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Leverkusen
Die Nibelungen von heute - junger Siegfried als Popstar

Leverkusen. Kreischende Mädchen umringen ihn wie einen Popstar. Sie halten Plakate mit der Aufschrift "Siggi forever" oder "Siggi ich will ein Kind von dir" in der Hand. Alle erliegen dem Charme Siegfrieds, dem attraktiven und starken Königssohn aus Xanten, aber der will unbedingt die schöne Kriemhild, Schwester des Königs von Burgund. Die liegt neben Mutter Ute faul in der Sonne und blättert Illustrierte durch, die immerzu von den Heldentaten des furchtlosen und - wegen seines Bades im Drachenblut - unverwundbaren Jünglings.

Willkommen bei den Nibelungen, bei denen es allerdings gerade so zugeht, als würden die Protagonisten des 800 Jahre alten deutschen Epos im 21. Jahrhundert leben. Und so viel hat sich in puncto Zwischenmenschlichkeit seitdem ja auch nicht geändert. Das machte die muntere und - im positiven Sinne - respektlose Neufassung des Literaturkurses Stufe 12 der Schlebuscher Gesamtschule deutlich mit einer erfrischenden, amüsanten, aber durchaus auch nachdenklich stimmenden Theateraufführung "Nibelungen - Kriemhild kriegt sie alle".

Premiere feierten sie bei den Schul- und Jugendtheatertagen am Donnerstag im Forum-Studio. Humorvoll, ironisch, ja manchmal auch zynisch ist die Textvorlage, die der Kurs zusammen mit Lehrer Jens Reid entwickelt hat. Und dabei hat man auch berücksichtigt, dass die Nibelungensage im Laufe der Geschichte benutzt wurde. Wenn Burgunder-König Gunther in einer flammenden Rede an seine Gefolgsleute plötzlich das "R" rollt und die Stimme verändert, ist die Anspielung schnell klar. Mit "Nibelungentreue" ehrte Hermann Göring den Opfern der verheerenden Schlacht um Stalingrad.

Gespielt wurde temporeich und mit selbstbewusster Bühnenpräsenz. So riss wirklich an keiner Stelle der Spannungsfaden, auch wenn die lange Geschichte, die in einer blutigen Schlacht endet, mitunter gerafft und vorgespult werden musste. Eine Erzählerin fasste das Wesentliche zusammen, unterhaltsam und mit einer gewissen Distanz. Größtenteils wurde die Geschichte in die Sprache der heutigen Jugend übersetzt. Großprojektionen auf der Bühnenrückwand zauberten die wechselnden Orte herbei. Ein witziger und zugleich tiefsinniger Theaterabend.

(mkl)
 
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