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Aylin Dogan
"Die SPD muss mehr kommunizieren"

Aylin Dogan: "Die SPD muss mehr kommunizieren"
Mit der 26-jährigen Rechtsanwältin Aylin Dogan aus Opladen als neuer Vorsitzenden vollzieht auch der SPD-Unterbezirk einen Generationswechsel. FOTO: päschke
Leverkusen. Die neue Vorsitzende der Leverkusener Genossen zeigt im Interview Profil. Die 26-Jährige hat sehr genaue Vorstellungen. Von Peter Clement

Opladen Schon die Termin-Absprache ist erfrischend unkompliziert. Auf die Frage, ob sie für ein Interview zur Verfügung steht, sagt die am Wochenende gewählte neue Leverkusener SPD-Vorsitzende Aylin Dogan: "Ich sitze im Auto, ich kann in zehn Minuten bei Ihnen sein."

Wenig später redet die 26-jährige Rechtsanwältin aus Opladen bereits über ihre Ziele und ihr neues Amt - und man kann sich des Eindrucks nicht erwehren: Es ist absolut interessant, ihr zuzuhören.

Frau Dogan, Sie sind am Samstag mit 60 von 83 möglichen Stimmen zur Vorsitzenden gewählt worden. Und schon kommen die ersten Kritiker, die bemängeln, das sei ja nicht gerade ein überwältigender Vertrauensbeweis. Wie gehen Sie damit um?

Dogan Ja, es stimmt. Ein überwältigendes Votum ist das nicht, aber das ist Demokratie. Auf der einen Seite wollen wir einen Generationenwechsel, auf der anderen Seite wird das Format einer jungen Vorsitzenden in Frage gestellt. Das passt nicht zusammen. Aus meiner Sicht ist das Alter weder Qualifikation noch Makel. Entscheidend sind Führungsqualität und politische Kompetenz. Ich will all jene, die mich vielleicht jetzt noch kritisch beobachten, durch meine Arbeit überzeugen.

Da haben Sie aber einiges vor der Brust: Immerhin steht die Bundestagswahl an - und man kann nicht behaupten, dass der Wähler-Trend zur Zeit ein Genosse wäre . . .

Dogan Ich bin nicht SPD-Bundesvorsitzende, sondern Chefin des Stadtverbandes. Und als solche ist mir die Schnellebigkeit von Trends zwar bewusst, - ich weiß aber auch, dass unser Bundestags-Abgeordneter Karl Lauterbach gerade im Kampf um die Erststimmen in seinem Wahlkreis immer unglaublich stark ist. Im Übrigen auch gegen den Bundestrend. Meine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass er von uns im Wahlkampf die bestmögliche Unterstützung erhält. Und glauben Sie mir: Die wird er bekommen!

Trotzdem wird man das Gefühl nicht los, dass sich immer mehr Menschen von der SPD abwenden. Die Landtagswahl spricht Bände, und aus der Politik mehren sich auch die kritischen Stimmen am SPD-Oberbürgermeister Uwe Richrath.

dogan Dann sprechen Sie mal mit der Bevölkerung. Ich wage zu behaupten, dass es bisher keinen Oberbürgermeister in unserer Stadt gab, der gerade auch bei den einfachen Leuten so beliebt ist. Er geht bewusst auf die Vereine zu, hält Bürgersprechstunden ab und zeigt einfach jedem, dass er ihn und seine spezielle Problematik ernst nimmt.

Und Sie meinen, das reicht, um Wahlen zu gewinnen?

dogan Das habe ich nicht gesagt. Ich will nur betonen, dass man die Bürger in den Entscheidungsprozessen mitnehmen muss und das versteht Uwe Richrath auf beeindruckende Art und Weise. Natürlich brauchen Sie zudem ein schlüssiges Programm, aber auch das haben wir. Ich persönlich bin seit 2014 Mitglied im Kinder- und Jugendhilfeausschuss. Daher liegt mir der Bildungsbereich und dort besonders die Lösung der Kindergartenplatz-Problematik natürlich besonders am Herzen.

Dass junge Leute Parteiarbeit machen, ist heute nicht mehr selbstverständlich. Was hat Sie dazu bewogen? Gibt es vielleicht auch einen SPD-Prominenten, der Ihnen die Entscheidung leichter gemacht hat?

dogan Die Durchsetzungskraft von Gerhard Schröder und die Politik eines Willy Brandt . . .

Schröder, der "Genosse der Bosse", wie es damals hieß: Da stellt sich die Frage, ob Sie die SPD überhaupt noch als Partei des kleinen Mannes sehen...

dogan Selbstverständlich ist sie das. Mein Vater ist mit 15 Jahren aus der Türkei nach Deutschland gekommen, hat hier sein Leben lang hart gearbeitet. Unsere Familie hat immer SPD gewählt und ist gut damit gefahren. Abgesehen davon zeigt doch unser Kanzlerkandidat Martin Schulz mit seinem Programm für mehr soziale Gerechtigkeit in Deutschland, wie stark die SPD gerade im Kampf für die Rechte der einfachen Leute ist.

Sie müssen sich jetzt selbstverständlich erst einmal in Ihr neues Amt einarbeiten, dennoch sei schon jetzt die Frage erlaubt: Wo muss die Leverkusener SPD denn in Zukunft besser werden?

Dogan Wir müssen deutlich mehr kommunizieren, sowohl untereinander, als auch nach außen. Das ist jetzt aber nicht ein Versäumnis von der SPD in Leverkusen, sondern ergibt sich als logische Konsequenz aus dem Ergebnis der Landtagswahl. Fast überall in NRW haben wir Sitze im Landtag verloren. Da ist es besonders wichtig, gut vernetzt zu sein, um weiter schlagkräftig zu bleiben.

Quelle: RP
 
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