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Postskriptum Diese Woche In Unserer Stadt
Die Stadt braucht diese Brücke - und zwar jetzt

Leverkusen. Brücken sollen verbinden, doch die neue Leverkusener Rheinbrücke teilt die Stadt. Das zeigte sich erneut beim Spatenstich für das Großbauprojekt am Kölner Rheinufer. Während der Landesverkehrsminister, zwei Staatssekretäre und die Chefin von Straßen.NRW vor 200 geladenen Festgästen in einem eigens errichteten Zelt die Spaten in die Hand nahmen, sorgten rund 40 Demonstranten für so viel Protest-Lärm, dass sich die Festgemeinschaft nicht mehr vor das Zelt traute. Von Bernd Bussang

Auch Oberbürgermeister Uwe Richrath soll im Vorfeld des Ereignisses, auf das so viele vom Stau genervte Autofahrer sehnsüchtig gewartet hatten, darauf gedrängt haben, den Spatenstich bloß nicht auf Leverkusener Seite zu vollziehen. Eine vorherige Demo von Brückengegnern mit rund 5000 Teilnehmern, darunter viele Bayer-04-Fans, hatte gezeigt, wie sehr das Thema die Menschen aufrüttelt.

Ihre Sorgen sind berechtigt, ihr Protest ist nachvollziehbar. Richtig bleibt: Der Eingriff in die Deponie in der Dhünnaue ist gefährlich. Ein Vorgang ohne Muster, eine Operation am offenen Herzen, von der niemand mit Gewissheit sagen kann, wie sie ausgeht. Und ja, die Emissionsbelastungen für die Chemiestadt werden durch den Brückenbau nicht geringer, sondern kurzfristig noch steigen, und das bleibt eine tägliche Zumutung für eine ohnehin schwer belastete Stadt, die das Leverkusener Kreuz auf ihrem Rücken trägt.

Doch was ist die Alternative? Ein langer Tunnel, wie er von den Initiativen, den Grünen und dem SPD-Bundestagsabgeordneten Karl Lauterbach befürwortet wird. Ein Tunnel, für den ein erneutes Planverfahren durchlaufen werden müsste, von dem noch unklar ist, was er kostet und wer die Kosten dann trägt.

Wäre etwa ein sofortiger Stopp des Brückenbaus ein Ausweg? Nein, das wäre er nicht. Der Brückenbau ist notwendig, und zwar jetzt. Das Risiko, bei täglich 130.000 Fahrzeugbewegungen auf einer maroden Brücke weitere Zeit zu verlieren, ist nicht hinnehmbar. Die Leverkusener Brücke darf nicht auf Dauer das Symbol einer verfehlten Verkehrspolitik bleiben, die Menschen dürfen nicht länger durch Unfälle gefährdet und durch Staufahrten belastet werden. Die Stadt, die nun mal an einer europäischen Verkehrsader liegt, braucht so schnell wie möglich einen flüssigen Transit - und dann den kurzen Tunnel.

Der Straßenbetrieb hat immer wieder umfassend über sein Projekt informiert und tut es weiter. Das Planfeststellungsverfahren ist rechtsgültig. Der Leverkusener Stadtrat hatte mit großer Mehrheit für die Brückenlösung votiert. Nun also wird gebaut. Straßen.NRW hat angekündigt, den ersten Brückenabschnitt bis Ende 2020 vollenden zu wollen. Das ist ehrgeizig. Elfriede Sauerwein-Braksiek, Direktorin des Straßenbaubetriebs, drückt nun aufs Tempo. Mit Bauunternehmen vereinbarte Vertragsstrafen sollen Zeitverzug verhindern. Doch darf dies keinesfalls auf Kosten der Sorgfalt gehen.

Die Verantwortlichen wissen das. Die Landesregierung und ihr Baubetrieb werden sich weiterhin Proteste und kritische Fragen von besorgten Bürgern gefallen lassen müssen. Dass der Spatenstich im Zelt auf Holzboden erfolgte, sollten Optimisten als gutes Zeichen sehen: Feste auf Holz klopfen, es muss alles gut gehen.

Quelle: RP
 
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