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Leverkusen
Die jungen Löwen lassen es krachen

Leverkusen: Die jungen Löwen lassen es krachen
FOTO: Heinz-Friedrich Hoffmann
Leverkusen. Ausgeflippt, aufgeregt, zopfig - aus dieser Mischung setzten sich die "Jazz Masters" zusammen. Von Olaf Weiden

Sie haben Anfang der 1970er an Bostons berühmtem Berklee-College studiert und nachts in verlassenen Fabriken gespielt: John Scofield und Joe Lovano besitzen eine gemeinsame Erinnerung an diese Zeit. Jetzt spielten sie in ihrem aktuellen Quartett in Leverkusen.

Der Auftakt des Abends der "Jazz Masters" gehörte aber den jungen Löwen, einer vielgelobten und gepriesenen Jugend aus Frankreich. Akkordeonist Vincent Peirani und Sopransaxophonist Emile Parisien beschwören allein durch die Wahl der Instrumente das nationale Kolorit, denn auch der Oldmaster des näselnden Sopranos, Sidney Bechet, machte in Paris Karriere. So basiert die Musik auf einem folkloristischen Sound, den die beiden mit rauschendem Balg und kreischendem Sax in hochdramatische Regionen lenken können. Aber sie können - wie in einer Ellington-Nummer - ebenso flüstern und schweigen; auch Pausen sind Musik, das exerzierte Peirani bereits 2014 in Leverkusen. Mit Noblesse schnörkelt Parisien die Melodien ab, lässt die Wiederholung als Echo erscheinen, intoniert fantastisch. Peirani duckt sich in die Begleiterrolle, imitiert Walkingbass und Jazzgitarre und setzt ein Unisono auf die zarte Melodie. Wenn sie es krachen lassen, dann flippt der Saxophonist auch körperlich aus.

Von Bewegung konnte bei der Kultband Oregon keine Rede sein. Ralph Towner und Paul McCandless prägen den Sound der nach 45 Jahren noch aktiven Gruppe. Die akustische Gitarre und die im Jazz ungewohnte Oboe vermischt mit einer Brise Weltmusik - unwiederbringlich imposant in der Phase mit dem indischen Schlagzeuger Trilok Gurtu - ergaben einen nicht kopierbaren Akustiksound. E-Gitarrensounds, klassische Elemente und zeitgenössische Ströme rütteln und schütteln an der Musik, die von den Quartett-Spielern gern präsentiert wird. Diese etwas zopfigen Klänge passten gut zur Kluft der Band: McCandless Outfit wäre auch zur Kaffee-Tafel von Tante Carlas 92. Geburtstag ein Brüller gewesen.

War bei Oregon Aufregung untersagt, so fegten die Jung-Sechziger Scofield und Lovano die Bühne frei. Mit dem kreativen Drummer Bill Stewart und Bassist Ben Street kredenzten die Protagonisten herrlich gesetzte zweistimmige oder unisono-geführte Themen, um sie in krachenden Improvisationen nieder zu ringen, völlig aus dem Konzept abzuheben, aus dem Röhrenverstärker zu bollern oder aus dem Sax-Rohr zu röhren. Lovano durfte im Sommer bei Ornette Colemans Beerdigung aufspielen - eine große Ehre.

Quelle: RP
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