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Leverkusen
Ehemaliger Banker hilft den Flüchtlingen

Leverkusen: Ehemaliger Banker hilft den Flüchtlingen
FOTO: Miserius, Uwe (umi)
Leverkusen. Bis vor kurzem hat John Hardiman noch sehr vermögende Kunden als Bank-Manager beraten: "Ich habe italienische Maßanzüge getragen und einen Firmenwagen gefahren. Jetzt trage ich Jeans und betreue Flüchtlinge. Und es gibt mir sehr viel", sagt der 60-jährige Vorruheständler. Von Gundhild Tillmanns

In England geboren, ist Hardiman seit 15 Jahren in Leverkusen ansässig und hat auch zuvor schon längere Zeit in einer anderen deutschen Stadt gelebt. Flüchtlinge und insbesondere diejenigen, die unter besonders beengenden und bescheidenen Umständen in Turnhallen untergebracht werden mussten, betreut er seit etwa drei Monaten.

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Da hatte die Stadt Leverkusen zu einer Informationsbörse über Möglichkeiten der ehrenamtlichen Flüchtlingsbetreuung eingeladen. Im Ortsteil Bergisch Neukirchen, wo die erste Turnhalle für Flüchtlinge geräumt werden musste - die zweite kam kurz danach hinzu - engagierte sich Hardiman bislang am meisten. "Seine Flüchtlinge" sind nun in andere Quartiere verlegt worden, weil die Halle nach den Ferien wieder von Schulen und Vereinen genutzt werden soll. Doch Hardiman hat die Flüchtlinge nicht alleine gelassen.

Schließlich sind 40 davon, die bereits in einer Turnhalle "gewohnt" haben, nun in das weitere Hallenquartier in der Görresstraße gebracht worden, wo es mit rund 200 Personen in Halle und Schule jetzt richtig voll wird. Dennoch sei es dort im Vergleich zu dem Flüchtlingsquartier in Opladen (Sandstraße) mit mehr als 400 Menschen noch sehr ordentlich und sauber. "In Opladen herrschen katastrophale Zustände", beklagt der ehrenamtliche Helfer, der immer wieder betont: "Ich mache das nicht alleine, wir sind eine Gruppe von elf Leuten. Nur im Team können wir die vielen Aufgaben von A bis Z bewältigen."

Viel Hilfe kann Hardiman durch seine Sprachkenntnisse leisten, denn neben seiner Muttersprache Englisch ist er im Deutschen genauso fit. So kann er nicht nur übersetzen, sondern er gibt den Flüchtlingen auch Deutschunterricht. Ein wenig Italienisch kann er auch: "Und wenn ein Flüchtling kein Englisch kann, dann findet sich eigentlich immer ein anderer Flüchtling, mit dem ich Englisch spreche und der das dann zum Beispiel ins Arabische übersetzt", berichtet der Helfer.

So haben Hardiman und seine Mitstreiter in Bergisch Neukirchen für die Flüchtlinge und nicht zuletzt auch für die Leverkusener Nachbarn das "Café international" gegründet: "Da wurde gespielt und Kaffee getrunken. Unsere Hauptintention war es aber, im Gespräch elementare Deutschkenntnisse zu vermitteln", berichtet Hardiman von einem Erfolgsmodell, das auch auf die Stimmung der Bevölkerung positiv abgefärbt habe: "Die Nachbarn haben den Flüchtlingen Kleidung und viele andere Dinge gebracht. Es hat fast nur positive Reaktionen gegeben", freut sich der ehrenamtliche Flüchtlingshelfer.

Quelle: RP
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