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"Die Politik macht den Strom teurer"

"Die Politik macht den Strom teurer"
"Tatsache ist: Am Strom verdienen wir kaum noch etwas" FOTO: Miserius Uwe
Leverkusen. Rolf Menzel, Geschäftsführer der Energieversorgung Leverkusen, über die Entwicklung des Strompreises. Von Peter Clement

Leverkusen Er wollte die "Kostendynamik bei der Energiewende" durchbrechen - und die Ökostromumlage mittels Reformpolitik dauerhaft absenken. Doch jetzt muss Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) zusehen, wie diese Umlage wieder steigt. Berechnungen nach schon 2017 von nun 6,35 auf 7,1 bis 7,3 Cent pro Kilowattstunde. Zahlen müssen das die Verbraucher - EVL-Chef Rolf Menzel verrät, warum ihn das so ärgert.

Sie haben sich in der Vergangenheit mehrfach kritisch über sogenannte politische Strompreise geäußert. Die Ökostrom-Umlage ist wieder so ein Fall. Was genau bringt Sie daran auf?

menzel Es ist nicht so sehr die einzelne Maßnahme, als vielmehr das System dahinter. Wir sind mittlerweile an einem Punkt, wo wir als örtlicher Stromversorger gerade noch 21 Prozent des Strompreises mit unserer Geschäftspolitik beeinflussen können. Knapp 25 Prozent entfallen auf die staatlich festgesetzten Netzentgelte. Und der größte Batzen geht für Steuern, Abgaben und Umlagen drauf: 54,1 Prozent. Der Verbraucher sieht am Ende aber nur: Strom wird teurer, also muss der örtliche Anbieter schuld sein.

Wird Strom denn wirklich teurer?

Menzel Dadurch, dass sich auch die Netznutzungsentgelte verändert haben, gibt es eine Art Zweiteilung. Der Grundpreis ist gestiegen, der Arbeitspreis dagegen gesunken. Das führt momentan dazu, dass jemand, der vergleichsweise viel Strom verbraucht, weniger bezahlt. Für Kunden, die nicht viel Strom verbrauchen, ist es etwas teurer. Aber auch das haben wir nicht zu verantworten. Tatsache ist: Am Strom verdienen wir kaum noch etwas.

Wie reagieren Sie denn darauf?

Menzel Wir akquirieren keine Großkunden mehr außerhalb Leverkusens. Um das mal zu verdeutlichen: Wir haben uns bei einem Unternehmen mit etwa 120.000 Euro Umsatz eines Liefervertrages am Ende über 1880 Euro auseinandergesetzt. Anbieter wie EnBW haben die Großkundensparte ganz abgeschafft. Wir freuen uns, dass vor allem die Privatkunden in Leverkusen uns die Treue halten und wir ihnen begreiflich machen können, dass sie mit uns als Anbieter am besten fahren.

Aber andere sind günstiger als Sie ...

Menzel Nicht günstiger, bestenfalls billiger, und das auch oft nur auf den ersten Blick. Im Strommarkt herrscht zurzeit ein gigantischer Verdrängungswettbewerb. Das bedeutet, manche Anbieter werben mit Preisen, mit denen sie eigentlich Verlust einfahren würden, die aber dazu dienen, Konkurrenten das Geschäft kaputtzumachen. Dabei wird nicht selten mit Tricks gearbeitet, die die Kunden am Ende doch noch teuer zu stehen kommen. Ein Beispiel: Im ersten Vertragsjahr ist der Strompreis tatsächlich ausgesprochen billig, im Kleingedruckten steht jedoch, dass er im zweiten Jahr deutlich ansteigt. Solche Verträge werden dann gerne auch mal an der Haustür abgeschlossen - vorzugsweise bei älteren Mitbürgern.

Und Sie müssen einfach zuschauen?

Menzel Tun wir nicht. Wann immer wir von unseriösen Geschäftsaussagen erfahren, beantragen wir eine Unterlassungserklärung. Und wir scheuen auch keine Prozesse: Die letzten drei beispielsweise haben wir ausnahmslos gewonnen.

Warum sollten Leverkusener EVL-Kunden bleiben?

Menzel Weil sie uns persönlich aufsuchen und ihr Anliegen schildern können - etwa im City Point in Wiesdorf -, statt in einer Hotline-Warteschleife zu versauern. Weil wir nicht nur günstige Angebote machen, sondern mit unseren Experten aus Technik und Vertrieb auch den Service liefern. Und weil wir nicht zuletzt als Sponsor in der Leverkusener Bevölkerung und dem Leverkusener Vereinsleben fest verankert sind. Jüngster Beweis ist unsere EVL-Card, die wir all unseren Kunden kostenlos zukommen lassen und die in vielen Bereichen des täglichen Lebens gute Rabatte garantiert, unter anderem bei Heimspielen von Bayer 04.

Quelle: RP
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