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Leverkusen
Dirigent Dirk Joeres liefert Brahms auf dem Silbertablett

Leverkusen. Streicheleinheiten für die Seele gab es beim zweiten Klassiksonntag der Saison. Angenehmer und gelöster hätte dieser Tag des Totengedenkens für die Besucher von KulturStadtLev im Forum nicht ausklingen können. Von ungeheuer frischem Drive getrieben, spielte die Westdeutsche Sinfonia Leverkusen den Schlusssatz der zweiten Sinfonie von Johannes Brahms, markig, frisch und noch voller Energie am Ende eines Programms mit so vielen wunderschönen melodischen Themen. Die Brahms-Sinfonie ist voll davon, und jede einzelne ließ Dirigent Dirk Joeres hier auf dem Silbertablett servieren, immer sehr fein eingebunden in den Gesamtfluss. Von Monika Klein

Ein wenig Pathos und großen Vorhang kostete man in den ersten Takten der Sinfonie aus, die schon bald in typisch brahmsige Schmeichelharmonik führt. Im zweiten Satz hieß es: Bühne frei für die Celli und ihre berückend schöne Eröffnungsmelodie, die sorgsam von den Hörnern weitergeführt und an die anderen Kollegen der Holzbläsergruppe übergeben wurde. Überhaupt war der Abend ein Fest der vorzüglich besetzten Bläser, aus deren Reihen das elegante wie weiche folgende Allegretto grazioso eröffnet wurde. Anmutig und weit schwingend stellte die 1. Oboistin das Thema vor. Sie bekam den ersten Extra-Applaus und verdientermaßen die Joeres zugedachten Blumen, die er als Gentleman nie für sich behält, sondern an eine der Orchester-Damen weiterreicht. Und weil dieser Satz mit seinen Wechseln so schön traumhafte Melodik und koboldartige Vitalität verbindet, wurde er als Zugabe gleich wiederholt.

Begonnen hatte der Abend mit dem Konzert für Violine und Orchester a-moll von Antonin Dvorak. Hinter dieser Kombination stand ein Konzept, über das Besucher der Einführungsmatinee am Vormittag im Spiegelsaal schon mehr erfahren hatten. Brahms hatte den jüngeren Dvorak, dessen musikalischen Ideenreichtum er sehr schätzte, bei Verleger Simrock empfohlen. Der bestellte daraufhin ein Violinkonzert, das "recht originell, kantilenenreich und für gute Geiger" geschaffen sein sollte. Eine mehr als gute Geigerin spielte den Solopart im Forum: Fabiola Kim bezauberte das Publikum mit ihrem hinreißend geschmeidig gespielten Kantilenen und dem butterweichen Ton, den sie ihrer edlen Stradivari von 1733 entlockte. Poetisch und subtil, aber auch zupackend, virtuos, mit unbändiger Energie und spürbarer Freude an der prägnanten Rhythmik, insbesondere der charakteristischen Synkopen des böhmischen Furiant-Tanzes im letzten Satz. "Etwas Deutsches" als Zugabe war ein perfekt gespielter Bach.

Quelle: RP
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