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Leverkusen
Die intime Erforschung von Beziehungen wunderbar getanzt

Leverkusen. Ein eisiger Sturm fegt über die verschneite Ebene. Das signalisieren jedenfalls Ohren und Augen den Besuchern der Tanzvorstellung von KulturStadtLev im Forum Studio. Auf dem Weg zu ihren Sitzplätzen gehen sie dicht vorbei an zwei Eisbären, die es sich auf der glatten weißen Fläche bequem gemacht haben. Der Blauanteil im Licht vermittelt Kälte, verstärkt wird der Eindruck durch den Polarsturm, der aus den Lautsprechern fegt. Von Monika Klein

Tatsächlich liegen die Temperaturen natürlich über 20 Grad. Ganz zu schweigen vom Inneren der Eisbären-Kostüme, in denen die beiden Tänzer wahrscheinlich schon gehörig ins Schwitzen geraten, ohne sich einen Millimeter bewegt zu haben. Wie Licht und Geräusche die Wahrnehmung beeinflussen, versteht auch das Paar, die Zuschauer mit gezielten Bewegungen zu täuschen.

Dieser ersten Szene ging jedenfalls ein genaues Studium der pelzigen Tiere voraus. Und die Ergebnisse dieser Verhaltensforschung flossen in eine Choreografie ein, die ein Eisbärenpaar beim Spielen, Necken, Tollen, Ringen und bei der Fellpflege imitiert. Es ist der Auftakt zu einem Abend, an dem die Beziehung zwischen zwei sich nahestehenden Menschen erforscht und in Bewegungssprache niedergeschrieben.

"Time for us" hat Fabien Prioville dieses abendfüllende Duett überschrieben, das er selbst zusammen mit seiner Frau Azusa Seyama tanzt. Beide verbindet die gemeinsame Arbeit mit dem Tanztheater Wuppertal und mit Pina Bausch, deren Stil das Paar künstlerisch beeinflusst hat. Prioville arbeitet seit 2006 als freiberuflicher Tänzer und Choreograf. In Düsseldorf gründete er seine "Fabien prioville dance company",die seit einigen Jahren mit dem Tanzhaus NRW und internationalen Partnern Kooperationen realisiert, die sich an der Grenze zwischen darstellender Kunst und Multimedia bewegen.

Auf moderne Medien verzichtet "Time for us" allerdings. Diese eher intime Erforschung von Beziehungen braucht nur wenige einfache Requisiten, die in dem überschaubaren Raum funktionieren, wo die Zuschauer ganz dicht am Geschehen sitzen. Und das Gefühl haben, dass sie nicht nur direkt in den Trainingsraum, sondern in die Seelen der beiden Akteure blicken, die auf der Suche nach Nähe, dem Wunsch des Zusammenseins miteinander agieren.

Zauberhafte und manchmal witzige Momente ergeben sich bei der Performance, wenn sie etwa gemeinsam mit dem Fuß eine Pumpe bewegen, die einen goldenen Gymnastikball aufbläst, die langsam wieder entweicht, während er darauf sitzt und mit ihrer Assistenz in Balance bleibt. Wenn sie miteinander ringen oder sich ganz still um sich selbst drehen wie die Puppen auf einer Spieluhr.

Quelle: RP
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