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Leverkusen
Die letzte Ehre für einsame Menschen

Leverkusen: Die letzte Ehre für einsame Menschen
Neben den Kerzen verströmten auch Luftballons, nachdenkliche Musik und ein bunt bemalter Sarg Wärme bei der ökumenischen Trauerfeier. FOTO: Uwe Miserius
Leverkusen. 64 Leverkusener wurden binnen eines Jahres ohne Familie oder Freunde bestattet. Für sie gab es eine ökumenische Trauerfeier. Von Tobias Falke

Es ist warm in der Kapelle des Friedhofs. Das liegt daran, dass viele Kerzen angezündet sind. Aber im übertragenen Sinne liegt es auch an den vielen Luftballons, die liebevoll platziert sind, der nachdenklichen Musik und dem buntbemalten Sarg. An den Luftballons hängen Namen mitsamt ihren Bedeutungen: Simone - Gott hat gehört; Erich - der Alleinherrschende; Susanne - Die Lilie; oder Monika - Die Beraterin. Das sind nur einige der mehr als 60 Namen. 64 Menschen sind es, um genau zu sein, die in Leverkusen in den vergangenen zwölf Monaten ihre letzte Ruhe ohne Familie oder Freunde fanden. Für ihre Gräber kann oder will niemand mehr aufkommen. Damit auch ihnen die letzte Ehre erwiesen werden kann, findet - seit nunmehr sieben Jahren - eine ökumenische Trauerfeier auf dem Friedhof Birkenberg statt.

Die Stadt trägt für die einzelnen Begräbnisse auf dem anonymen Gräberfeld Sorge. Oberbürgermeister Uwe Richrath berichtet bei der Trauerfeier, dass unter den Toten zwei Leverkusener weit über 90 Jahre alt waren, aber auch vier Personen, die die 50er-Marke noch nicht überschritten hatten. Bei neun Verstorbenen konnte das Todesdatum gar nicht ermittelt werden.

"Das lässt einen nur vermuten, wie unterschiedlich die einzelnen Schicksale sind", sagt Richrath und macht darauf aufmerksam, dass die Trauerfeier auch dafür genutzt werden sollte, sich zu überlegen, was das Leben eigentlich auszeichnet. Vielleicht hätte man so auch mal etwas Zeit für zum Beispiel die alleinstehende ältere Dame in der Nachbarschaft. Kaplan Martin Ostheimer spricht in seiner Trauerrede von einer Hoffnung, die über den Tod hinausgeht. Es sei wichtig, den Menschen und das Leben zu ehren. Deshalb freut es ihn, dass diesmal rund 50 Trauergäste der Einladung gefolgt sind, um in der ökumenischen Andacht den Toten zu gedenken.

Superintendent Gert René Loerken stellte zum einen die Vergänglichkeit des Lebens in den Mittelpunkt. Das Leben sei wie eine Wasserlache, die sich an der Tischkante staue und kurz davor sei, hinunterzufließen. Das würde vielleicht nüchtern, aber dennoch mit Respekt das Leben beschreiben. Dennoch sei Leben das Kostbarste, das Menschen besitzen. Und deshalb solle jeder sich freuen, wenn er einen "Glückstag" habe.

Quelle: RP
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