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Leverkusen/Duisburg
Blinde sollen bei Brustkrebs-Vorsorge helfen

Discovering Hands: Blinde sollen bei Brustkrebs-Vorsorge helfen
In 20 deutschen Arztpraxen wird die Discovering-Hands-Methode durch sehbehinderte und blinde Frauen bereits praktiziert. Bayer will sie in Bolivien und Indien einführen. Skeptiker warnen aber vor falschen Erwartungen. Die Markierungsstreifen dienen den Blinden als Orientierungshilfen. FOTO: discovering hands
Leverkusen/Duisburg. Die Discovering-Hands-Methode will Bayer auch im Ausland implementieren. Skeptiker warnen vor dieser Methode. Von Ludmilla Hauser

Vor zehn Jahren hat der Duisburger Gynäkologen Dr. Frank Hoffmann die Methode "Discovering Hands" erfunden. Nun will Bayer Leverkusen helfen, das Konzept in anderen Ländern zu etablieren. Blinde und schwer sehbehinderte Frauen werden ausgebildet, die weibliche Brust auf Veränderungen abzutasten, die auf Brustkrebs schließen lassen können. In 20 deutschen Arztpraxen wird dies bereits praktiziert.

Die Idee von Frank Hoffmann und das, was daraus geworden ist, hat auch die Bayer Stiftung Cares Foundation überzeugt. 2014 gewann "Discovering Hands" den Aspirin-Sozialpreis. Seitdem hat Thimo Schmitt-Lord, bei Bayer verantwortlich für das Spende- und Stiftungswesen, das Thema nicht losgelassen. "Da wird eine Behinderung zu einer Begabung, eine Ergänzungsuntersuchung in der Brustkrebsfrüherkennung angeboten, und blinde Menschen bekommen so eine berufliche Perspektive." Das Angebot soll auch in Kolumbien aufgebaut werden, ein Bayer-Mitarbeiter hatte eine Markteintrittsanalyse dazu vorgelegt, die lateinamerikanische Entwicklungsbank soll die finanziellen Aspekte ausloten. Derzeit sind drei Kolumbianerinnen in Deutschland, die in Düren zu MTU-Ausbilderinnen geschult werden, erzählt Wilhelm.

Und in Indien baut der Bayer-Konzern jetzt für 500 000 Euro ein Schulungszentrum für blinde Frauen. "In dem Land gibt es Millionen blinde Frauen und zahlreiche Brustkrebserkrankungen, weil sich viele Frauen die Vorsorgeuntersuchungen nicht leisten können. Mit diesem Modell wird sich das ändern", ergänzt Schmitt-Lord.

Dass die Arbeit mit den MTUs funktioniert, belegt Discovering Hands mit Studien, derzeit laufen zwei. Eine von 2008 mit 481 Patientinnen hat ergeben: "Die MTUs haben 50 Prozent mehr Veränderungen gefunden und 28 Prozent mehr kleinere Veränderungen als der Arzt", berichtet Stefan Wilhelm. Dann schließt er einen wichtigen Satz an: "Aus medizinischer Perspektive gibt es bei dieser Sache keine Verlierer: Die Palpationsdiagnostik, also das Abtasten kommt immer zuerst, sie ist kein Ersatz für eine Mammografie."

Aber: "Durch die Befunde der MTUs können mehr Mammografien verordnet werden, auch bei Frauen zwischen Anfang und Mitte 40 Jahre, die ansonsten erstmal keinen Anspruch auf eine solche Untersuchung hätten, statistisch gesehen aber am häufigsten betroffen sind."

Rund 30 Minuten Zeit nimmt sich die medizinische Tast-Untersucherin (MTU), wie sie sich nach bestandener Prüfung nennen darf, für diese Aufgabe. "Eine Diagnose darf sie nicht stellen, sondern sie teilt dem Arzt mit, ob Veränderungen da sind", betont der Sprecher. Er leitet die weitere Diagnostik etwa durch eine Mammografie ein.

Weil sich das alles nicht nur auf der Schulbank lernen lässt, absolvieren die Frauen nach sechs Monaten Theorie in Düren ein dreimonatiges Praktikum in Arztpraxen oder Kliniken. Derzeit sammelt auch das Brustzentrum des Klinikums Leverkusen praktische Erfahrungen. Für das Klinikum sei das eine Testphase, heißt es von dort.

Quelle: RP
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