| 00.00 Uhr

Leverkusen
"Die Berliner Stadtmusikanten II" - eine großartige Charakterstudie

Leverkusen. Frau Kuh sitzt im Rollstuhl, Herr Wolf trägt Augenklappe und den Arm in der Schlinge, Herr Spatz leidet an Depressionen, und bei Frau Katze hapert's mit dem Gedächtnis. Sie sind alt geworden und hatten gedacht, einen ruhigen Lebensabend im Altersheim "Zum Sonnenschein" zu erleben. Doch da geht längst nicht mehr alles mit rechten Dingen zu, seit die neuen Pfleger im Dienst sind. Die sammeln aus Sicherheitsgründen Wertgegenstände ein und wollen sich alles selbst unter den Nagel reißen. Von Monika Klein

Die Tiere haben sie belauscht, als sie sich nach dem Vorbild der Bremer Stadtmusikanten vor dem Fenster aufeinander stellten. Und wie die berühmten Märchenfiguren von der Weser träumen auch sie von einer letzten Reise in die Stadt, in diesem Fall Berlin. Dort ist das Theater Zitadelle zu Hause, das in dieser Woche mit der Fortsetzung seines Puppen- und Personentheaters "Die Berliner Stadtmusikanten II" bei KulturStadtLev im ausverkauften Forum-Studio zu Gast war. Den Titel dieser Märchenproduktion für Jugendliche und Erwachsene lieferte der Ausspruch von Frau Katze: "Sag mal, geht's noch?" Eine berechtigte Frage angesichts der Zustände im Altersheim von Verwicklungen, alten Feindschaften und der Aufklärung eines Jahrhundertraubs.

Vor allem ist es eine Geschichte über das Miteinander, über Charaktere und Macken, die bekanntlich im Alter immer stärker ausgeprägt sind. Und die lassen sich mit skurrilen, wundervoll gestalteten Figuren besonders gut herauskehren. Und vor allen Dingen tierisch komisch. Denn trotz angesprochener Missstände und menschlicher Unzulänglichkeiten kommt da nichts moralisch herüber, sondern immer mit einer gehörigen Portion Humor. Das Publikum amüsierte sich köstlich über die schlagfertigen Dialoge in dieser liebenswerten Puppen-Komödie. Auch über diverse Kuhlauer, Verzeihung Kalauer, die nicht nur Frau Kuh raushaut.

Vor allen Dingen sind die Figuren dieses Familienbetriebs in besten Händen bei Regine Wagner und ihrem Sohn Daniel Wagner. Vater Wagner sorgt für die zauberhafte Ausstattung. Meisterhaft hauchen sie den Stadtmusikanten, dem Erzfeind Fuchs und dessen Laufburschen - ein mutiger Hase und zwei dumme Schafe - Leben ein und machen sie mit charakteristischen Stimmen zu echten Typen, stehen zudem zwischendurch als Pfleger selbst im Scheinwerferlicht. Mühelos wechseln sie zwischen Rollen und Tonlage, so dass der Spannungsbogen hält.

Ein witziger und warmherziger Abend für das Kind, das in allen Erwachsenen steckt. Und von dem eines zurückbleibt: die Vorfreude auf die versprochene Fortsetzung.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Leverkusen: "Die Berliner Stadtmusikanten II" - eine großartige Charakterstudie


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.