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Leverkusen
Die schönste Feuerwache in Leverkusen

Leverkusen: Die schönste Feuerwache in Leverkusen
Das Gebäude der Freiwilligen Feuerwehr Wiesdorf steht unter Denkmalschutz. FOTO: Miserius, Uwe
Leverkusen. Das alte Gebäude der Freiwilligen Feuerwehr in Wiesdorf ist nicht mehr zeitgemäß und zu eng geworden: Ein Neubau soll demnächst helfen. Wir haben uns in dem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude umgesehen. Von Gabi Knops-Feiler

Sicher, das Gebäude ist alt und genügt schon lange nicht mehr den modernen Bauvorschriften. Doch "es hat Geschichte und Charakter", sagt Monika Kordes, Brandinspektorin und Vertreterin der Belange der Wiesdorfer Freiwilligen Feuerwehr. "Es ist das schönste Feuerwehrhaus von ganz Leverkusen", meinen gar die Feuerwehr-Kameraden um Zugführer Tim Kanzler. Die Rede ist vom denkmalgeschützten Feuerwehr-Gerätehaus an der Moskauer Straße.

Charme hin, Flair her: Als Wache ist das Gebäude nicht mehr zeitgemäß. Und außerdem zu klein. "Wir klappen die Spiegel unserer beiden Einsatzfahrzeuge ein, damit wir überhaupt durch die Garagentore kommen", sagt Kordes.

% Brandinspektorin Monika Kordes freut sich auf den Umzug der Freiwilligen Feuerwehr Wiesdorf - auch wenn das alte Gebäude an der Moskauer Straße Charme besitzt. FOTO: Miserius Uwe

Anders sah das bei der Brandbekämpfung anno 1910 aus, als das Gebäude mit den markanten Holztoren und dem rund 14 Meter hohen Schlauchturm inklusive Trocknungsapparat feierlich eingeweiht wurde. Ein Blick in die Annalen zeigt, dass 1846 erstmals ein Etat von fünf Talern für die Unterhaltung von Löschgeräten zur Unterstützung der Wiesdorfer Feuerwehr bereitgestellt wurde.

Nachdem die Löschtruppe eine Spritze als Geschenk erhielt, übergab man das kostbare Hilfsmittel einer Frau Engels, die in der Doktorsburg am Büchelter Hof wohnte und die es "in einem verschlossenen, trockenen Stall" unterstellte, so ist es im Festheft zum 100-jährigen Löschzug-Bestehen nachzulesen.

FOTO: Miserius Uwe

Als "Oberhaupt der Spritze" wurden ihr sechs Männer als Bedienungsmannschaft zugeteilt. Bei der ersten Generalversammlung der "Freiwilligen Feuerwehr Wiesdorf" am 19. August 1900 traten 31 Männer in die Wehr ein (der monatliche Beitrag betrug 25 Pfennig) und verbrachten viele gesellige Stunden miteinander - die Gründung des Spielmannszuges der Freiwilligen Feuerwehr 1912 war dafür ein Beispiel. 1920 wurde erstmals der Begriff Löschzug I für Wiesdorf verwendet. 1935 erhielt die Feuerwehr den Namen "Feuerlöschpolizei" und wurde nach Ausbruch des Krieges zeitweilig sogar als "Luftschutzpolizei" bezeichnet.

Bis heute haben die Freiwilligen unter dem Motto "Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr" oft ihr Leben aufs Spiel gesetzt. Etwa, als 1985 ein mit Chemikalien beladener Eisenbahnwaggon brannte, 1992 ein Feuer in der Behindertenheimstatt in der Dhünnstraße wütete, 1996 ein Pkw in einer Wiesdorfer Tiefgarage erst nach Einsatz einer Spezialkamera gelöscht werden konnte oder 1998 an der Nobelstraße ein Dachstuhl ausbrannte und die Gefahr bestand, dass das Feuer auf Nachbarhäuser übergriff.

FOTO: Miserius Uwe

Seit geraumer Zeit kann die Wiesdorfer Feuerwehr mangels Personal nicht mehr agieren. Neun Leute haben sich deshalb den Rettern aus Bürrig angegliedert. Läuft alles nach Plan, ändert sich spätestens ab 2019 ohnehin alles beim Löschzug Wiesdorf. Denn nicht nur das Gebäude an der Moskauer Straße, sondern auch die im Jahr 1970 bezogene Hauptwache an der Stixchesstraße ist zu klein und entspricht nicht den Anforderungen einer Berufsfeuerwehr. Sobald der Neubau der Feuerwehrzentrale in Wiesdorf fertig ist, zieht die Freiwillige Feuerwehr Wiesdorf mit ein.

"Die Zusammenarbeit war meine Idee", sagt der Leiter der Berufsfeuerwehr, Hermann Greven. "Wir können die Lage und den Zustand an der Moskauer Straße nicht ändern. Da das neue Grundstück ebenfalls im Bereich Wiesdorf liegt, sind Bündelung von Synergien und stärkere Einbindung der Freiwilligen Feuerwehr sinnvoll."

Monika Kordes, die neben ihrem Beruf als technische Betriebswirtin bei Currenta im Schnitt 15 Stunden pro Woche Dienst leistet, sieht das ähnlich. "Wir versprechen uns von dem Umzug endlich mal Räume, die vernünftig ausgestattet sind. Wir wollen keinen Luxus-Bau. Aber wenn man an einem Ort so viel Zeit verbringt, will man auch ordentlich leben." Zudem ist die Hoffnung groß, endlich mehr Leute zu bekommen. Selbst wenn Kordes dem Umzug mit gemischten Gefühlen entgegen sieht, freut sie sich auf eines: "Endlich mal vernünftig duschen nach dem Einsatz."

Quelle: RP
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