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Leverkusen
Die neue City C

Leverkusen: Die neue City C
Das Hotel (links) soll 160 Zimmer auf sieben Etagen haben. FOTO: City C Büro
Leverkusen. Aus dem gescheiterten Einzelhandelsstandort soll ein innerstädtisches Wohnquartier mit qualifizierter Nahversorgung werden. Dazu kommen ein Hotel und Büroflächen. Fertigstellung: 2020. Von Ludmilla Hauser

"Wir haben nur einen Aufschlag. Wenn der nicht gelingt, dann bleibt die Immobilie sich selbst überlassen": Gert Geiger, der mit Rainer Häusler seit drei Jahren an dem Projekt "City C" arbeitet, spiegelt mit dem Satz wider, was den ehemaligen Chef der städtischen Gebäudewirtschaft und den ehemaligen Finanzdezernenten, umtreibt: die letzte Chance für den leerstandsgeplagten Gebäudekomplex am bahnhofsnahen Ende der Wiesdorfer City.

Seit gestern liegen der Politik die Pläne des Gespanns Geiger/Häusler vor: Es ist die Zusammenfassung der Arbeit aus hunderten vertraulichen Gespräche mit den früheren 105 teils zerstrittenen Eigentümern der 73 Wohnungen, 36 Büros und den übrigen Gewerbeeinheiten. Vertraulich deshalb, weil rechtlich durch die Teilungserklärung für den Komplex vorgegeben ist, dass alle - auch Gläubiger wie Banken und Sparkassen - dem Vorhaben zustimmen müssen. "Wen nur einer beim Notar nicht unterschreibt, kippt das ganze Projekt", merken Geiger und Häusler zu dem Balanceakt der Verhandlungen an.

Die neue City C aus der Vogelperspektive (links oben Rialto-Boulevard, rechts oben die Sparkasse): Das Glasdach ist weg, es entstehen Sichtachsen und Plätze. FOTO: HPP Architekten, Düsseldorf

Es ist auch das Ergebnis der Arbeit mit dem renommierten Architekturbüro HPP aus Düsseldorf und mit einer Machbarkeitsstudie: "Die besagt: Der Handel ist gesättigt, man sollte hier nicht noch einen neuen Standort eröffnen. 10.000 Quadratmeter Leerstandsfläche werden hier nicht mehr nachgefragt", berichtet Gert Geiger. Rainer Häusler ergänzt: "Die Entwicklung der Einkommen der Familien in Leverkusen liegt unter dem Landes- und Bundesdurchschnitt. Die Aufstocker nehmen drastisch zu, die Kaufkraft nimmt ab."

Gärten könnten auf dem Supermarktdach entstehen. FOTO: City C Büro

Was also tun mit der City C? Das Planer-Duo sieht einen Paradigmenwechsel vor - weg vom Handel, hin zu 94 Wohnungen, einem Hotel, einem Lebensmittelmarkt (einen relativ festen Interessenten dafür gibt es bereits, den Namen nennt das Duo aber noch nicht), ein paar Geschäften und Büros - und offenen Flächen zum Atmen, zum Leben. "Was wir hier vorhaben", betont Rainer Häusler, "ist kein Wolkenkuckucksheim. Das lässt sich bauen."

Der mögliche Blick auf die neue City C von der Friedrich-Ebert-Straße aus. FOTO: City C Büro

Davor steht der Abriss: Bis auf den Bereich Apotheke, Modegeschäft Adler und den vorgelagerten Vodafone-Pavillon werden die ein- und zweigeschossigen Pavillons, die früher von C&A und Woolworth genutzten Gebäude und das Glasdach abgerissen. Die Einzelhandelsfläche von 20.000 Quadratmetern schrumpft so um rund 50 Prozent.

Der Aus- und Neubau: Statt verwinkelter, Ecken soll es klare Gebäudekanten und gut erreichbare Eingänge geben. Die Ein- und Ausfahrtrampen zur Tiefgarage werden überbaut, und auch die Treppenhauszugänge (Zugang Tiefgarage und Diskothek Shadow am Vorplatz zum Rialto-Boulevard) sollen in den Fassadenverlauf der bis dorthin erweiterten Gebäude integriert werden.

Das Hotel soll im Untergeschoss kleine Ladenlokale und eine Fachmarktfläche bieten. Darüber könnten 160 Zimmer auf sieben Etagen entstehen. "Die Lage nah zum Bahnhof ist gut. Das wird in Richtung Budget-Hotel gehen", zitiert Häusler Investoren.

Raum für Dienstleistungs- und Büroflächen soll etwa über dem Pavillon, in dem sich die Apotheke befindet, entstehen, der um zwei auf dann vier Etagen aufgestockt wird.

Die 94 Wohnungen - zwei bis vier Zimmer - werden voraussichtlich zwischen 50 und 120 Quadratmeter groß sein. 78 Wohnungen davon entstehen auf den den Dächern des Lebensmittelmarktes und des Modegeschäfts Adler - als dreigeschossige Gebäude, um eine einheitliche Höhe mit den Häusern an der Friedrich-Ebert-Straße zu erreichen, und mit Dachterrassen. Dazu kommen im Wohnhochhaus 16 Wohnungen auf der ehemaligen Sozialraumetage von Woolworth. Häusler glaubt, dass die Wohnungen gut weggehen: "Anfragen hatten wir schon."

Die Anlieferung an die beiden Märkte soll am Europaring geschaffen werden. Von dort aus ist auch eine neue Dauerparker-Tiefgarage (120 Plätze in den ehemaligen Kaufhäuser-Lagern) zu erreichen.

Die Investoren Häusler: "Wir sind mit mehreren im Gespräch." Hedgefonds kämen nicht in Frage. "Wir suchen jemanden, der dauerhaft die Immobilie hält." In bisherigen Gesprächen kristallisierte sich heraus, dass Fremdinvestoren wegen "der Unauflösbarkeit der Eigentümergemeinschaft Probleme bei der Vermarktung an Endinvestoren" sahen. Das Duo hat begonnen, eine örtliche Bauherrengemeinschaft zu initiieren. "Da das Bauvolumen im mittleren zweistelligen Millionenbereich liegt, ist dieses für einen einzelnen Akteur zu groß, so dass Partner gesucht werden, die das Gesamtprojekt gemeinsam umsetzen." Eine belastbare Vereinbarung soll erarbeitet und am 19. Dezember im Rat diskutiert werden. Bis Ende 2016 wollen Häusler und Geiger weitere rechtliche Grundlagen schaffen, etwa dass alle Eigentümer dem Projekt zustimmen.

Der Bau Ende 2017 könnte der Abriss beginnen. "In der ersten Hälfte 2020 soll das Ganze fertig sein", sagt Häusler. Und Geiger ergänzt: "Aus einer Hinterhofatmosphäre wird jetzt eine Adresse."

Quelle: RP
 
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