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Leverkusen
Die Trendwende am Lehrstellenmarkt ist geschafft

Leverkusen. Handwerkskammer Köln zieht eine positive Bilanz. Chef Weltrich prognostiziert Umsatzwachstum für 2016. Von Siegfried Grass

"Wir können eine sehr positive Bilanz ziehen", blickt Ortwin Weltrich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer zu Köln, die auch die beiden Großstädte Leverkusen und Bonn umfasst, zufrieden auf das Jahr 2015. Und verbindet das gleich mit einem optimistischen Ausblick: "Das Handwerk in der Region wird 2016 ein Umsatzwachstum von 1,8 bis zwei Prozent erreichen können."

Seine Zuversicht kann die Kammer, die zum Jahreswechsel genau 33.636 Mitgliedsbetriebe vertritt, mit vielen Zahlen belegen - einschließlich einer Trendwende am Lehrstellenmarkt. Nach mehrjährigem Rückgang ist die Zahl der Ausbildungsverhältnisse um 2,4 Prozent auf 12.864 gestiegen. Nach Weltrichs Einschätzung hat sich die Werbung um Abiturienten gelohnt, denen das Handwerk den Sprung in die Selbstständigkeit ermöglicht. Bereits fast jeder fünfte "Lehrling" (genau: 19 Prozent) hat das Abiturzeugnis in der Tasche; 2010 waren es erst sechs Prozent.

Während die Industrie- und Exportnation Deutschland sich derzeit Sorgen um die Weltkonjunktur macht, profitieren die bodenständischen Handwerker von der verbesserten Kaufkraft der privaten Haushalte im Inland, von niedrigen Öl- und Benzinpreisen, den steigenden Renten und der Ausweitung der Beschäftigung sowie den schnelleren Verwaltungsverfahren und den Wohnungsbauprogrammen in den drei wachsenden Großstädten. Einzige Einschränkung: die ohnehin schon problematische Verkehrssituation bereitet Sorgen.

Ja es könnte für das Handwerk sogar noch besser laufen, wäre da nicht der Mangel an Fachkräften. Gerade in den technischen Berufen rund um Kraftfahrzeug (Mechatroniker!) und den Bauberufen fehle es an Meistern und Gesellen.

Wenn die Zahl der Betriebe in den zulassungspflichtigen Handwerksberufen (Meisterbetriebe) um 85 auf 17.972 zurückgegangen ist, so ist das ein Indiz für die gute Beschäftigungslage. Als vor einigen Jahren die wirtschaftliche Lage nicht so rosig war, hielten sich viele Betriebe mit der Einstellung von Personal zurück; viele Meister sahen die Selbstständigkeit als Ausweg. "Insofern hat das Motiv, mit der Existenzgründung der Arbeitslosigkeit entgehen zu wollen, inzwischen an Bedeutung verloren", klärt Weltrich auf.

Das Wachstum für das Handwerk in den nächsten Jahren könne sich durch die fortschreitende Digitalisierung ergeben. Eine Voraussetzung dafür sei die bessere Breitbandversorgung. Ein weiterer technischer Unternehmensberater für die Digitalisierung des Handwerks hat die Kammer bereits eingestellt.

Die Handwerkskammer Köln umfasst das Gebiet von Leverkusen bis Bonn, zulassungspflichtige Handwerke: 17.972, freie Handwerke (z.B. Fliesenleger, Gebäudereiniger): 9.215; handwerksähnliche Betriebe (z.B. Kosmetikerin, Bestatter): 6.448. Zusammen: 33.636 Mitgliedsbetriebe, 300 mehr als im Vorjahr. Diese repräsentierten 2015 einen Umsatz von 16,4 Milliarden Euro (ein Plus von zwei bis 2,5 Prozent).

Quelle: RP
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