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Leverkusen
"Die Zeitung muss die Hintergründe liefern"

Leverkusen: "Die Zeitung muss die Hintergründe liefern"
Horst Thoren, stellvertretender Chefredakteur der Rheinischen Post (r.), diskutierte am Dienstag mit Kollegen anderer Medien und den Zuhörern. FOTO: RM
Leverkusen. Im Begleitprogramm zur Schau "Zeitung, Buch, Film" diskutierten jetzt Medienexperten zur Zukunft der Zeitung. Von Tobias Falke

Darin waren sich die Diskutanten schnell einig: Guter Journalismus ist Voraussetzung für den Erfolg aller Medienangebote, und zwar unabhängig davon, ob sie in gedruckter Form oder online verbreitet werden. Die Veränderungen in der Medienlandschaft durch neue und vielfältige Internet-Portale und ihre Wirkung für die traditionelle Zeitung waren Thema einer Podiumsdiskussion am Dienstagabend, zu der die Volkshochschule ins Forum eingeladen hatte. Die Gesprächsrunde, Teil des Begleitprogramms zur Ausstellung "Zeitung, Buch, Film" des Opladener Geschichtsvereins, wurde vom VHS-Leiter Gerd Struwe moderiert. Er stellte fest, dass sich die wirtschaftliche Basis der Zeitungen durch rückläufige Auflagen und verringertes Anzeigenaufkommen verändert habe. Einige Zeitungen - wie die Frankfurter Rundschau - hätten deshalb eingestellt werden müssen, andere Blätter hätten sich im Markt behauptet.

Zur Zukunft der Zeitungen äußerte sich Horst Thoren, stellvertretender Chefredakteur der Rheinischen Post: "Man muss immer hinterfragen, was wir unter gutem Journalismus verstehen." Es hätten sich zwar die Kanäle und die Arbeitsweisen der Redaktionen verändert, aber der Grundsatz von einer ausführlichen Recherche, Sorgfalt und Seriosität in der Umsetzung wäre gleichgeblieben. Früher hätte es einen Redaktionsschluss gegeben, der vom Drucktermin bestimmt war. In Zeiten des Internets müsse eine Redaktion ständig neue Nachrichten und Informationen liefern.

Dem stimmte Bert-Christoph Gerhards, Leiter der Redaktion Leverkusen des Kölner Stadt-Anzeigers, zu. Zwar müsse man heute an alle Kanäle, wie soziale Netzwerke oder den eigenen Internetauftritt, denken, aber die Zeitung stehe nach wie vor für die gut aufbereitete Geschichte mit Hintergrund. Während Gerhards vermutete, dass man zeitnah noch regionaler seien müsse, da Leser sich über Weltgeschehen eher im Internet informieren, war Horst Thoren der Meinung, dass Zeitungen eine besondere Kompetenz darstellen und in der Breite auch der überregionalen Berichterstattung ein Alleinstellungsmerkmal generieren müssten.

Er erwarte von einer Zeitung weit mehr als die sicher wichtige und grundlegende lokale Berichterstattung. Bei der überregionalen Berichterstattung müsse die Zeitung die Erklärungen liefern, die der Leser am Vorabend im Fernsehen vermisst habe.

Thoren lobte die Blogger im Internet als "Bereicherung", sieht in ihnen aber keinen Ersatz für die qualifizierte Berichterstattung. Blogger, formulierte der stellvertretende RP-Chefredakteur, könnten auch mal frech und subjektiv berichten. Das dürften Zeitungen nicht. Insofern seien Blogger keine Konkurrenz, sondern eher ein Informationsplus.

Sorgen um die Zukunft der Zeitung machten sich beide Gesprächspartner nicht. Im Gegenteil. Bert-Christoph Gerhards sprach gar von so vielen Lesern wie nie zuvor. Das Internet mache dies möglich, und diese Chance müsse man auch nutzen.

Zum Thema Internet-Journalismus war Stefan Andres, Leverkusener Journalist und Blogger, vor Ort. Er sieht die Zukunft allein im Internet, gestand aber auch ein, dass er die Zeitung vermissen würde, falls es sie nicht mehr gäbe. "Vielleicht sitze ich später hier allein und muss den 20-jährigen Anwesenden erzählen, wie schön es war, eine Zeitung in der Hand gehabt zu haben."

Die letzte Veranstaltung des Begleitprogramms zur Schau in der Villa Römer findet in deren Kaminzimmer am Sonntag, 19. Juni, 11 Uhr statt. Maren Gottschalk referiert übers Thema Zeitzeichen.

Quelle: RP
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