zum Lassen und ein Wohnzimmer für die Lieben.

Quelle: RP
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