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Leverkusen
Die Sekretärin des Bayer-Chefs
Leverkusen: Die Sekretärin des Bayer-Chefs
Dr. Marijn Dekkers FOTO: Miserius, Uwe
Leverkusen. Chefsekretärinnen bearbeiten nicht nur Korrespondenz, nehmen Telefonate entgegen oder kopieren. Sie sind vor allem Organisationstalente. Wie Rebekka Beuth. Ihr Chef ist Bayer-Vorstandsvorsitzender Dr. Marijn Dekkers. Von Peter Korn

Es gibt Momente, da raubt ihr Chef Rebekka Beuth den Schlaf – auch wenn er gar nichts dafür kann. So wie im April 2010, als der isländische Vulkan Eyjafjallajökull ausbrach und seine Vulkanasche den Flugverkehr in weiten Teilen Nord- und Mitteleuropas lahmlegte. Damals befand sich Bayer-Vorstandsvorsitzender Dr. Marijn Dekkers gerade in den USA (Miami), und seine Sekretärin musste von zu Hause aus versuchen, für ihn einen Platz im Flugzeug zu finden. An die Szene erinnert sie sich noch genau: "Ich saß im Schlafanzug, in der einen Hand mein Handy, in der anderen das Festnetztelefon, auf dem Schoß mein Laptop, und habe stundenlang mit Fluggesellschaften telefoniert. Am Ende hat es geklappt."

Interview mit Kolleginnen

Nur eine von zahlreichen Herausforderungen, denen sich die Leverkusener Chefsekretärin stellen muss – so wie auch ihre Kollegin Ulrike Poser, die für Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner arbeitet, und Mirjam Schönfeld, ohne die Komiker Helge Schneider wohl aufgeschmissen wäre.

Die drei haben jetzt gemeinsam dem Magazin der "Süddeutschen Zeitung" ein Interview gegeben und dabei spannende Einblicke in ihren Alltag gewährt. Für Rebekka Beuth, die seit 2010 das Vorzimmer des Bayer-Chefs managt, war es zwar eine Überraschung, als sie gefragt wurde, "aber ich habe mich spontan zum Mitmachen entschlossen", wie sie gegenüber unserer Zeitung gestern versicherte: "Ich engagiere mich schon seit längerer Zeit für unseren Berufsstand. Dies schien mir eine gute Gelegenheit, mit einigen der Vorurteile aufzuräumen, die viele Menschen gegenüber Sekretärinnen haben. Ich denke, wir haben dieses Kaffee-Koch-Klischee einigermaßen zerstört."

Und wie: Die studierte Betriebswirtin, 1979 geboren, spricht nicht nur Englisch, Französisch und Italienisch – sondern auch Klartext. Im Interview berichtet sie unter anderem, wie sie in der Post wichtige Anliegen von unwichtigen schnell unterscheidet: "Ich lese immer zuerst die letzten Zeilen, denn da steht, was der Absender eigentlich will." Aber auch, dass sie Angst hat, vertrauliche Mails – etwa Mitarbeiterbeurteilungen – an den falschen Empfänger zu schicken, auch wenn das zum Glück noch nie passiert sei. "Bei einer Reise habe ich mal die Abflugzeit und die Ankunftzeit verwechselt", sagt sie beispielsweise: "Da musste der Fahrer dann stundenlang am Flughafen warten – zum Glück nur er und nicht der Chef."

Normalerweise steht der im Mittelpunkt. Wie war es, auf einmal selbst Gegenstand des Medieninteresses zu sein? Rebekka Beuth antwortet offen auf die Frage unserer Zeitung: "Ich hatte noch nie ein Interview gegeben – deshalb war es spannend und interessant gleichermaßen. Außerdem habe ich jetzt großen Respekt gelernt vor Leuten, die regelmäßig interviewt werden. Es ist nicht immer einfach, spontan auf detaillierte Fragen die richtigen Antworten zu finden."

Doch auch von ihren beiden Kolleginnen habe sie etwas gelernt: "Beide sprachen – ebenso wie ich – vollkommen begeistert von Ihrem Job; beide hatten jedoch ursprünglich ein anderes Berufsziel. Auch dies könnte meiner Meinung nach wiederum mit dem sich hartnäckig haltenden Klischee der kaffeekochenden und diktataufnehmenden Sekretärin zusammenhängen."

Kaffee serviert Rebekka Beuth ihrem Chef natürlich trotzdem: "Wäre auch zu teuer, wenn er das selber macht."

Quelle: RP
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