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Serie Die Oldtimer-Schätzchen Der Leichlinger (3)
Der schöne Italiener mag es gemächlich

Serie Die Oldtimer-Schätzchen Der Leichlinger (3): Der schöne Italiener mag es gemächlich
120 km/h auf dem Tacho, 100 sind drin, aber mehr als 80 muss er nicht. FOTO: Miserius Uwe
Leverkusen. Wolfgang Schmitz fährt einen Fiat 500 F. Aber nur auf kurzen Strecken. Bei längeren Fahrten steigt er um: in den Triumph TR7. Von Roman Zilles (Text) und Uwe Miserius (Fotos)

leichlingen Die erste Liebe vergisst man nie. Auch Wolfgang Schmitz nicht Er machte er sich vor fünf Jahren auf die Suche nach seinem einstigen Schätzchen. Und die war beschwerlich. Nach anderthalb Jahren aber der Volltreffer: "Ein Bekannter hat ihn in der Nähe von Frankfurt entdeckt", erzählt der 68-Jährige, der sich kurz darauf von Leichlingen nach Hessen aufmachte, um seinen Schatz abzuholen: einen Fiat 500 F.

Das war sein erstes Auto, als er Mitte der 1960er den Führerschein machte. Und es war sein erstes Auto, als er vor einigen Jahren in Rente ging. "Man braucht man dann ja eine Beschäftigung." Schmitz Beschäftigung ist knallrot, 3,90 Meter lang, Baujahr 1968, hat ein Faltschiebedach, ein "unsynchronisiertes Vier-Gang-Getriebe und 18 heiße PS". Radio? Fehlanzeige! "Ich finde es schön, das Motorengeräusch bei der Fahrt zu hören - und dass nichts klappert", sagt Schmitz.

Eines der ganz wenigen Extras: eine formschöne Blumenvase. FOTO: Miserius Uwe

Der nicht nur nach heutigen Maßstäben kleine Kleinwagen ist zu seinem Stadtauto geworden. Strecken innerhalb Leichlingens, nach Opladen oder nach Hilgen zum Oldtimer-Treffen am Bahnhof bewältigt er mit dem Italiener. Und nicht nur, wenn es den Berg nach Burscheid hinaufgeht, ist sein Fahrer nachsichtig und geht es gemächlich an: "Theoretisch schafft er 100 km/h. Aber mehr als 80 fahre ich nicht."

Bei längeren Fahrten oder wenn er mal an einer Oldtimer-Rallye teilnimmt, steigt Schmitz um in seinen Triumph TR7. Mit dem 26 Jahre alten englischen Cabrio ist er immerhin doppelt so schnell unterwegs. Mag der Brite dem Italiener auch in vielen Dingen voraus sein (106 PS, fünf Gänge) - in Sachen Schönheit kann er nicht mithalten. Selbst sein Besitzer sagt: "Die Form des Triumph überzeugt mich auch nicht so richtig." Aber dafür ist der Wagen rar. Schmitz: "2010 gab es in Deutschland davon nur 128." Und zuverlässig ist er. In fünf Jahren seien an außerplanmäßigen Ausgaben für den Triumph nur 13,50 Euro angefallen. Und auf noch etwas ist Verlass: "Wie das bei allen englischen Cabrios ist: Auch sein Verdeck ist etwas undicht." Selbst Hand legt der Leichlinger nicht an seine Schätzchen. "Ich will nur fahren. Ich bin kein Bastler." Aber nachdem er ein Berufsleben lang mit Fahrzeugen zu tun gehabt hat, tauscht er sich gerne mit Gleichgesinnten aus - ob in Hilgen oder an diesem Wochenende beim großen Oldtimer-Treffen im hessischen Wettenberg. Auf eines sei er aber nie aus in all seinen Gesprächen: aufs Verkaufen. "Wenn es danach geht", verdeutlicht Schmitz, "hätte ich mit den Fiat schnell ein gutes Geschäft machen können. Denn als ich damals bei Frankfurt losgefahren bin, hat mich gleich bei meiner ersten Pause auf einem Rastplatz jemand angesprochen und gefragt: ,Ist der zu verkaufen?'".

Der "Cinquecento" war so etwas wie der VW Käfer Italiens. FOTO: Miserius Uwe
Quelle: RP
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