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Leverkusen
Ein Ausflug zu den Sensenmännern

Industriekultur erleben im Sensenhammer
Leverkusen. Der Mähdrescher brachte das Ende. Zumindest das für die Sichel- und Sensenproduktion im größeren Stil. Deshalb ist ein kleines Modell dieser Fahrzeuge auch im Industriemuseum Freudenthaler Sensenhammer zu sehen. Von Susanne Genath

"1987 hat mein Schwager die Sensenfabrik aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen", erzählt Gisela Schäperclaus (73), die Vorsitzende des Fördervereins. Ein paar Jahre später wurden die Räume als Museum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht - betrieben von Ehrenamtlern. "Es ist ein schöner Job", sagt Renate Steudel (75). Die ehemalige Architektin ist Schatzmeisterin des Fördervereins. Mal macht sie Führungen, mal hilft sie an der Kasse aus. "Man hat Unterhaltung, kommt mit Leuten ins Gespräch und lernt etwas."

Dennoch braucht der Verein dringend helfende Hände. "Wir hatten mal 25 ehrenamtliche Mitarbeiter", berichtet Museumsleiter Wilhelm Matthies (63). Wegen Umzugs und aus Altersgründen seien einige Aktive ausgeschieden. "Jetzt fehlen uns insbesondere Leute, die am Wochenende an der Kasse sitzen." Die Zeit sei überschaubar. "Wir haben samstags und sonntags jeweils fünf Stunden geöffnet, und die Kasse wird in zwei Schichten à 2,5 Stunden besetzt." Denn ohne den Museumsbetrieb könne das Gebäude nicht unterhalten werden.

Und das hat viel Geschichtliches zu bieten. Rund 30 Arbeitsgänge waren nötig, um aus einem Stück Stahl eine Sense herzustellen. In der Schmiedehalle sind die Arbeitsplätze originalgetreu erhalten. Große Hammer sind dort ebenso zu sehen wie halbfertige Sensen. "Hier haben bis zu 75 Leute gearbeitet", erzählt Schäperclaus. Die wichtigsten Männer seien der "Recker" und der "Breiter" gewesen. "Sie arbeiteten mit dem glühenden Stahl", erklärt die Vereinsvorsitzende. Der älteste Hammer steht noch in der Halle. "Er ist 110 Jahre alt und musste den Erzählungen nach nie repariert werden." Schäperclaus weiß so einiges aus der Zeit zu berichten, als die Fabrik im idyllisch gelegenen Freudenthal noch in Betrieb war.

"Die Familie hat sehr viel getan für ihre Mitarbeiter", sagt sie. "Auch dadurch fühlten sich die Leute trotz der schweren Arbeit hier sehr wohl." Eine ehemalige Schleiferin, die aus Italien kam, wohne noch immer in einem der Arbeiterhäuser. "Sie ist jetzt 81." Der frühere Schmiedeteich wurde einst von einem Nebenarm der Dhünn gespeist. Vor ein paar Jahren wurde er zu einem Biotop umgestaltet. Gleich nebenan leben Schafe und Bienen. Der Honig ist im Museumsshop erhältlich. Das historische Gebäude ist übrigens nicht nur Ort von Schmiedevorführungen, sondern auch von Konzerten und Ausstellungen.

Quelle: RP
 
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