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Serie Die Oldtimer-Schätzchen
Die Magie des halben Busses

Serie Die Oldtimer-Schätzchen: Die Magie des halben Busses
Funktional: die Tankanzeige. FOTO: Miserius Uwe
Leverkusen. Claudia Gerlach hat sich mit der quietsch-roten Doppelkabine von VW einen Traum erfüllt: "Wenn man mit ihr fährt, hat man automatisch gute Laune". Das Auto wird nun 50 Jahre alt. Von Roman Zilles

Leverkusen Was hätte sie auch anderes tun können, als sich für den Kauf des Autos zu entscheiden? Zwar hatte Claudia Gerlach die weite Fahrt nach Holland mit dem Vorsatz angetreten, "eigentlich nur mal zu gucken". Aber als sie ankam, empfing sie das Fahrzeug mit offenen Armen. Beziehungsweise mit vier offenen Türen. Vermutlich wäre die Probefahrt gar nicht mehr nötig gewesen. Aber der Form halber wurde trotzdem eine gemacht - an ihrem Ende blieb Gerlach lächelnd hinter dem Steuer sitzen, während ihr mitgereister Bekannter Marcus Zepp mit dem Verkäufer schon mal die Formalien in die Wege leitete. Bei dem Objekt der automobilen Begierde handelt es sich um einen VW T1 Doppelkabine, Kurzbezeichnung "Doka".

Dahinter verbirgt sich eine Mischung aus einem VW-Bus mit zwei Sitzreihen und Pritsche. Mit ihrem Kauf erfüllte sich Gerlach einen Kindheitstraum. "Als ich zwölf Jahre alt war, stieg ich in den Camper meiner Tante und habe mich schlagartig verliebt." Aber ein paar Jahre später war das erste Auto dann doch ein Golf, es folgten Ehemann und drei Töchter. "Als dann aber vor fünf Jahren der Leasingvertrag unseres Autos auslief, dachte ich: jetzt oder nie." Und im Internet wartete der Bus, der eigentlich nur ein halber Bus ist, auf sie.

Übersichtlich ohne Schnickschnack: das Cockpit der Doka. FOTO: Miserius Uwe

Der hat 44 PS, wird am 16. September 50 Jahre alt und ist - "bergab und zu dritt" (Gerlach) - bis zu 105 km/h schnell. Zu den charakteristischen Merkmalen zählen etwa die geteilte Windschutzscheibe samt der Ausstellfenster und die Scheibenwischern, die es erfordern, dass man anhält, aussteigt und sie richtig einhakt, bevor man sie einschaltet. Als besondere Extras hat Gerlach zudem neben einer zwei Meter hohen Sonnenblume auch immer ein Ledertuch mit aufgemalten Augen für ihre Frontscheiben dabei, das ihren VW wie ein Auto aus dem Film "Cars" wirken lässt. Vor allem aber habe die Doka Magie. "Wenn man mit ihr fährt, hat man automatisch gute Laune. Wildfremde Leute winken, hupen, strahlen, lachen oder bleiben stehen", sagt Gerlach, die zu einer Minderheit in der Oldtimer-Szene gehört: Allerhöchstens fünf Prozent betrage der Anteil der Frauen, die selbst fahren und schrauben.

Auch im Kreise ihrer "VW-Bekloppten" (Selbstbezeichnung) ist sie das einzige nicht-männliche Mitglied. Zum Kern der Gruppe zählt eine Handvoll Personen mit einem Faible für betagte Volkswagen. Einer davon ist Marcus Zepp, der einen VW Karmann Ghia Typ 14 wieder hergerichtet hat. Gefunden hat er den 1968 gebauten Wagen im Jahr 2000 in einem Hinterhof in Köln-Ehrenfeld: "Drei Reifen waren platt, und Wasser stand im Auto, das halb zugewachsen war."

Claudia Gerlach hat sich sofort in den alten VW verliebt. FOTO: Miserius Uwe

Sieben Jahre und eine nennenswerte finanzielle Kraftanstrengung waren nötig bis zur Zulassung des kirschroten "Hausfrauen-Porsches". So lautet einer der Spitznamen des Fahrzeugs (ein anderer: "Sekretärinnen-Ferrari"). Allerdings gibt es noch eine Parallele zum Autobauer aus Zuffenhausen. Beim Wiederaufbau konnte Zepp viele Teile vom Käfer benutzen. "Einiges allerdings musste ich aufwendig suchen", erzählt der Leverkusener. "Und das lag dann preislich oft auf Porsche-Niveau",

Quelle: RP
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