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Leverkusen
Drohnen schützen Rehkitze vor dem Tod

Leverkusen: Drohnen schützen Rehkitze vor dem Tod
Drohnen helfen schon in vielen Bereichen - nun auch beim Schutz von Rehkitzen. FOTO: Sven Hoppe/dpa, shp vfd fux
Leverkusen. Vor dem Mähen überprüfen einige Bauern heutzutage aus der Luft, ob sich Jungtiere im Feld befinden. Von Bastian Quednau und Susanne Genath

Drohnen, die Film- und Fotoaufnahmen aus der Luft ermöglichen, stehen angesichts zahlreicher Unfälle in der Kritik. Es wurden bereits Pilotenscheine und Kennzeichen gefordert. Die Fluggeräte können aber auch nützlich sein. Zum Beispiel, um Rehkitze vor dem Tod zu bewahren. Denn die Geräte werden zunehmend auch in der Landwirtschaft verwendet.

"Seit neuestem fliegen Drohnen oder Multikopter - mehrflügelige Helikopter - bei einigen Bauern vor der Mahd über das Feld und erfassen mit Hilfe von Infrarotstrahlen Jungtiere, die sich im hohen Gras aufhalten", erklärt Karl Ferdinand Kolk, stellvertretender Vorsitzender der Leverkusener Jägerschaft. Gegenüber den bisher eingesetzten Infrarotgeräten hätten die Flugkörper den Vorteil, dass sie ein größeres Areal absuchen könnten. "Dem gegenüber stehen allerdings ein sehr großer Aufwand und eine Verlängerung des Arbeitstages."

Ziel sei es, keine Jungtiere im Feld durch einen Mähdrescher zu töten. Jährlich werden deutschlandweit Hunderttausende Wildtiere, die sich im Gras verstecken, bei der Mahd getötet. Jäger und Landwirte arbeiten deshalb seit Jahren an Methoden, die dazu dienen sollen, die Zahlen der durch landwirtschaftliche Geräte verletzten oder zu Tode gekommenen Rehkitze zu senken. Dazu gehören sogenannte Wildretter: quadratische Apparate, die vom Trecker aus fünf Hektar weit einen schrillen Alarmton mit 105 Dezibel Schalldruck aussenden. Sie werden schon länger zum Schutz von Rehkitzen, Hasen und Vögeln eingesetzt.

Eine weitere - weniger technische - Methode zielt darauf ab, die Rehe vom Feld zu vertreiben: "Am Abend vor der Mahd stellen wir Wildscheuchen in die Wiese, damit die Rehkitze wo anders abgelegt werden", erklärt Manfred Reul von der Jägerschaft Bergisch Gladbach. Darüber hinaus mähe man von innen nach außen, um so den Tieren die Flucht aus dem Feld zu ermöglichen. Dies nütze aber nur kräftigeren, älteren Tieren, die das Mähgeräusch auch als Gefahr erkennen.

Wird bei der Suche ein Jungtier gefunden, wird es knifflig. Damit der menschliche Geruch nicht auf das Tier abfärbt, wird es in der Regel mit Gras abgedeckt und aus dem Gefahrenbereich getragen, berichtet Karl Ferdinand Kolk.

Eine weitere Gefahr drohe Rehkitzen, Junghasen und Vögeln, die am Boden brüten, durch Hunde, die nicht an der Leine geführt werden. "Es ist ein Reflex, der auch bei sonst so lieben Sofa-Hunden von jetzt auf gleich das Beutegreifer-Gen aktiviert und sie einfach zuschnappen lässt", merkt Manfred Reul an. Er appelliert an Hundebesitzer, die Tiere nur angeleint an Feldern vorbeizuführen.

Und an Spaziergänger, Rehkitze nicht zu streicheln. Da die Ricke ihren Nachwuchs nur drei- bis viermal täglich in seinem sicheren Versteck besuche, sehe es oft so aus, als sei das Junge zurückgelassen worden. "Wird es gestreichelt, erkennt die Mutter es durch den anderen Geruch nicht mehr und verstößt es."

Quelle: RP
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