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Hochwasser in Leverkusen
Der Rhein macht sich breit - die Touristen auch

Hochwasser in Leverkusen: Der Rhein macht sich breit - die Touristen auch
Spontan-Rettung: Fotograf Uwe Miserius setzte einen auf dem Treibholz gefundenen Maulwurf in angenehmerer Umgebung wieder aus. FOTO: Uwe miserius
Leverkusen. Die erste große Flut des Jahres wird wohl glimpflich ausgehen. Fotografierwütige Besucher gab's dennoch reichlich. Von Gabi Knops-Feiler und Peter Clement

Sie stehen teils in Zweier- und Dreierreihen entlang der Mauer und halten ihre Kameras oder Handys in Richtung Rhein. Auch wenn die erste große Flut des Jahres 2018 Leverkusen vermutlich nicht in größere Bedrängnis bringen wird, so wollten doch Dutzende Hochwassertouristen gestern die Situation vor dem Erreichen des Höchststandes für sich dokumentieren. Auch aus weiter entfernten Städten kamen sie mit ihren Autos nach Hitdorf und postierten sich an verschiedenen Aussichtspunkten.

Dabei hatte die Stadt am Samstag an allen Zufahrtstraßen zum Rhein Barrikaden errichtet. An einigen Stellen wachte zusätzlich Personal über die Zufahrt. Das hielt die Gaffer jedoch nicht ab.

Wolfgang Auweiler - Wachvorsteher bei der Leverkusener Feuerwehr - sah das Thema Fototouristen gestern eher gelassen. "Solange die Leute niemanden stören, sollen sie von mir aus ihre Bilder machen", sagte er. Die städtischen Wachen hätten im übrigen einen noch deutlich ernsteren Hintergrund als nur Hobbyfotografen abzuschrecken: "Es geht dabei vor allem um Metalldiebe", weiß Auweiler: Andernorts seien schon öfter Teile solcher Hochwasserwände abmontiert und gestohlen worden.

Die Rekordmarke von 9,50 Meter des Jahres 1983 wird der Rhein an Kilometer 706,4 in Hitdorf keineswegs erreichen, sagte am Wochenende Stephan Utzelmann, Vorsitzender des Yacht-Clubs Wuppertal-Hitdorf. Dennoch wolle man auf Nummer sicher gehen und den Zugang zum schwimmenden Bootssteg durch ein rund ein Meter hohes Podest aus Holzbohlen erhöhen. Für alle Fälle wurde überdies ein altes Ruderboot leergepumpt, das voller Regenwasser gelaufen war. Es sollte dann zum Einsatz kommen, wenn selbst diese Hilfsmaßnahme nicht mehr greifen würde.

Doch ehe sich rund 15 Helfer mit vereinten Kräften ans Werk begeben konnten, mussten sie erst noch gegen die Treibholzteppiche vorgehen, die sich an den Pontons verfangen hatten. "Das wäre ein schöner Tisch", kommentierte Vereinsmitglied Mark Kanzler, während er den schwimmenden Riesenbaumstamm mit einer langen Stange zurück in die Strömung schob. Würde er das nicht tun, wären die Sperren - ähnlich wie ein von Bibern gebauter Damm - in der Lage, den gesamten Ponton extrem zu belasten. Um größere Schäden wie diese zu verhindern, sind die aktiven Helfer per Internet verbunden und mindestens bis Montag in Rufbereitschaft, um schnell zur Stelle sein zu können.

So negativ das Hochwasser auf der einen Seite für Mensch und Tier auch sein mag, so bot es auf der anderen Seite doch einige Vorteile: Ein Boot, das dem Jugendobmann des Vereins normalerweise als Begleitboot für Segelschüler dient, aber zeitnah ausgemustert werden soll, ließ sich gerade wegen der überschwemmten Wiesen jetzt viel leichter an Land bringen. Und auch die vielen Enten fanden auf dem Rhein sehr schnell und sehr leicht genügend Nahrung.

Die Vereinsmitglieder wären nach der Winterpause regulär erst beim Neujahrsempfang am Sonntag, 14. Januar, zusammengekommen. Dann hätten sie gemütlich zusammen gesessen und mit Sekt auf das neue Jahr angestoßen. Bis dahin dürfte das Hochwasser abgeflaut sein. Und dann können sich die Helfer immerhin auf die gelungene Arbeitsaktion zuprosten.

Davon waren die Mitglieder des benachbarten Yachtclub Leverkusen Hitdorf (YCLH) gestern noch weit entfernt. Sie waren als erste mit 40 ehrenamtlichen Helfern im Einsatz, um ihren Bootssteg vor Treibholz zu schützen. Und sie werden dies wohl auch bis Montagabend noch tun müssen. Die exponierte Lage zum Fluss, ansonsten durchaus schon mal ein Vorteil, wirkt sich in diesem Fall negativ aus.

Gestern knackte der Pegelstand in Köln die Marke von 8,30 Metern. Die Schifffahrt musste eingestellt werden. Das brachte den schon zuvor eingeschränkten Verkehr zwischen Duisburg und Koblenz praktisch zum Erliegen. Da das Regenwetter der vergangenen Tage nachgelassen hat, wird für Anfang der Woche die Trendwende erhofft - erwartet wird, dass der Rhein in Köln sogar unter der Neun-Meter-Marke bleibt.

Dann bliebe der Leverkusener Feuerwehr auch ein weiteres Problem erspart, wie Wolfgang Auweiler betont: "Ab einem gewissen Pegel kommt uns sonst in den Wohngebieten entlang der Dhünn oder Wupper regelmäßig das Wasser in den Häusern hoch."

Quelle: RP
 
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