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Bergisch Neukirchen
Die Volksbühne wird 70 Jahre

Bergisch Neukirchen. "Den Menschen zur Freude" - das gilt seit 1946 für Erwin Fritz und seinen Verein, die Volksbühne Bergisch Neukirchen. Der Gründer hat doppelten Grund zum Feiern: Er wird morgen 90 Jahre alt. Von Monika Klein

Als Erwin Fritz 1946 die Volksbühne Bergisch Neukirchen gründen wollte, hatte er ein Problem: Er war zu jung. Drei Tage vor dem amtlichen Eintrag bei der Militärregierung am 17. April war er gerade 20 Jahre alt geworden und damit noch nicht volljährig. Sein Schwager half aus und unterschrieb für ihn. Nach einem Jahr habe er sich dann verabschiedet. "Der hatte keine Lust am Theaterspielen, aber das richtige Alter", erzählt Erwin Fritz, der Urvater einer Dynastie von Theaterleuten. Auch wenn im Laufe der Jahre immer mal neue Mitglieder von außen dazu kamen - wie Geschäftsführerin Helga Schleimer, die dem Verein seit ihrer ersten Rolle im Weihnachtsmärchen die Treue hielt - irgendwie sind die meisten Mitglieder verbandelt, verwandt, verschwägert, zumindest aber befreundet. Theaterspielen verbindet.

Vor allem wenn man einem Verein angehört, dessen Motor so unermüdlich eine Produktion nach der anderen antreibt und andere mit seiner Begeisterung ansteckt. Getreu seinem Vereinsmotto: "Den Menschen zur Freude". Morgen, 14. April, feiert Erwin Fritz seinen 90. Geburtstag, den fünften im endgültigen Ruhestand als Theaterleiter. Es soll ein kleines Fest im eigenen Haus werden, denn zwei Tage später feiert er mit der Theaterfamilie, also rund 170 Personen, in der Stadthalle das Doppeljubiläum: 70 Jahre Volksbühne Bergisch Neukirchen und 90 Jahre Erwin Fritz.

1996 hat er zum letzten Mal Regie geführt: "Die lustige Witwe". Bei dem Titel sei klar, dass es jetzt Zeit sei für den Ruhestand, meinte er schmunzelnd. Weitere 15 Jahre hat er immer noch hinter der Bühne mitgearbeitet und die ersten Drehbücher seiner jüngsten Tochter Dana Fischer gelesen. Mittlerweile lasse er sich überraschen und warte bis zur Generalprobe, bei der traditionell die Angehörigen als erstes Publikum im Saal sitzen, sagt sie. "Er weiß inzwischen, dass sie es kann", sagt Mutter Sunhild Fritz, die sich gerne im Hintergrund hält, aber den Verein all die Jahre mitgetragen hat, seit sie selber als Schneewittchen im Weihnachtsmärchen auf der Bühne stand - Jahre bevor sie den Regisseur heiratete.

Ihr Bruder Alexander Piel war einer der wichtigen Partner von Erwin Fritz seit dem Beginn 1946 mit "Der wahre Jakob". Weil in den umliegenden Sälen damals Flüchtlinge untergebracht waren, musste in Witzhelden gespielt werden. Dachlatten für den Kulissenbau konnte man nicht einfach im Baumarkt kaufen. Das Holz musste erst im Wald geschlagen werden. Alte Nägel wurden wieder verwendet. Später tourte man, spielte in Solingen, Langenfeld und Hilden, in den Stadthallen Bergisch Neukirchen und Opladen, im Lindenhof und im Forum. Durch Fürsprache von Bruno Wiefel zog die Volksbühne Bergisch Neukirchen in die Festhalle am Markt, die zum Stammhaus des Vereins wurde. Es folgten zahlreiche Operetteninszenierungen und Komödien, hin und wieder ein Kinderstück und ab 1972 jedes Jahr eine Märchenproduktion zur Weihnachtszeit.

Alle vier Fritz-Töchter starteten dort als Tiere und Sternenkinder - wie später die Enkelgeneration. An ihr erstes Theatererlebnis kann sich Dana Fischer nicht erinnern. Ihre Eltern hatten sie von Anfang an mitgenommen. Dass sie in die Fußstapfen des Vaters trat, sei ein Glück für den Verein, betont Helga Schleimer. Aber Dana Fischer winkt ab. Es seien in Wirklichkeit viele, die Verantwortung übernehmen und mitgestalten, damit es weitergeht.

1520 Aufführungen hat es in 70 Jahren gegeben. Erwin Fritz hat Buch geführt, jedes Programm und jede Zeitungsnotiz aufgehoben. "Das ist ein wahrer Schatz", sagt die Tochter. Es ist die Quelle für eine neue Chronik, an der Anne-Claire Weber schreibt. Auch sie ist Verwandtschaft. "Man müsste einen Stammbaum zeichnen", sagt Dana Fischer. Namensänderungen bei Hochzeiten machen es schwer, die familiären Verbindungen nachzuvollziehen.

Quelle: RP
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