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Leverkusen
Die unglaubliche Fluchtgeschichte des Zekarias K.

Leverkusen. Die Frage, ob er das alles noch einmal machen würde, beantwortete Zekarias Kebraeb mit einem klaren "Nein". Und doch sagt er, dass es richtig war, im März 2002 alles stehen und liegenzulassen und aus seiner Heimat Eritrea zu fliehen. Vier Jahre dauerte seine Odyssee über den Sudan, die Sahara und das Mittelmeer bis nach Sizilien. Vier Jahre mit schrecklichen Erlebnissen und Todesangst. Doch die Alternative wäre schlimmer gewesen. Von Monika Klein

Dableiben hätte bedeutet, nach dem Abitur zum Militärdienst eingezogen zu werden - lebenslang. Er aber wollte frei sein und ein selbstbestimmtes Leben führen. Als unerschrockener 17-Jähriger hat er sich auf den Weg gemacht. Wie mutig, vielleicht auch naiv das war, konnte er erst später ermessen. Er habe es durch die Wüste und übers Mittelmeer geschafft und verspüre heute als 29-Jähriger Angst bei einfachen Entscheidungen wie Wahl von Studienfach oder Praktikumsstelle, erzählt er.

Was Militär im totalitären Regime von Eritrea bedeutet, erklärte er Schülern und Besuchern in der Marienschule, wo er diese Woche zwischen den Stationen Potsdam und München Halt machte, um aus seinem Buch "Hoffnung im Herzen, Freiheit im Sinn" vorzulesen. Darin hat er seine unglaubliche Geschichte aufgeschrieben. Seit das Flüchtlingsthema zum Dauerbrenner wurde, bekommt er viele Interviewanfragen und war bereits in zahlreichen Talkshows zu Gast. Er nimmt jede Einladung an, die in seinen Terminkalender als Student des Fachs "Internationale Beziehungen" in Äthiopien passt. Der sympathische junge Mann spricht hervorragend Deutsch und seine Zuhörer bei dieser Veranstaltung der ökumenischen Reihe Opladener Gespräche hingen ihm an den Lippen. Militär sei in dem kleinen afrikanischen Land kein Wehrdienst nach europäischem Muster, sondern Sklavendienst. In den Lagern 300 Kilometer außerhalb der Hauptstadt Asmara seien Menschenrechtsverletzungen und Folter an der Tagesordnung.

Zekarias Kebraeb erbat sich von einem älteren Bruder, der in England studiert, Geld für die Flucht, ohne sein Vorhaben mitzuteilen.

Auch die Mutter, die er mit zwei Geschwistern in Eritrea zurückließ, ahnte nichts. Mit Schleppern schaffte er es über die Grenze nach Äthiopien, lebte als Illegaler in einem Lager mit zwei Millionen Flüchtlingen und entschied nach einem halben Jahr: So kann es nicht weitergehen. Bei der Tour durch die Sahara Richtung Libyen hätten die Schlepper ihn bald draufgehen lassen. Und das war erst der Anfang einer Kette unglaublicher Erlebnisse. Trotzdem sagte Kebraeb vorher im Gespräch: "Meine Geschichte ist wie Kindergarten, verglichen mit dem Schicksal vieler Flüchtlinge heute." Verbessert habe sich aber das Verständnis hier, die große Hilfsbereitschaft der Bevölkerung.

Auch die gesetzlichen Bedingungen machten es den Flüchtlingen in Deutschland heute leichter.

Quelle: RP
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