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Leverkusen
Der Name FDP wurde in Opladen geboren

Leverkusen: Der Name FDP wurde in Opladen geboren
Im Hotel zur Post (heute steht dort das Kaufhaus Woolworth) wurde am 7. und 8. Januar 1946 die FDP in der Kreisstadt Opladen gegründet. Mit dem Treffen wurde gleichzeitig der Grundstein für die Freien Demokraten im Rheinland gelegt, FOTO: Stadtarchiv, privat, ADL
Leverkusen. Die Freie Demokratische Partei, kurz FDP, wird 70 Jahre alt. Der Ortsverband Leverkusen feiert das heute in Schloss Morsbroich. Von Susanne Genath

Es waren denkwürdige Tage, der 7. und 8. Januar 1946. An ihnen wurde die FDP in der früheren Kreisstadt Opladen gegründet. Und zwar im Hotel zur Post, an dessen Stelle heute das Warenhaus Woolworth steht. Mit dem Treffen wurde gleichzeitig der Grundstein für die Freien Demokraten im Rheinland gelegt, das sich damals unter Verwaltung der britischen Besatzern befand.

"Im Einvernehmen mit den Landesverbänden Hamburg-Schleswig-Holstein und Westfalen soll in Opladen der Zusammenschluss der demokratischen Landesverbände und der gesamten noch nicht in einem Landesverband zusammengefügten Kreisgruppen unter einheitlichem Namen und mit einheitlichem Programm durchgeführt werden", schrieb Dr. Friedrich Middelhauve am 29. Dezember 1945 in seiner Einladung. Der Opladener Verleger hatte zuvor schon die Deutsche Aufbaupartei im Rhein-Wupper-Kreis mitbegründet und wurde zu einem Motor für die Entwicklung der liberalen Partei.

Die Gründung gestaltete sich allerdings nicht einfach. "Es ging darum, der betont konfessionell, wenn nicht gar klerikal geprägten CDU auf der einen wie der sozialistischen Arbeiterpartei der SPD auf der anderen Seite eine bürgerlich-liberale Gruppierung entgegenzustellen", schrieb Erich Mende später über die Gründung in seinen Memoiren.

Dr. Friedrich Middelhauve lud zur Gründung am 8. Januar 1946 ein.

Man habe sich insbesondere einer freien Gesellschaft, geistiger Unabhängigkeit und dem freiem Unternehmertum verpflichtet gefühlt. Doch das Wort "liberal" sei aus der Vergangenheit negativ besetzt gewesen. "Dagegen stand das klare ,frei' außerhalb jeder Missdeutung, besonders in einem besiegten und besetzten Deutschland." Und so habe man sich schließlich auf die Bezeichnung "Freie Demokratische Partei" geeinigt. Mende wurde kurz darauf zum Landesgeschäftsführer bestellt.

"Wenn man bedenkt, dass er erst kurz vorher aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt war, ist das enorm", sagt Mendes Sohn Walter stolz. Ein Regimentskollege habe Erich Mende weiterempfohlen, als ein Manager für eine neue liberale Partei gesucht wurde. "Eigentlich stand mein Vater der CDU nahe", erzählt der frühere Leverkusener Oberbürgermeister. Doch das Angebot der Liberalen sei schneller gekommen. 1970 wechselte Erich Mende dann aber doch zur CDU.

Die FDP habe in Opladen und Leverkusen kommunalpolitisch viel mitgestaltet. "Insbesondere Bertha Middelhauve, die Frau des Verlegers, führte als Protestantin einen Kulturkampf und setzte sich gegen das Monopol der katholischen Grundschulen und Kindergärten ein", berichtet Dr. Walter Mende. "Die FDP hat in Leverkusen und Köln viel bewegt." Dass er nicht in die Fußstapfen seines Vaters getreten sei, sondern sich lieber der SPD angeschlossen habe, erklärt Mende augenzwinkernd mit einem "Ödipuskomplex". "Ich gratuliere der FDP und wünsche ihr, dass sie bald wieder in den Bundestag kommt", fügt er an.

So sieht es auch Paul Hebbel (CDU). "Die FDP hat Geschichte geschrieben, und sie hatte viele große Persönlichkeiten", sagt er. Nicht umsonst sei in Opladen eine Realschule nach dem ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss benannt, der ein Liberaler war. Erich Mende habe es zum Vizekanzler gebracht. "Zusammen mit der CDU und SPD hat die FDP die Stadtmitte, das Rathausforum und den heutigen Europaring geschaffen."

Dr. Guido Fischer, Vorsitzender des FDP-Kreisverbandes, freut sich auf den heutigen Festabend. "Von Opladen aus gab es vor 70 Jahren das erste Mal einen Zusammenschluss der liberalen Parteien", sagt er. "Hier wurde der Name geboren." Daran wolle man - mit Gastrednern und historischen Dokumenten - im Spiegelsaal von Schloss Morsbroich erinnern.

Quelle: RP
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